Jejunumzottenatrophie – Ursachen, Symptome & Therapie
Die Jejunumzottenatrophie bezeichnet den Rückgang der Darmzotten im Jejunum, was die Nährstoffaufnahme stark beeinträchtigt und häufig bei Zöliakie auftritt.
Wissenswertes über "Jejunumzottenatrophie"
Die Jejunumzottenatrophie bezeichnet den Rückgang der Darmzotten im Jejunum, was die Nährstoffaufnahme stark beeinträchtigt und häufig bei Zöliakie auftritt.
Was ist die Jejunumzottenatrophie?
Die Jejunumzottenatrophie beschreibt den krankhaften Rückgang oder den vollständigen Verlust der Darmzotten (Villi intestinales) im Jejunum, dem mittleren Abschnitt des Dünndarms. Die Darmzotten sind fingerartige Ausstülpungen der Darmschleimhaut, die die Oberfläche des Dünndarms enorm vergrößern und für die Aufnahme von Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen aus der Nahrung unerlässlich sind. Bei einer Zottenatrophie ist diese Aufnahmefähigkeit erheblich reduziert, was zu einer Malabsorption führt.
Ursachen
Die Jejunumzottenatrophie kann durch verschiedene Erkrankungen und Auslöser verursacht werden:
- Zöliakie (glutensensitive Enteropathie): Die häufigste Ursache. Eine immunologische Reaktion auf das Klebereiweiß Gluten führt zur chronischen Entzündung und zum Abbau der Darmzotten.
- Tropische Sprue: Eine infektiöse oder ernährungsbedingte Erkrankung in tropischen Regionen, die zu ähnlichen Schleimhautveränderungen führt.
- Autoimmune Enteropathie: Eine seltene Erkrankung, bei der das Immunsystem die eigene Darmschleimhaut angreift.
- Medikamente: Bestimmte Arzneimittel wie Methotrexat oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können die Darmschleimhaut schädigen.
- Infektionen: Parasitäre Infektionen (z. B. Giardia lamblia) oder schwere bakterielle Infektionen des Dünndarms.
- Morbus Crohn: Chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die auch das Jejunum betreffen kann.
- Common Variable Immunodeficiency (CVID): Ein Immundefekt, der mit Zottenatrophie assoziiert sein kann.
Symptome
Da die Nährstoffaufnahme im Jejunum gestört ist, äußert sich die Jejunumzottenatrophie durch vielfältige Beschwerden:
- Chronischer Durchfall, oft fettig und übelriechend (Steatorrhoe)
- Bauchschmerzen, Blähungen und Völlegefühl
- Gewichtsverlust und Unterernährung
- Mangelerscheinungen: Eisen-, Folsäure-, Vitamin-B12-, Kalzium- und Vitamin-D-Mangel
- Anämie (Blutarmut)
- Müdigkeit, Erschöpfung und Leistungsabfall
- Bei Kindern: Gedeihstörungen und Wachstumsverzögerungen
- Osteoporose durch langfristigen Kalziummangel
Diagnose
Die Diagnose der Jejunumzottenatrophie erfordert eine Kombination aus klinischen, serologischen und histologischen Untersuchungen:
Serologische Tests
Bei Verdacht auf Zöliakie werden spezifische Antikörper im Blut gemessen, insbesondere Anti-Transglutaminase-IgA-Antikörper und Anti-Endomysium-Antikörper.
Endoskopie und Biopsie
Die wichtigste diagnostische Maßnahme ist die Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD) mit Entnahme von Gewebeproben (Biopsien) aus dem Jejunum oder dem distalen Duodenum. Histologisch wird der Grad der Zottenatrophie nach der Marsh-Klassifikation beurteilt (Marsh 0 bis Marsh 3c), wobei Marsh 3 eine vollständige Zottenatrophie beschreibt.
Laboruntersuchungen
Blutuntersuchungen auf Mangelzustände (Eisen, Ferritin, Folsäure, Vitamin B12, Kalzium, Vitamin D) und Entzündungsparameter ergänzen die Diagnostik.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache:
Glutenfreie Ernährung bei Zöliakie
Bei Zöliakie ist die konsequente und lebenslange glutenfreie Ernährung die einzige wirksame Therapie. Sie führt in der Regel zu einer vollständigen Regeneration der Darmzotten innerhalb von Monaten bis Jahren.
Behandlung der Grunderkrankung
Bei anderen Ursachen steht die Therapie der auslösenden Erkrankung im Vordergrund, etwa antiparasitäre Mittel bei Giardiasis oder Immunsuppressiva bei autoimmuner Enteropathie.
Nährstoffsubstitution
Bestehende Mangelzustände werden gezielt durch Nahrungsergänzungsmittel oder intravenöse Infusionen ausgeglichen, z. B. Eisen, Folsäure, Vitamin B12, Kalzium und Vitamin D.
Ernährungstherapie
Eine ernährungstherapeutische Begleitung durch Fachpersonal unterstützt die Rehabilitation der Darmschleimhaut und die ausreichende Nährstoffversorgung.
Quellen
- Ludvigsson JF, et al. - Diagnosis and management of adult coeliac disease: guidelines from the British Society of Gastroenterology. Gut. 2014;63(8):1210-1228.
- Rubio-Tapia A, et al. - ACG Clinical Guidelines: Diagnosis and Management of Celiac Disease. American Journal of Gastroenterology. 2013;108(5):656-676.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO) - Chronic diseases and health promotion: Celiac disease. Verfügbar unter: https://www.who.int
Meistgekaufte Produkte
Der universelle Immunschutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Immunproteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des Immunsystems
Für eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac, Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®Die neusten Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieMikrochirurgie
Vasodilationsfaktor
Subarachnoidalblutung
Die meistgelesenen Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieMagnesiumcarbonat
Kaloriengehalt
Kölner Liste
Verwandte Suchbegriffe: Jejunumzottenatrophie