Hypermobilität: Ursachen, Symptome & Behandlung
Hypermobilität bezeichnet eine übermäßige Beweglichkeit von Gelenken über das normale Maß hinaus. Sie kann angeboren oder erworben sein und mit Schmerzen sowie Instabilität einhergehen.
Wissenswertes über "Hypermobilität"
Hypermobilität bezeichnet eine übermäßige Beweglichkeit von Gelenken über das normale Maß hinaus. Sie kann angeboren oder erworben sein und mit Schmerzen sowie Instabilität einhergehen.
Was ist Hypermobilität?
Hypermobilität bezeichnet die Fähigkeit von Gelenken, sich über den normalen Bewegungsumfang hinaus zu bewegen. Betroffen sein können einzelne Gelenke oder der gesamte Bewegungsapparat. Die Ursache liegt häufig in einer erhöhten Dehnbarkeit der Bänder, Sehnen und des Bindegewebes. Hypermobilität ist nicht immer krankhaft – bei manchen Menschen ist sie eine harmlose körperliche Eigenschaft, bei anderen kann sie jedoch zu Beschwerden führen.
Ursachen
Die Ursachen der Hypermobilität sind vielfältig:
- Genetische Veranlagung: Häufig liegt eine angeborene Schwäche des Bindegewebes vor, die familiär gehäuft auftreten kann.
- Bindegewebserkrankungen: Erkrankungen wie das Ehlers-Danlos-Syndrom oder das Marfan-Syndrom sind mit ausgeprägter Hypermobilität assoziiert.
- Hypermobilitäts-Spektrum-Störung (HSD): Eine eigenständige Diagnose, bei der Hypermobilität mit Beschwerden einhergeht, ohne dass eine andere Bindegewebserkrankung vorliegt.
- Training und Beruf: Intensive Dehnungspraktiken (z. B. bei Tänzern, Turnern) können die Gelenkbeweglichkeit erhöhen.
Symptome
Hypermobilität muss nicht zwingend Beschwerden verursachen. Wenn Symptome auftreten, können diese umfassen:
- Gelenk- und Muskelschmerzen, oft nach körperlicher Belastung
- Wiederkehrende Gelenkverletzungen wie Verstauchungen oder Luxationen (Ausrenkungen)
- Gelenk- und Muskelsteifheit, besonders morgens
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Instabilitätsgefühl in den betroffenen Gelenken
- In schweren Fällen: Beeinträchtigung der Lebensqualität durch chronische Schmerzen
Diagnose
Die Diagnose der Hypermobilität erfolgt in der Regel klinisch, also durch körperliche Untersuchung. Ein weit verbreitetes Werkzeug ist der Beighton-Score, ein Punktesystem, das die Beweglichkeit von fünf Gelenk- bzw. Körperregionen bewertet. Ein hoher Score (ab 5 von 9 Punkten) deutet auf eine generalisierte Hypermobilität hin.
Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Erkrankung wie das Ehlers-Danlos-Syndrom können zusätzliche Untersuchungen erforderlich sein, darunter:
- Gentests zur Identifizierung spezifischer Mutationen
- Bildgebende Verfahren (Röntgen, MRT) zur Beurteilung von Gelenk- und Gewebeveränderungen
- Blutuntersuchungen zum Ausschluss anderer Ursachen
Behandlung
Eine kausale Heilung der Hypermobilität ist in der Regel nicht möglich. Die Behandlung zielt darauf ab, Beschwerden zu lindern und die Gelenkstabilität zu verbessern:
- Physiotherapie: Gezieltes Muskelkräftigungstraining stabilisiert die betroffenen Gelenke und reduziert Schmerzhäufigkeit sowie Verletzungsrisiko.
- Schmerztherapie: Bei Bedarf werden entzündungshemmende Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen) oder andere Analgetika eingesetzt.
- Orthopädische Hilfsmittel: Bandagen, Orthesen oder Stützstrumpfhosen können betroffene Gelenke stabilisieren.
- Patientenedukation: Aufklärung über schützende Bewegungsweisen und Vermeidung überlastender Aktivitäten.
- Psychologische Unterstützung: Bei chronischen Schmerzen kann eine begleitende psychologische Therapie die Lebensqualität verbessern.
Hypermobilität bei Kindern
Bei Kindern ist eine erhöhte Gelenkbeweglichkeit häufiger als bei Erwachsenen und oft altersbedingt. Viele Kinder "entwachsen" der Hypermobilität im Laufe der Zeit. Dennoch sollten Eltern auf Anzeichen wie häufige Gelenkschmerzen nach dem Sport oder wiederholte Verletzungen achten und ärztlichen Rat einholen.
Quellen
- Hakim, A. et al. - Hypermobility, fibromyalgia and chronic pain. Churchill Livingstone Elsevier, 2010.
- Castori, M. et al. - A framework for the classification of joint hypermobility and related conditions. American Journal of Medical Genetics Part C, 175(1), 2017.
- Malfait, F. et al. - The 2017 international classification of the Ehlers-Danlos syndromes. American Journal of Medical Genetics Part C, 175(1), 2017.
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