Inhibin – Hormon, Funktion & klinische Bedeutung
Inhibin ist ein Hormon der Keimdrüsen, das die Ausschüttung von FSH hemmt und eine zentrale Rolle in der Fortpflanzungsphysiologie spielt.
Wissenswertes über "Inhibin"
Inhibin ist ein Hormon der Keimdrüsen, das die Ausschüttung von FSH hemmt und eine zentrale Rolle in der Fortpflanzungsphysiologie spielt.
Was ist Inhibin?
Inhibin ist ein Glykoprotein-Hormon, das hauptsächlich in den Keimdrüsen gebildet wird – bei Frauen in den Follikelzellen des Eierstocks (Granulosazellen) und bei Männern in den Sertoli-Zellen des Hodens. Es gehört zur TGF-β-Superfamilie (Transforming Growth Factor beta) und kommt in zwei Formen vor: Inhibin A und Inhibin B. Die wichtigste Funktion von Inhibin ist die Hemmung der Ausschüttung des follikelstimulierenden Hormons (FSH) aus der Hirnanhängedruse (Hypophyse).
Biologische Funktion
Inhibin wirkt über einen negativen Rückkopplungsmechanismus auf die Hypophyse. Wenn der Inhibin-Spiegel im Blut ansteigt, wird die Freisetzung von FSH gehemmt. Dadurch regelt Inhibin indirekt die Reifung von Eizellen und Spermien sowie den gesamten reproduktiven Zyklus.
- Inhibin B: Wird bei Frauen hauptsächlich in der frühen Follikelphase gebildet; bei Männern dient es als Marker für die Spermatogenese.
- Inhibin A: Wird vor allem in der Lutealphase und während der Schwangerschaft produziert.
Klinische Bedeutung
Fertilität und Reproduktionsmedizin
Inhibin B gilt bei Frauen als wichtiger Marker für die ovarielle Reserve, also für die Anzahl und Qualität der verbliebenen Eizellen. Ein niedriger Inhibin-B-Spiegel kann auf eine verminderte Eierstockreserve oder eine bevorstehende Menopause hinweisen. Bei Männern ist ein erniedrigtes Inhibin B ein Hinweis auf eine gestörte Spermienproduktion und kann bei der Abklärung von männlicher Unfruchbarkeit hilfreich sein.
Schwangerschaftsdiagnostik
Inhibin A ist Bestandteil des sogenannten Quad-Screen-Tests (Vierfachtest), einem pränatalen Screening-Test im zweiten Trimester der Schwangerschaft. Erhöhte Inhibin-A-Werte können ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für das Down-Syndrom (Trisomie 21) sein.
Tumormarker
In der Onkologie werden Inhibin-Werte im Blut als Tumormarker bei bestimmten Eierstocktumoren eingesetzt, insbesondere bei Granulosazelltumoren und Muzinösen Zystadenomen. Erhöhte Inhibin-Spiegel können auf das Vorliegen oder das Wiederauftreten solcher Tumoren hinweisen.
Diagnose und Messung
Inhibin wird über eine einfache Blutuntersuchung bestimmt. Die Messung von Inhibin A und Inhibin B erfolgt mittels spezieller Immunoassays. Die Referenzwerte variieren je nach Geschlecht, Alter und Zyklusphase der Frau. Die Interpretation der Werte sollte immer im klinischen Gesamtzusammenhang und zusammen mit anderen Hormonen wie FSH, LH und AMH (Anti-Müller-Hormon) erfolgen.
Inhibin und die Menopause
Mit zunehmendem Alter und dem Übergang in die Menopause sinken die Inhibin-B-Spiegel bei Frauen deutlich ab. Da Inhibin B den FSH-Spiegel hemmt, führt der Rückgang von Inhibin zu einem Anstieg von FSH – ein typischer Laborbefund in der Perimenopause. Dieser Mechanismus erklärt auch, warum FSH als klassischer Marker für die Menopause gilt.
Quellen
- Burger HG. - Inhibin. - Reproductive Biology and Endocrinology, 2004.
- Groome NP et al. - Measurement of dimeric inhibin B throughout the human menstrual cycle. - Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 1996.
- World Health Organization (WHO) - Laboratory Manual for the Examination and Processing of Human Semen, 5th edition, 2010.
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