Hyperprolaktinämie – Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Hyperprolaktinämie bezeichnet erhöhte Prolaktinspiegel im Blut. Sie kann Fruchtbarkeitsstörungen, Zyklusveränderungen und andere Beschwerden verursachen.
Wissenswertes über "Hyperprolaktinämie"
Die Hyperprolaktinämie bezeichnet erhöhte Prolaktinspiegel im Blut. Sie kann Fruchtbarkeitsstörungen, Zyklusveränderungen und andere Beschwerden verursachen.
Was ist Hyperprolaktinämie?
Die Hyperprolaktinämie ist eine Erkrankung, bei der der Spiegel des Hormons Prolaktin im Blut dauerhaft erhöht ist. Prolaktin wird in der Hypophyse (Hirnanhängsel) produziert und spielt eine zentrale Rolle bei der Milchbildung nach der Geburt. Außerhalb der Schwangerschaft und Stillzeit sollte der Prolaktinwert jedoch in einem bestimmten Normalbereich liegen. Erhöhte Werte können auf eine Erkrankung oder eine medikamentöse Nebenwirkung hinweisen.
Ursachen
Die Hyperprolaktinämie kann verschiedene Ursachen haben:
- Prolaktinom: Ein gutartiger Tumor der Hypophyse, der zu viel Prolaktin produziert. Dies ist die häufigste krankhaft bedingte Ursache.
- Medikamente: Bestimmte Arzneimittel wie Antipsychotika, Antidepressiva, Magentherapeutika (z. B. Metoclopramid) oder Blutdruckmittel können den Prolaktinspiegel erhöhen.
- Hypothyreose: Eine Schilddrüsenunterfunktion kann über hormonelle Rückkopplungen zu einer Prolaktinerhöhung führen.
- Niereninsuffizienz: Bei eingeschränkter Nierenfunktion wird Prolaktin weniger abgebaut.
- Stress und körperliche Belastung: Kurzfristig erhöhte Prolaktinwerte können durch Stress, Sport oder Schlafmangel auftreten.
- Idiopathische Hyperprolaktinämie: In manchen Fällen bleibt die Ursache unklar.
Symptome
Die Symptome der Hyperprolaktinämie unterscheiden sich je nach Geschlecht:
Bei Frauen
- Unregelemäßiger oder ausbleibender Menstruationszyklus (Oligomenorrhö oder Amenorrhö)
- Unfruchtbarkeit (Infertilittät)
- Milchfluss aus der Brust ohne Schwangerschaft oder Stillzeit (Galaktorrhö)
- Libidoverlust und Scheidentrockenheit
Bei Männern
- Erektile Dysfunktion und Libidoverlust
- Verminderte Spermienproduktion
- Selten: Brustwachstum (Gynäkomastie) oder Milchfluss
Allgemeine Symptome
- Osteoporose durch den Abfall von Östrogen oder Testosteron
- Kopfschmerzen und Sehstörungen bei großem Hypophysentumor
Diagnose
Die Diagnose einer Hyperprolaktinämie erfolgt in mehreren Schritten:
- Bluttest: Messung des Prolaktinspiegels im nüchternen Zustand, idealerweise morgens und in Ruhe, da Prolaktin stressabhängig ist.
- Wiederholungsmessung: Zur Bestätigung eines dauerhaft erhöhten Wertes.
- Schilddrüsenwerte: Ausschluss einer Hypothyreose als Ursache.
- MRT der Hypophyse: Um ein Prolaktinom oder andere Hypophysentumoren zu erkennen.
- Medikamentenüberprüfung: Abklärung, ob eingenommene Medikamente den Prolaktinspiegel beeinflussen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Hyperprolaktinämie:
Medikamentöse Therapie
Bei einem Prolaktinom und idiopathischer Hyperprolaktinämie sind Dopaminagonisten die Therapie der ersten Wahl. Diese Wirkstoffe ahmen die hemmende Wirkung von Dopamin auf die Prolaktinproduktion nach:
- Cabergolin: Modernes, gut verträgliches Präparat mit wochentlicher Einnahme
- Bromocriptin: Älterer Wirkstoff, tägliche Einnahme, häufiger Nebenwirkungen
Operative Therapie
Bei sehr großen Tumoren (Makroprolaktinomen), die auf Medikamente nicht ansprechen, oder bei Sehnervenbeeinträchtigung kann eine neurochirurgische Operation (meist transsphenöidal, durch die Nase) notwendig sein.
Ursachenbehebung
Liegt die Hyperprolaktinämie an Medikamenten, wird nach Möglichkeit auf ein alternatives Präparat umgestellt. Bei Hypothyreose wird diese behandelt, wodurch sich der Prolaktinspiegel meist normalisiert.
Prognose
Die Prognose der Hyperprolaktinämie ist bei rechtzeitiger Behandlung in den meisten Fällen gut. Prolaktinome sprechen oft sehr gut auf Dopaminagonisten an, und viele Patientinnen und Patienten erreichen eine dauerhafte Normalisierung des Prolaktinspiegels. Die Fruchtbarkeit und der Hormonhaushalt können sich nach erfolgreicher Therapie weitgehend erholen.
Quellen
- Melmed S, Casanueva FF, Hoffman AR et al. - Diagnosis and Treatment of Hyperprolactinemia: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2011.
- Schlechte JA. - Prolactinoma. New England Journal of Medicine, 2003; 349(21): 2035-2041.
- Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) - Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Hypophysentumoren, 2019.
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