Invagination: Ursachen, Symptome & Behandlung
Invagination bezeichnet das Einstülpen eines Darmabschnitts in einen benachbarten Abschnitt. Es ist ein medizinischer Notfall, der vor allem Kleinkinder betrifft.
Wissenswertes über "Invagination"
Invagination bezeichnet das Einstülpen eines Darmabschnitts in einen benachbarten Abschnitt. Es ist ein medizinischer Notfall, der vor allem Kleinkinder betrifft.
Was ist eine Invagination?
Die Invagination (auch Invaginatio intestini) ist eine ernste Erkrankung des Magen-Darm-Trakts, bei der sich ein Abschnitt des Darms teleskopärtig in den benachbarten Darmabschnitt einstülpt. Dadurch entsteht ein mechanischer Darmverschluss (Ileus), der die Blutversorgung des betroffenen Darmabschnitts unterbrechen kann. Die Invagination ist ein medizinischer Notfall und muss schnell behandelt werden, um schwerwiegende Komplikationen wie ein Absterben von Darmgewebe zu verhindern.
Häufigkeit und betroffene Personengruppen
Die Invagination ist die häufigste Ursache eines akuten Darmverschlusses im Säuglings- und Kleinkindalter. Sie tritt am häufigsten bei Kindern zwischen 3 Monaten und 3 Jahren auf, mit einem Gipfel zwischen dem 5. und 9. Lebensmonat. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Bei Erwachsenen ist die Invagination deutlich seltener und hat meist eine organische Ursache.
Ursachen
Bei Säuglingen und Kleinkindern bleibt die Ursache in den meisten Fällen unbekannt (idiopathisch). Man vermutet, dass eine Vergrößerung von Lymphknoten im Darm (z. B. nach einem viralen Infekt) als sogenannter Leitpunkt die Einstülpung auslöst.
- Vergrößerte Lymphknoten (Lymphadenitis mesenterialis)
- Meckel-Divertikel
- Darmpolypen oder -tumore (vor allem bei älteren Kindern und Erwachsenen)
- Virale Infektionen (z. B. Adenoviren, Rotaviren)
- Purpura Schonlein-Henoch (eine Gefäßentzündung)
Symptome
Die Symptome einer Invagination beginnen häufig plötzlich und können sich in Schüben äußern. Typische Zeichen sind:
- Plötzlich einsetzende, kolikartige Bauchschmerzen, die in Intervallen auftreten (das Kind zieht die Beine an den Bauch)
- Erbrechen (zunächst nicht gallig, später gallig)
- Himbeergelee-artiger Stuhl (Blut- und Schleimbeimischung im Stuhl – ein charakteristisches Zeichen)
- Palpabler Tumor im Bauch (ein wurstförmiges Gebilde, meist im rechten Oberbauch tastbar)
- Allgemeines Krankheitsgefühl, Blässe, Lethargie
- Im späteren Verlauf: Zeichen eines Schocks bei ausbleibender Behandlung
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch bildgebende Verfahren gestellt:
- Ultraschall (Sonografie): Methode der ersten Wahl. Zeigt ein charakteristisches "Schießscheiben-" oder "Zwiebelring-Zeichen" im Querschnitt sowie ein "Pseudonieren-Zeichen" im Längsschnitt.
- Röntgenuntersuchung des Abdomens: Kann Zeichen eines Ileus zeigen.
- Kontrastmitteleinlauf: Kann sowohl diagnostisch als auch therapeutisch eingesetzt werden.
Behandlung
Konservative Therapie
In vielen Fällen kann die Invagination nicht-operativ durch einen hydrostatsichen oder pneumatischen Einlauf (mit flüssigem Kontrastmittel oder Luft) unter Bildgebung behoben werden. Diese Methode ist bei nicht-komplizierten Fällen die Therapie der ersten Wahl und hat eine hohe Erfolgsrate.
Operative Therapie
Wenn der Einlauf nicht erfolgreich ist, Zeichen einer Darmperforation bestehen oder der Patient einen schlechten Allgemeinzustand hat, ist eine Operation notwendig. Dabei wird die Einstülpung manuell gelöst (Desinvagination). Bei abgestorbenem Darmgewebe muss der betroffene Abschnitt entfernt werden.
Prognose
Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung ist die Prognose sehr gut. Ohne Behandlung kann die Invagination jedoch zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Darmperforation, Peritonitis (Bauchfellentzündung) und septischem Schock führen. Bei etwa 5–10 % der Fälle kann es nach erfolgreicher Behandlung zu einem Rückfall (Rezidiv) kommen.
Quellen
- Bucher, H. U. et al.: Pädiatrie. Thieme Verlag, Stuttgart 2020.
- Waseem, M. & Rosenberg, H. K.: Intussusception. Pediatric Emergency Care, 2008; 24(11):793–800. PubMed PMID: 19018225.
- World Health Organization (WHO): Management of the child with a serious infection or severe malnutrition. WHO Press, Geneva 2000. Verfügbar unter: https://www.who.int
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