Keimschicht (Stratum basale) - Definition & Funktion
Die Keimschicht (Stratum germinativum) ist die unterste Schicht der Oberhaut. Sie enthält stammzellartige Zellen, die ständig neue Hautzellen bilden.
Wissenswertes über "Keimschicht"
Die Keimschicht (Stratum germinativum) ist die unterste Schicht der Oberhaut. Sie enthält stammzellartige Zellen, die ständig neue Hautzellen bilden.
Was ist die Keimschicht?
Die Keimschicht, auch Stratum germinativum oder Stratum basale genannt, ist die tiefste Zellschicht der Epidermis (Oberhaut). Sie liegt direkt über der Dermis (Lederhaut) und ist durch eine dünne Membran, die sogenannte Basalmembran, von dieser getrennt. Die Keimschicht hat eine zentrale Bedeutung für die ständige Erneuerung der Haut.
Aufbau der Keimschicht
Die Keimschicht besteht hauptsächlich aus zwei Zelltypen:
- Keratinozyten (Basalzellen): Dies sind die vorherrschenden Zellen der Keimschicht. Sie sind würfelform- bis säulenförmig und teilen sich kontinuierlich durch Zellteilung (Mitose), um neue Hautzellen zu erzeugen. Die neu gebildeten Zellen wandern schrittweise in Richtung der Hautoberfläche und differenzieren sich dabei zu den oberen Schichten der Epidermis.
- Melanozyten: Diese spezialisierten Zellen produzieren das Pigment Melanin, das der Haut ihre Farbe verleiht und sie vor den schädlichen UV-Strahlen der Sonne schützt. Melanozyten sind über die Keimschicht verteilt und geben Melanin an benachbarte Keratinozyten ab.
Zusätzlich finden sich in der Keimschicht vereinzelt Merkel-Zellen, die als Mechanorezeptoren für die Tastwahrnehmung zuständig sind.
Funktion der Keimschicht
Die wichtigste Aufgabe der Keimschicht ist die Zellproliferation, also die Neubildung von Hautzellen. Dieser Prozess wird auch als epidermale Regeneration bezeichnet. Die Zellen der Keimschicht teilen sich regelmäßig und liefern so den Nachschub an Zellen für alle darüberliegenden Hautschichten.
Der gesamte Erneuerungszyklus der Haut – von der Entstehung einer neuen Zelle in der Keimschicht bis zur Abschilferung an der Hautoberfläche – dauert beim gesunden Erwachsenen etwa 28 bis 30 Tage. Dieser Zeitraum kann sich im Alter verlängern, wodurch die Haut langsamer erneuert wird.
Medizinische Bedeutung
Die Keimschicht spielt eine zentrale Rolle bei verschiedenen Hauterkrankungen und medizinischen Zusammenhängen:
- Psoriasis (Schuppenflechte): Bei dieser chronischen Hauterkrankung ist die Zellteilung in der Keimschicht stark beschleunigt, was zu einer übermäßigen Ansammlung von Hautzellen und den typischen Schuppungen führt.
- Basalzellkarzinom: Dies ist der häufigste maligne (bösartige) Hauttumor, der aus den Basalzellen der Keimschicht entsteht. Er wächst lokal invasiv, bildet aber selten Fernmetastasen.
- Wundheilung: Die Keimschicht ist entscheidend für die Regeneration der Haut nach Verletzungen. Stammzellähnliche Zellen in der Keimschicht wandern in den Wundbereich ein und fördern die Heilung.
- Melanom: Der bösartige schwarze Hautkrebs entsteht aus den Melanozyten, die sich ebenfalls in der Keimschicht befinden.
- Verbrennungen: Bei tiefen Verbrennungen, die die Keimschicht zerstören, ist die natürliche Hautregeneration stark eingeschränkt oder unmöglich, sodass Hauttransplantationen notwendig werden können.
Keimschicht im Kontext der Hautschichten
Die menschliche Haut ist in drei Hauptschichten unterteilt: Epidermis (Oberhaut), Dermis (Lederhaut) und Subkutis (Unterhaut). Die Epidermis selbst besteht aus mehreren Schichten, von innen nach außen:
- Stratum basale (Keimschicht)
- Stratum spinosum (Stachelzellschicht)
- Stratum granulosum (Körnerzellschicht)
- Stratum lucidum (Glänzende Schicht – nur in dicker Haut vorhanden)
- Stratum corneum (Hornschicht)
Die Keimschicht bildet die Basis dieser Schichtenfolge und ist der Motor für die ständige Erneuerung der gesamten Epidermis.
Quellen
- Welsch, U. & Deller, T. - Sobotta Lehrbuch Histologie, 3. Auflage, Urban & Fischer Verlag (2011)
- Moll, I. - Dermatologie, 7. Auflage, Georg Thieme Verlag (2010)
- Kanitakis, J. - Anatomy, histology and immunohistochemistry of normal human skin. In: European Journal of Dermatology, 12(4): 390-399 (2002). Abrufbar über PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12095893/
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