Insall-Salvati-Index: Definition & Normwerte
Der Insall-Salvati-Index ist ein radiologisches Maß zur Beurteilung der Kniescheibenposition. Er beschreibt das Verhältnis zwischen Patellasehnenlänge und Patellagröße.
Wissenswertes über "Insall-Salvati-Index"
Der Insall-Salvati-Index ist ein radiologisches Maß zur Beurteilung der Kniescheibenposition. Er beschreibt das Verhältnis zwischen Patellaseh nenlänge und Patellagröße.
Was ist der Insall-Salvati-Index?
Der Insall-Salvati-Index (auch Insall-Salvati-Ratio oder Insall-Salvati-Quotient) ist ein in der Orthopädie und Radiologie verwendetes Messverfahren, um die Position der Kniescheibe (Patella) im Verhältnis zum Kniegelenk zu beurteilen. Er wurde 1971 von den Orthopäden John N. Insall und Edmond Salvati beschrieben und ist seither ein etablierter Bestandteil der klinischen Diagnostik von Knieerkrankungen.
Die Messung erfolgt anhand eines seitlichen Röntgenbildes des Kniegelenks bei einer Beugung von etwa 30 Grad. Der Index berechnet sich aus dem Verhältnis zweier Strecken:
- Länge der Patellasehne (vom unteren Patellapol bis zur Tuberositas tibiae)
- Länge der Patella (größter diagonaler Durchmesser der Kniescheibe)
Die Formel lautet: Insall-Salvati-Index = Länge der Patellasehne / Länge der Patella
Normwerte und Interpretation
Bei einem gesunden Kniegelenk beträgt der Insall-Salvati-Index in der Regel ca. 1,0, wobei Werte zwischen 0,8 und 1,2 als normal gelten.
- Index > 1,2 (Patella alta): Die Kniescheibe sitzt zu hoch. Dies kann zu Instabilität, Luxationsneigung und vorderem Knieschmerz führen.
- Index < 0,8 (Patella baja / Patella infera): Die Kniescheibe sitzt zu tief. Dies kann nach Operationen oder Verletzungen auftreten und geht häufig mit Bewegungseinschränkungen einher.
Klinische Bedeutung
Der Insall-Salvati-Index spielt eine wichtige Rolle bei der Abklärung und Behandlungsplanung verschiedener Knieerkrankungen. Er wird insbesondere eingesetzt bei:
- Patellaluxation (Ausrenkung der Kniescheibe): Eine Patella alta ist ein bedeutender Risikofaktor für wiederholte Ausrenkungen.
- Patellofemorales Schmerzsyndrom: Schmerzen im vorderen Kniebereich, die durch eine gestörte Patellaposition mitverursacht werden können.
- Praeoperative Planung: Vor kniegelenkerhaltenden Eingriffen oder Knieprothesenimplantationen wird der Index routinemäßig bestimmt.
- Postoperative Kontrolle: Nach Eingriffen am Kniegelenk oder an der Patellasehne dient der Index zur Überprüfung des Behandlungsergebnisses.
Modifikationen des Insall-Salvati-Index
Da der klassische Insall-Salvati-Index in bestimmten Fällen ungenau sein kann (z. B. nach operativer Veränderung der Tuberositas tibiae), wurden Modifikationen entwickelt:
- Modifizierter Insall-Salvati-Index (nach Grelsamer und Meadows, 1992): Hierbei wird die Länge der Patellasehne ins Verhältnis zur Artikulationsfläche der Patella (nicht zur Gesamtlänge) gesetzt. Dies erhöht die Genauigkeit bei anatomischen Varianten.
Durchführung der Messung
Die Messung wird standardmäßig auf einem seitlichen Röntgenbild des Kniegelenks durchgeführt. Dabei gelten folgende Voraussetzungen:
- Kniebeugewinkel von ca. 30 Grad
- Messung im Stehen oder liegend je nach Protokoll
- Klare Darstellung der Patella, der Patellasehne und der Tuberositas tibiae
Alternativ kann die Patellaposition auch mittels MRT (Magnetresonanztomographie) oder Ultraschall beurteilt werden, wobei der Insall-Salvati-Index primär ein radiologisches Messinstrument ist.
Quellen
- Insall J, Salvati E. Patella position in the normal knee joint. Radiology. 1971;101(1):101-104.
- Grelsamer RP, Meadows S. The modified Insall-Salvati ratio for assessment of patellar height. Clinical Orthopaedics and Related Research. 1992;282:170-176.
- Diederichs G et al. Radiological measurement of patellar height: a comparative study of six methods. The Journal of Bone and Joint Surgery. 2010;92(14):2045-2052.
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