Kaufsucht: Ursachen, Symptome & Behandlung
Kaufsucht ist eine psychische Störung, bei der Betroffene zwanghaft und unkontrolliert einkaufen. Sie führt oft zu finanziellen und sozialen Problemen.
Wissenswertes über "Kaufsucht"
Kaufsucht ist eine psychische Störung, bei der Betroffene zwanghaft und unkontrolliert einkaufen. Sie führt oft zu finanziellen und sozialen Problemen.
Was ist Kaufsucht?
Kaufsucht (auch Oniophagie oder kompulsives Kaufverhalten genannt) ist eine psychische Störung, bei der Betroffene wiederholt und unkontrolliert Dinge kaufen, obwohl sie diese nicht benötigen oder sich den Kauf nicht leisten können. Das Einkaufen dient dabei nicht dem eigentlichen Bedarf, sondern dem Erleben eines kurzfristigen Hochgefühls oder der Erleichterung von negativen Emotionen wie Stress, Ängsten oder innerer Leere. Kaufsucht wird in der Fachsprache dem Spektrum der Verhaltens- oder Impulskontrollstörungen zugeordnet.
Ursachen
Die Entstehung von Kaufsucht ist vielschichtig und wird durch mehrere Faktoren beeinflusst:
- Psychologische Faktoren: Geringes Selbstwertgefühl, emotionale Leere, Depressionen, Angststörungen oder traumatische Erlebnisse können Kaufsucht begünstigen.
- Biologische Faktoren: Veränderungen im Belohnungssystem des Gehirns, insbesondere im Dopaminhaushalt, spielen eine Rolle ähnlich wie bei anderen Suchterkrankungen.
- Soziale und gesellschaftliche Faktoren: Der gesellschaftliche Druck, Status über materielle Güter zu demonstrieren, sowie die allgegenwärtige Werbung und die leichte Verfügbarkeit von Online-Shopping fördern zwanghaftes Kaufverhalten.
- Familiäre Einflüsse: Aufgewachsen in einem Umfeld, in dem Konsum als Bewältigungsstrategie gelebt wurde, erhöht das Risiko.
Symptome
Typische Anzeichen einer Kaufsucht sind:
- Unkontrollierbarer Drang zum Einkaufen, besonders in Stressphasen
- Kurzfristige Erleichterung oder Euphorie beim Kauf, gefolgt von Scham oder Reue
- Heimliche Käufe oder Verstecken von gekauften Gegenständen
- Anhaltende Gedanken ums Einkaufen auch im Alltag
- Finanzielle Schwierigkeiten durch übermäßige Ausgaben
- Vernachlässigung sozialer, beruflicher oder familiärer Verpflichtungen
- Erfolglose Versuche, das Kaufverhalten einzuschränken
Diagnose
Kaufsucht ist bislang nicht als eigenständige Diagnose im ICD-11 oder DSM-5 aufgeführt, wird jedoch von Fachleuten dem Bereich der Impulskontrollstörungen oder Verhaltenssüchte zugeordnet. Die Diagnose erfolgt durch:
- Ausführliche psychologische Anamnese und klinische Gespräche
- Einsatz validierter Fragebögen, z. B. die Compulsive Buying Scale (CBS)
- Ausschluss anderer psychischer Erkrankungen wie manische Episoden (bipolare Störung)
Behandlung
Die Behandlung von Kaufsucht ist möglich und verspricht gute Erfolge, wenn Betroffene professionelle Hilfe in Anspruch nehmen:
Psychotherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gilt als wirksamste Behandlungsmethode. Sie hilft Betroffenen, automatische Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern. Achtsamkeitsbasierte Ansätze sowie tiefenpsychologisch fundierte Therapien kommen ebenfalls zum Einsatz.
Selbsthilfegruppen
Gruppen wie Schufa-freie Schuldnerberatung oder spezialisierte Selbsthilfegruppen für Kaufsucht bieten Unterstützung und soziale Einbindung.
Finanzielle Beratung
Eine Schuldnerberatung kann helfen, die finanziellen Folgen der Kaufsucht zu bewältigen und einen realistischen Schuldenabbauplan zu erstellen.
Medikamentöse Therapie
In einigen Fällen können Antidepressiva oder andere Medikamente eingesetzt werden, insbesondere wenn begleitende Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen vorliegen.
Prävention
Vorbeugend können folgende Maßnahmen helfen:
- Bewusster Umgang mit Geld und regelmäßiges Budgetieren
- Stärkung des Selbstwertgefühls durch soziale Kontakte und Hobbys
- Frühzeitige psychologische Unterstützung bei emotionalen Belastungen
- Reduktion von Kaufreizen, z. B. Newsletter abbestellen, Shopping-Apps löschen
Quellen
- Müller, A. & de Zwaan, M. (Hrsg.): Verhaltens- und Kaufsucht. Hogrefe Verlag, 2010.
- Maraz, A., Griffiths, M. D., & Demetrovics, Z. (2016): The prevalence of compulsive buying: a meta-analysis. Addiction, 111(3), 408–419. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26517605/
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): International Classification of Diseases, 11th Revision (ICD-11). Verfügbar unter: https://icd.who.int/
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