Humerusschaftfraktur: Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Humerusschaftfraktur ist ein Knochenbruch des Oberarmschaftes. Sie entsteht häufig durch Sturz, Unfall oder Gewalteinwirkung und kann den Speichennerv schädigen.
Wissenswertes über "Humerusschaftfraktur"
Die Humerusschaftfraktur ist ein Knochenbruch des Oberarmschaftes. Sie entsteht häufig durch Sturz, Unfall oder Gewalteinwirkung und kann den Speichennerv schädigen.
Was ist eine Humerusschaftfraktur?
Die Humerusschaftfraktur bezeichnet einen Knochenbruch im mittleren Abschnitt des Oberarmknochens (Humerus). Der Humerusschaft ist der lange, zylindrische Teil des Oberarms zwischen Schulter- und Ellenbogengelenk. Solche Frakturen machen etwa drei bis fünf Prozent aller Knochenbrüche beim Erwachsenen aus und können in jedem Lebensalter auftreten, wobei ältere Menschen aufgrund von Osteoporose besonders gefährdet sind.
Ursachen
Humerusschaftfrakturen entstehen durch verschiedene Mechanismen:
- Direktes Trauma: Ein direkter Schlag oder Sturz auf den Oberarm, wie er bei Verkehrsunfällen oder Sportunfällen vorkommt.
- Indirektes Trauma: Sturz auf die ausgestreckte Hand oder den Ellenbogen, wobei die Krafteinwirkung indirekt auf den Schaft übertragen wird.
- Torsionsmechanismus: Drehbewegungen des Arms, z. B. beim Armdrücken oder Wurfsportarten, können zu Spiralbrüchen führen.
- Pathologische Fraktur: Bei vorgeschädigtem Knochen durch Osteoporose, Knochenmetastasen oder primäre Knochentumoren kann bereits eine geringe Krafteinwirkung einen Bruch verursachen.
Symptome
Typische Zeichen einer Humerusschaftfraktur sind:
- Starke Schmerzen im Oberarm, die sich bei Bewegung verstärken
- Schwellung und Hämatom (Bluterguss) im Bereich des Bruches
- Fehlstellung oder sichtbare Verformung des Oberarms
- Bewegungseinschränkung des Schulter- und Ellenbogengelenks
- Mögliche Radialisparese: Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühl im Unterarm, der Hand oder den Fingern infolge einer Schädigung des Nervus radialis (Speichennerv), der in engem Kontakt zum Humerusschaft verläuft
Diagnose
Die Diagnose erfolgt in mehreren Schritten:
Klinische Untersuchung
Der Arzt befragt den Patienten zum Unfallhergang und untersucht Schwellung, Fehlstellung, Schmerzen und die neurologische Funktion des Arms, insbesondere die Funktion des Nervus radialis.
Bildgebende Verfahren
- Röntgenaufnahme: Standardmäßig werden zwei Ebenen (anterior-posterior und seitlich) aufgenommen, um Lage und Art der Fraktur zu beurteilen.
- Computertomografie (CT): Bei komplexen Frakturen oder unklaren Befunden liefert die CT detailliertere Informationen über Frakturmuster und Fragmentstellung.
- MRT: Wird bei Verdacht auf Weichteilschäden oder pathologische Frakturen eingesetzt.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach Frakturtyp, Verschiebung der Fragmente, Begleitverletzungen und dem Allgemeinzustand des Patienten.
Konservative Therapie
Viele Humerusschaftfrakturen können konservativ behandelt werden, da der Oberarm eine hohe Toleranz gegenüber Fehlstellungen aufweist und gut von Muskeln umgeben ist, die eine Ruhigstellung unterstützen:
- Hängende Schiene (Hanging Cast) oder funktionelle Orthese (Sarmiento-Orthese): Ruhigstellung unter gleichzeitiger Nutzung des Eigengewichts zur Frakturstellung.
- Physiotherapie: Frühzeitige Übungen zur Erhaltung der Beweglichkeit und Vermeidung von Muskelabbau.
Operative Therapie
Eine Operation ist erforderlich bei:
- Offenen Frakturen (Knochenfragment durchstößt die Haut)
- Begleitenden Gefäß- oder Nervenverletzungen
- Deutlicher Fehlstellung, die konservativ nicht korrigierbar ist
- Mehrfachverletzungen (Polytrauma)
- Pathologischen Frakturen
Operative Verfahren umfassen die intramedulläre Nagelung (Marknagel), die Plattenosteosynthese sowie in seltenen Fällen den Fixateur externe.
Heilung und Prognose
Die meisten Humerusschaftfrakturen heilen innerhalb von 8 bis 16 Wochen aus. Die Prognose ist im Allgemeinen gut, kann aber durch eine begleitende Radialisparese verzögert werden. Eine durch die Fraktur bedingte Radialisparese bildet sich in den meisten Fällen spontan zurück. Physiotherapie ist ein wesentlicher Bestandteil der Rehabilitation, um Kraft und Beweglichkeit des Arms vollständig wiederherzustellen.
Quellen
- Neer C.S., Rockwood C.A. - Fractures and Dislocations of the Shoulder. In: Rockwood and Green's Fractures in Adults, 8. Auflage, Lippincott Williams & Wilkins, 2015.
- Sarmiento A. et al. - Functional bracing of fractures of the shaft of the humerus. Journal of Bone and Joint Surgery, 2000; 82(4): 478-486. PubMed PMID: 10761938.
- Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) - S2k-Leitlinie: Humerusschaftfraktur, AWMF-Register Nr. 012-016, 2021.
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