Kalilauge (KOH) – Wirkung, Anwendung & Sicherheit
Kalilauge (Kaliumhydroxid, KOH) ist eine stark ätzende Base, die in Medizin, Industrie und Lebensmittelverarbeitung eingesetzt wird.
Wissenswertes über "Kalilauge"
Kalilauge (Kaliumhydroxid, KOH) ist eine stark ätzende Base, die in Medizin, Industrie und Lebensmittelverarbeitung eingesetzt wird.
Was ist Kalilauge?
Kalilauge ist eine wässrige Lösung von Kaliumhydroxid (KOH), einer anorganischen Verbindung, die zu den starken Basen zählt. Sie ist farblos, ätzend und wird in verschiedenen industriellen, chemischen und medizinischen Bereichen verwendet. In der Medizin findet Kalilauge vor allem als diagnostisches Hilfsmittel sowie in bestimmten therapeutischen Anwendungen Einsatz.
Chemische Eigenschaften
Kalilauge dissociiert in wässriger Lösung vollständig in Kalium-Ionen (K¹♠) und Hydroxid-Ionen (OH−). Durch den hohen pH-Wert (typischerweise zwischen 13 und 14) wirkt sie stark alkalisch und ist in der Lage, Proteine und Fette zu zersetzen sowie organisches Gewebe zu zerstören.
- Chemische Formel: KOH
- Molekulargewicht: 56,11 g/mol
- pH-Wert (konzentrierte Lösung): über 13
- Aggregatzustand: fest (Pellets/Schuppen) oder als wässrige Lösung
Medizinische Anwendungen
Diagnostik: KOH-Präparat
In der Dermatologie und Mykologie wird eine verdünnte Kalilauge-Lösung (10–20 %) als KOH-Präparat eingesetzt, um Pilzinfektionen der Haut, Nägel oder Haare mikroskopisch nachzuweisen. Dabei werden Hautschuppen oder Nagelproben mit KOH behandelt, um menschliche Zellen aufzulösen und Pilzelemente (Hyphen, Sporen) sichtbar zu machen.
Therapeutische Anwendungen
Konzentrierte Kalilauge (z. B. 5 % KOH) wird als topisches Präparat zur Behandlung von Mollusca contagiosa (Dellwarzen) eingesetzt, insbesondere bei Kindern. Die ätzende Wirkung zerstört das infizierte Gewebe kontrolliert und fördert die Heilung.
Industrielle und lebensmitteltechnische Verwendung
Kalilauge wird auch in der Lebensmittelindustrie als Lebensmittelzusatzstoff (E525) zur pH-Regulierung verwendet, zum Beispiel bei der Herstellung von Kakao, Oliven oder Brezeln. In der chemischen Industrie dient sie als Elektrolyt in Batterien (Alkali-Batterien), als Reinigungsmittel sowie in der Seifen- und Düngemittelproduktion.
Ätzwirkung und Giftigkeit
Kalilauge ist stark ätzend und kann bei Haut- oder Schleimhautkontakt schwere Verbrennungen verursachen. Das Verschlucken führt zu gravierenden Verletzungen der Speiseröhre und des Magens. Das Einatmen von Dämpfen oder Aerosolen kann die Atemwege schädigen.
- Hautkontakt: sofortige Spülung mit viel Wasser (mindestens 15 Minuten)
- Augenkontakt: sofortige Spülung und ärztliche Behandlung
- Verschlucken: kein Erbrechen einleiten, sofort Notruf (112) und Gift-Notruf kontaktieren
- Einatmen: Frischluft, bei Atembeschwerden ärztliche Hilfe
Erste Hilfe und Sicherheitshinweise
Im Umgang mit Kalilauge sind geeignete Schutzmaßnahmen unbedingt erforderlich: Schutzbrille, säurefeste Handschuhe und gegebenenfalls Schutzkleidung. Bei Unfällen ist umgehend der Giftnotruf oder der Notarzt zu verständigen. In Deutschland ist der Giftnotruf über die regionalen Giftinformationszentren erreichbar.
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Informationen zu ätzenden Stoffen und Erste-Hilfe-Maßnahmen. www.bfr.bund.de
- Merk S., Bickers D. (Hrsg.) - Dermatopharmakologie und Dermatotherapie. Springer Verlag, 2019.
- World Health Organization (WHO): Chemical Safety – Potassium Hydroxide. www.who.int
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