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Identitätsstörung – Definition, Ursachen & Behandlung

Die Identitätsstörung beschreibt ein gestörtes Selbstbild und eine instabile Wahrnehmung der eigenen Person. Sie tritt oft im Rahmen psychischer Erkrankungen auf und beeinträchtigt das Alltagsleben erheblich.

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Wissenswertes über "Identitätsstörung"

Die Identitätsstörung beschreibt ein gestörtes Selbstbild und eine instabile Wahrnehmung der eigenen Person. Sie tritt oft im Rahmen psychischer Erkrankungen auf und beeinträchtigt das Alltagsleben erheblich.

Was ist eine Identitätsstörung?

Eine Identitätsstörung bezeichnet eine anhaltende Beeinträchtigung des Selbstbilds und der Wahrnehmung der eigenen Identität. Betroffene haben Schwierigkeiten, ein stabiles, kohärentes Bild von sich selbst, ihren Werten, Zielen und zwischenmenschlichen Beziehungen zu entwickeln. Die Störung kann als eigenständige Diagnose auftreten oder ein zentrales Merkmal anderer psychischer Erkrankungen sein, insbesondere der Borderline-Persönlichkeitsstörung (emotional instabile Persönlichkeitsstörung).

Ursachen

Die Entstehung einer Identitätsstörung ist vielschichtig und wird durch ein Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren beeinflusst:

  • Traumatische Kindheitserlebnisse: Vernachlässigung, emotionaler oder körperlicher Missbrauch sowie instabile Familienverhältnisse gelten als bedeutende Risikofaktoren.
  • Genetische Veranlagung: Eine familiäre Häufung bestimmter Persönlichkeitsstörungen deutet auf eine genetische Komponente hin.
  • Neurobiologische Faktoren: Veränderungen in der Verarbeitung von Emotionen und in bestimmten Hirnregionen, insbesondere im präfrontalen Kortex und der Amygdala, können eine Rolle spielen.
  • Soziokulturelle Einflüsse: Gesellschaftlicher Druck, Identitätskonflikte in der Adoleszenz sowie fehlende soziale Unterstützung können die Entwicklung einer stabilen Identität erschweren.
  • Dissoziative Prozesse: Bei dissoziativer Identitätsstörung (früher als multiple Persönlichkeitsstörung bezeichnet) gelten schwere frühkindliche Traumata als Hauptauslöser.

Symptome

Die Symptome einer Identitätsstörung können je nach Ausprägung und Kontext variieren. Typische Merkmale umfassen:

  • Instabiles oder diffuses Selbstbild – Unsicherheit über die eigenen Werte, Überzeugungen und Ziele
  • Rasch wechselnde Stimmungen und Selbstwahrnehmung
  • Schwierigkeiten in der Aufrechterhaltung stabiler zwischenmenschlicher Beziehungen
  • Gefühl der inneren Leere oder Sinnlosigkeit
  • Impulsives Verhalten
  • Angst vor dem Alleinsein oder dem Verlassenwerden
  • Bei dissoziativer Identitätsstörung: Auftreten verschiedener Persönlichkeitszustände (Alteri), Gedächtnislücken (Amnesie) sowie Depersonalisation und Derealisation

Diagnose

Die Diagnose einer Identitätsstörung erfolgt durch eine eingehende psychiatrische oder psychotherapeutische Untersuchung. Grundlage sind die international anerkannten Klassifikationssysteme ICD-11 (Internationale Klassifikation der Krankheiten) sowie das DSM-5 (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen). Der Diagnostikprozess umfasst:

  • Ausführliche Anamnese und Exploration der Lebensgeschichte
  • Einsatz standardisierter psychologischer Testverfahren und Fragebögen
  • Differenzialdiagnostische Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen (z. B. Schizophrenie, bipolare Störung, Borderline-Persönlichkeitsstörung)
  • Bei Verdacht auf dissoziative Identitätsstörung: spezifische Diagnostikinstrumente wie das Structured Clinical Interview for Dissociative Disorders (SCID-D)

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der zugrundeliegenden Diagnose und dem Schweregrad der Störung. Sie umfasst in der Regel:

Psychotherapie

Psychotherapeutische Verfahren stellen die wichtigste Säule der Behandlung dar:

  • Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT): Besonders wirksam bei Borderline-Persönlichkeitsstörung mit Identitätsproblemen; fördert Emotionsregulation und Selbstwahrnehmung.
  • Schematherapie: Hilft, früh entwickelte Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern.
  • Traumafokussierte Therapieverfahren: Bei traumabedingter oder dissoziativer Identitätsstörung, z. B. EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing).
  • Psychodynamische Psychotherapie: Bearbeitung unbewusster Konflikte und frühkindlicher Bindungserfahrungen.

Medikamentöse Behandlung

Es gibt keine spezifische Medikation für Identitätsstörungen. Begleitend können jedoch Antidepressiva, Stimmungsstabilisatoren oder niedrigdosierte Antipsychotika eingesetzt werden, um Begleitsymptome wie Angst, Depressionen oder Impulsivität zu lindern.

Stationäre und ambulante Behandlung

Je nach Schweregrad der Erkrankung kann eine ambulante Psychotherapie ausreichend sein. In Krisensituationen oder bei schwerer Symptomatik kann eine stationäre oder teilstationäre psychiatrische Behandlung notwendig werden.

Verlauf und Prognose

Mit einer adäquaten Behandlung können viele Betroffene deutliche Verbesserungen ihrer Symptome und ihrer Lebensqualität erzielen. Ein frühzeitiger Therapiebeginn sowie eine stabile therapeutische Beziehung sind wichtige prognostische Faktoren. Langfristig ist das Ziel die Entwicklung eines stabilen, positiven Selbstbilds und die Verbesserung der sozialen Teilhabe.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): International Classification of Diseases, 11th Revision (ICD-11). Genf, 2022.
  2. American Psychiatric Association: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition (DSM-5). Washington D.C., 2013.
  3. Linehan, M. M.: DBT Skills Training Manual. 2nd Edition. Guilford Press, New York, 2015.

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