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Hypertyrosinämie Typ I ist eine seltene, angeborene Stoffwechselerkrankung, bei der der Abbau der Aminosäure Tyrosin gestört ist. Ohne Behandlung kann sie zu schweren Leber- und Nierenschäden führen.
Hypertyrosinämie Typ I ist eine seltene, angeborene Stoffwechselerkrankung, bei der der Abbau der Aminosäure Tyrosin gestört ist. Ohne Behandlung kann sie zu schweren Leber- und Nierenschäden führen.
Die Hypertyrosinämie Typ I (auch hereditäre Tyrosinämie Typ I, kurz HT-1) ist eine seltene, autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselstörung. Sie zählt zu den angeborenen Aminosäurestoffwechselerkrankungen und betrifft den Abbauweg der Aminosäure Tyrosin. Aufgrund eines Enzymmangels reichern sich toxische Stoffwechselzwischenprodukte im Körper an, die vor allem die Leber, die Nieren und das Nervensystem schädigen. Die Erkrankung tritt weltweit mit einer Häufigkeit von etwa 1:100.000 bis 1:120.000 Geburten auf, ist jedoch in bestimmten Regionen wie der Provinz Quebec in Kanada deutlich häufiger.
HT-1 wird durch einen Defekt im Gen FAH (Fumarylacetoacetase) verursacht, das auf Chromosom 15q23-q25 lokalisiert ist. Dieses Gen kodiert für das Enzym Fumarylacetoacethydrolase, das im letzten Schritt des Tyrosinabbaus eine zentrale Rolle spielt.
Das klinische Bild der HT-1 ist variabel und kann sich in einer akuten, subakuten oder chronischen Form manifestieren:
Die Diagnosestellung erfolgt über mehrere Untersuchungsmethoden:
Die Behandlung der HT-1 hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert und ist heute deutlich effektiver als früher.
Nitisinon (früher auch als NTBC bekannt) ist das Mittel der Wahl und hat die Therapie der HT-1 revolutioniert. Es hemmt das Enzym 4-Hydroxyphenylpyruvat-Dioxygenase (HPPD) und verhindert so die Bildung der toxischen Metaboliten Fumarylacetoacetat und Succinylaceton. Durch die frühzeitige Gabe von Nitisinon können Leberschäden, renale Komplikationen und neurologische Krisen weitgehend verhindert werden.
Ergänzend zu Nitisinon wird eine strenge diätetische Behandlung durchgeführt:
Vor der Verfügbarkeit von Nitisinon war die Lebertransplantation die einzige kurative Therapieoption. Heute wird sie nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt, zum Beispiel bei bereits entwickeltem hepatozellulärem Karzinom oder bei fehlendem Ansprechen auf Nitisinon.
Mit frühzeitiger Diagnose durch das Neugeborenenscreening und sofortiger Behandlung mit Nitisinon sowie Diättherapie ist die Prognose heute deutlich besser als noch vor einigen Jahrzehnten. Die meisten betroffenen Kinder können ein weitgehend normales Leben führen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Leber (einschließlich Tumormarker wie AFP) sind jedoch lebenslang notwendig, da ein Restrisiko für die Entwicklung eines hepatozellulären Karzinoms besteht.
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