Hypochondrie: Ursachen, Symptome & Behandlung
Hypochondrie ist eine psychische Störung, bei der Betroffene übermäßig befürchten, ernsthaft krank zu sein, obwohl keine körperliche Erkrankung vorliegt.
Wissenswertes über "Hypochondrie"
Hypochondrie ist eine psychische Störung, bei der Betroffene übermäßig befürchten, ernsthaft krank zu sein, obwohl keine körperliche Erkrankung vorliegt.
Was ist Hypochondrie?
Hypochondrie – medizinisch auch als Krankheitsangststörung oder Hypochondriasis bezeichnet – ist eine psychische Störung, bei der Betroffene anhaltend und übermäßig befürchten, an einer schweren körperlichen Erkrankung zu leiden. Diese Angst bleibt auch dann bestehen, wenn ärztliche Untersuchungen keine körperliche Ursache ergeben. Im aktuellen Diagnosesystem DSM-5 wird die Erkrankung als Illness Anxiety Disorder (Krankheitsangststörung) eingestuft. In der ICD-10 wird sie unter den hypochondrischen Störungen geführt.
Ursachen
Die genauen Ursachen der Hypochondrie sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird von einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren ausgegangen:
- Biologische Faktoren: Veränderte Schmerzwahrnehmung und Reizverarbeitung im Gehirn können dazu beitragen, dass Körpersignale als bedrohlicher erlebt werden.
- Psychologische Faktoren: Erfahrungen mit Krankheiten in der Kindheit, übermäßige Sorge um die Gesundheit in der Familie sowie persönliche Persönlichkeitsmerkmale wie Ängstlichkeit begünstigen die Entwicklung der Störung.
- Soziale und kulturelle Faktoren: Belastende Lebensereignisse, traumatische Erlebnisse oder der übermäßige Konsum von Gesundheitsinformationen (z. B. im Internet) können Hypochondrie begünstigen oder verstärken.
Symptome
Betroffene zeigen ein breites Spektrum an Beschwerden und Verhaltensweisen:
- Anhaltende und intensive Angst, schwer krank zu sein
- Wiederholte ärztliche Konsultationen und Untersuchungen, ohne dauerhafter Beruhigung
- Vermeidungsverhalten gegenüber allem, was an Krankheiten erinnern könnte
- Exzessive Beschäftigung mit dem eigenen Körper und der Gesundheit
- Intensives Suchen nach Gesundheitsinformationen (sogenanntes Cyberchondrie)
- Emotionaler Leidensdruck und soziale Beeinträchtigung im Alltag
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel von einem Psychiater, Psychologen oder einem erfahrenen Hausarzt gestellt. Dabei werden zunächst körperliche Erkrankungen durch entsprechende Untersuchungen ausgeschlossen. Anschließend erfolgt eine psychiatrische Beurteilung anhand der Kriterien des DSM-5 oder der ICD-10. Wichtig ist dabei, dass die Beschwerden über mindestens sechs Monate bestehen und erheblichen Leidensdruck verursachen.
Behandlung
Psychotherapie
Die wirksamste Behandlungsform ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Sie hilft Betroffenen, irrationale Gedanken über Krankheiten zu erkennen und zu verändern. Dabei werden auch Vermeidungsverhalten und sogenannte Sicherheitsverhalten bearbeitet, die die Angst aufrechterhalten.
Medikamentöse Behandlung
In einigen Fällen werden Antidepressiva – insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) – eingesetzt, um Angstsymptome zu lindern und die Psychotherapie zu unterstützen.
Psychoedukation
Aufklärung über die Natur der Störung ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Betroffene lernen, ihren Körper und dessen Signale realistischer wahrzunehmen und weniger katastrophisierend zu interpretieren.
Prognose
Mit der richtigen Behandlung können viele Betroffene eine deutliche Besserung ihrer Symptome erzielen. Ohne Therapie neigt Hypochondrie jedoch dazu, chronisch zu verlaufen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind daher besonders wichtig.
Quellen
- American Psychiatric Association (2013): Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition (DSM-5). Arlington, VA.
- Abramowitz, J. S. & Braddock, A. E. (2011): Hypochondriasis and Health Anxiety. Hogrefe Publishing.
- World Health Organization (WHO): International Classification of Diseases, 10th Revision (ICD-10), Chapter V: Mental and Behavioural Disorders. Abrufbar unter: https://www.who.int/classifications/icd/en/
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