Innenknöchelosteosynthese: OP, Technik & Nachsorge
Die Innenknöchelosteosynthese ist ein chirurgischer Eingriff zur operativen Stabilisierung eines gebrochenen Innenknöchels mittels Schrauben, Drähten oder Platten.
Wissenswertes über "Innenknöchelosteosynthese"
Die Innenknöchelosteosynthese ist ein chirurgischer Eingriff zur operativen Stabilisierung eines gebrochenen Innenknöchels mittels Schrauben, Drähten oder Platten.
Was ist die Innenknöchelosteosynthese?
Die Innenknöchelosteosynthese ist ein operatives Verfahren der Unfallchirurgie und Orthopädie, bei dem ein gebrochener Innenknöchel (Malleolus medialis) mithilfe von Implantaten wie Schrauben, Kirschner-Drähten oder Platten stabilisiert und in korrekter Stellung fixiert wird. Das Ziel ist die Wiederherstellung der anatomischen Struktur und Stabilität des oberen Sprunggelenks.
Ursachen und Indikation
Eine Innenknöchelosteosynthese ist notwendig, wenn der Innenknöchel so stark gebrochen ist, dass eine konservative Behandlung (z. B. Gipsversorgung) nicht ausreicht. Typische Ursachen für Innenknöchelbruch sind:
- Umknicken des Sprunggelenks (Supinationstrauma)
- Sturz aus größerer Höhe
- Sportunfälle, insbesondere beim Fußball, Basketball oder Skifahren
- Verkehrsunfälle
Besonders häufig tritt der Innenknöchelbruch als Teil einer Knöchelfraktur auf, z. B. im Rahmen einer bimalleolären oder trimalleolären Fraktur. Die Indikation zur Operation wird anhand des Frakturtyps, der Dislokation (Verschiebung der Knochenfragmente) und der Stabilität des Sprunggelenks gestellt.
Diagnose
Vor der Operation erfolgt eine sorgfältige Diagnostik:
- Röntgenaufnahmen des Sprunggelenks in zwei Ebenen zur Beurteilung von Frakturtyp und -ausmaß
- Computertomographie (CT) bei komplexen oder unklaren Frakturmustern
- Klinische Untersuchung zur Beurteilung von Weichteilschaden, Durchblutung und Nervenfunktion
Die Klassifikation erfolgt häufig nach dem Weber-Klassifikationssystem (Weber A, B oder C) oder der AO-Klassifikation.
Operationstechnik
Der Eingriff wird in der Regel in Rückenlage des Patienten unter Regional- oder Vollnarkose durchgeführt. Typische Schritte der Operation:
- Reposition: Die verschobenen Knochenfragmente werden anatomisch korrekt eingestellt.
- Fixation: Je nach Frakturtyp erfolgt die Stabilisierung mit einer oder zwei Zugschrauben, einer Plattenosteosynthese oder Kirschner-Drähten mit Zuggurtung (Drahtcerclage).
- Wundverschluss: Nach Einlage einer Drainage wird die Wunde schichtweise verschlossen.
Die Zuggurtungsosteosynthese mit zwei Kirschner-Drähten und einer Drahtschlaufe ist ein bewährtes Verfahren für quer verlaufende Innenknöchelbruch. Bei größeren oder komplexen Fragmenten kommen Schrauben oder Kleinfragmentplatten zum Einsatz.
Nachbehandlung und Rehabilitation
Nach der Operation ist eine strukturierte Nachbehandlung entscheidend für eine vollständige Genesung:
- Ruhigstellung und Entlastung des Sprunggelenks für mehrere Wochen, je nach Frakturkomplex und Operationsergebnis
- Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin
- Physiotherapeutische Übungen zur Wiederherstellung von Beweglichkeit und Kraft
- Stufenweise Belastungssteigerung unter ärztlicher Kontrolle
- Röntgenkontrollen zur Überwachung der Knochenbruchheilung
Die vollständige Belastbarkeit des Sprunggelenks ist in der Regel nach 6 bis 12 Wochen möglich, abhängig vom Schweregrad der Verletzung und dem Heilungsverlauf.
Mögliche Komplikationen
Wie bei jedem operativen Eingriff bestehen gewisse Risiken:
- Infektionen der Wunde oder des Knochens (Osteitis)
- Implantatlockerung oder -versagen
- Störung der Wundheilung, besonders bei Diabetikern oder Rauchern
- Nerven- oder Gefäßverletzungen
- Postoperative Arthrose des Sprunggelenks bei unvollständiger Reposition
- Thrombose oder Lungenembolie
In manchen Fällen ist nach abgeschlossener Knochenbruchheilung eine Implantatentfernung notwendig, insbesondere wenn die Implantate tastbar sind oder Beschwerden verursachen.
Quellen
- Rommens PM, Hessmann MH (Hrsg.): Intramedullary Nailing. Springer, Berlin/Heidelberg, 2015.
- Müller ME et al.: AO-Manual der Osteosynthese. Springer, Berlin, 4. Auflage, 2007.
- Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU): S2k-Leitlinie Sprunggelenksfrakturen. AWMF-Register Nr. 012-003, 2020.
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