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Die Kalziumjonophortherapie ist eine assistierte Reproduktionstechnik zur künstlichen Aktivierung von Eizellen bei gestörter oder ausbleibender Befruchtung.
Die Kalziumjonophortherapie ist eine assistierte Reproduktionstechnik zur künstlichen Aktivierung von Eizellen bei gestörter oder ausbleibender Befruchtung.
Die Kalziumjonophortherapie (auch: Kalzium-Ionophor-Aktivierung) ist ein spezialisiertes Verfahren der assistierten Reproduktionsmedizin. Sie wird eingesetzt, wenn Eizellen nach einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) nicht oder nur unzureichend aktiviert werden und sich daher nicht befruchten. Der Begriff „Ionophor“ bezeichnet eine chemische Verbindung, die in der Lage ist, Ionen – in diesem Fall Kalziumionen (Ca²+) – durch Zellmembranen zu transportieren.
Bei einer natürlichen Befruchtung löst das Eindringen eines Spermiums in die Eizelle eine sogenannte Kalziumoszillation aus: eine Reihe von wiederholten Anstiegen der Kalziumkonzentration im Inneren der Eizelle. Diese Kalziumsignale sind entscheidend, um die Eizelle aus ihrer Ruhephase (Metaphase II) zu aktivieren und die Zellteilung einzuleiten. Bei bestimmten männlichen Fruchtbarkeitsstörungen – zum Beispiel bei einem Mangel oder einer Fehlfunktion des Spermienproteins Phospholipase C zeta (PLCζ) – bleiben diese Kalziumsignale aus, und die Eizelle wird nicht aktiviert.
Bei der Kalziumjonophortherapie werden die Eizellen nach der ICSI kurzzeitig mit einem Kalzium-Ionophor behandelt. Die am häufigsten verwendeten Substanzen sind A23187 (Calcimycin) und Ionomycin. Diese Moleküle binden Kalziumionen aus dem umgebenden Medium und transportieren sie durch die Eizellmembran ins Innere der Zelle. Dadurch steigt die intrazeluläre Kalziumkonzentration an, was die Aktivierungskaskade der Eizelle auslöst – ähnlich wie bei einer natürlichen Befruchtung.
Mehrere klinische Studien und Meta-Analysen belegen, dass die Kalziumjonophortherapie bei Paaren mit vorherigem totalem Befruchtungsversagen die Befruchtungsrate signifikant erhöhen kann. Befruchtungsraten von 30–60 % werden nach Anwendung des Verfahrens berichtet, verglichen mit 0 % ohne Aktivierung. Auch die Rate an klinischen Schwangerschaften und Lebendgeburten kann durch den Einsatz des Ionophors verbessert werden, wenngleich die Datenlage für Langzeitergebnisse noch weiter ausgebaut werden muss.
Die Kalziumjonophortherapie gilt allgemein als sicheres Verfahren. Bisherige Daten zeigen keine erhöhte Rate an angeborenen Fehlbildungen oder chromosomalen Anomalien bei Kindern, die nach dieser Behandlung geboren wurden. Dennoch sind weitere Langzeitstudien erforderlich, um die Sicherheit des Verfahrens abschließend zu beurteilen. Da es sich um eine zusätzliche Intervention im Rahmen der ICSI handelt, wird die Anwendung nur bei klar definierten medizinischen Indikationen empfohlen.
Die Kalziumjonophortherapie wird ausschließlich in spezialisierten reproduktionsmedizinischen Zentren (IVF-Labore) durchgeführt. Vor dem Einsatz sollten alle anderen Ursachen für ein Befruchtungsversagen – wie technische Fehler bei der ICSI oder eine schlechte Eizellqualität – ausgeschlossen werden. Eine ausführliche Beratung des Paares über den experimentellen Charakter des Verfahrens sowie die aktuelle Datenlage ist vor der Behandlung obligatorisch.
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