Keimzelltumor: Ursachen, Symptome & Behandlung
Ein Keimzelltumor ist eine Geschwulst, die aus Keimzellen entsteht. Er kann gutartig oder bösartig sein und tritt vor allem in den Keimdrüsen auf.
Wissenswertes über "Keimzelltumor"
Ein Keimzelltumor ist eine Geschwulst, die aus Keimzellen entsteht. Er kann gutartig oder bösartig sein und tritt vor allem in den Keimdrüsen auf.
Was ist ein Keimzelltumor?
Ein Keimzelltumor ist eine Tumorart, die aus den sogenannten Keimzellen des menschlichen Körpers hervorgeht. Keimzellen sind die Vorläufer der Geschlechtszellen, also der Eizellen bei Frauen und der Samenzellen bei Männern. Sie entstehen während der frühen Embryonalentwicklung und wandern in die Keimdrüsen (Eierfstöcke bzw. Hoden). Wenn diese Wanderung nicht vollständig erfolgt, können Keimzellen an verschiedenen Stellen im Körper verbleiben und dort Tumoren bilden.
Keimzelltumore können sowohl gutartig (benigne) als auch bösartig (maligne) sein. Sie zählen zu den häufigsten Tumoren bei Kindern und jungen Erwachsenen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Keimzelltumoren sind nicht vollständig geklärt. Es werden jedoch verschiedene Risikofaktoren diskutiert:
- Genetische Veränderungen: Bestimmte Chromosomenveränderungen, insbesondere eine Verdopplung des Chromosoms 12p (Isochromosom 12p), werden bei vielen malignen Keimzelltumoren gefunden.
- Hodenhochstand (Kryptorchismus): Männer, bei denen ein oder beide Hoden nicht vollständig in den Hodensack abgestiegen sind, haben ein erhöhtes Risiko für Hodenkrebs.
- Familiäre Häufung: Ein erhöhtes Risiko besteht bei Personen, bei denen in der Familie bereits Keimzelltumore aufgetreten sind.
- Gonadendysgenesie: Fehlbildungen der Keimdrüsen erhöhen das Tumorrisiko.
Arten von Keimzelltumoren
Keimzelltumore werden nach ihrem Ursprungsort und ihrer Gewebeart klassifiziert:
Gonadale Keimzelltumore
- Hodentumoren: Dazu gehören Seminome (am häufigsten) und Nicht-Seminome (z. B. embryonales Karzinom, Dottersacktumor, Chorionkarzinom, Teratom).
- Ovarialtumore: Häufig sind Teratome (reife oder unreife), Dysgerminome sowie Dottersacktumore.
Extragonadale Keimzelltumore
Diese Tumore entstehen außerhalb der Keimdrüsen, z. B. im Bereich des Steißbeins (Sacrococcygealregion), im Mediastinum (zwischen den Lungen), im Retroperitoneum (hinter dem Bauchfell) oder im Gehirn (intrakranielle Keimzelltumore).
Symptome
Die Symptome eines Keimzelltumors hängen stark von seiner Lage ab:
- Hodentumor: Schmerzlose Schwellung oder Verhärtung im Hoden, Schweregefühl im Hodensack.
- Ovarialtumor: Bauchschmerzen, Blähungen, Menstruationsstörungen, tastbare Masse im Unterbauch.
- Steißbeintumor (bei Neugeborenen/Kindern): Sichtbare Geschwulst am Steißbein.
- Mediastinaler Tumor: Husten, Atemnot, Brustschmerzen.
- Intrakranieller Tumor: Kopfschmerzen, Sehstörungen, Hormonstörungen.
Diagnose
Zur Diagnose eines Keimzelltumors kommen verschiedene Untersuchungen zum Einsatz:
- Körperliche Untersuchung: Abtasten des betroffenen Bereichs.
- Bildgebung: Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zur Darstellung des Tumors und möglicher Metastasen.
- Tumormarker im Blut: Bestimmte Eiweiße wie AFP (Alpha-Fetoprotein), β-HCG (humanes Choriongonadotropin) und LDH (Laktatdehydrogenase) können auf einen Keimzelltumor hinweisen.
- Biopsie und Histologie: Gewebeentnahme zur genauen Bestimmung des Tumortyps.
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach Art, Lage, Stadium und dem Alter des Patienten:
Operation
Bei vielen Keimzelltumoren steht die chirurgische Entfernung des Tumors im Vordergrund. Bei Hodentumoren wird in der Regel der betroffene Hoden vollständig entfernt (Orchiektomie).
Chemotherapie
Maligne Keimzelltumore sprechen in der Regel sehr gut auf eine Chemotherapie an. Ein häufig eingesetztes Schema ist die BEP-Chemotherapie (Bleomycin, Etoposid, Cisplatin).
Strahlentherapie
Seminome sind besonders strahlenempfindlich. Daher wird bei bestimmten Stadien eine Strahlentherapie eingesetzt, zum Beispiel zur Bestrahlung der Lymphknoten.
Nachsorge
Nach abgeschlossener Behandlung sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, um ein mögliches Rückfall (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen.
Prognose
Die Prognose von Keimzelltumoren ist im Vergleich zu vielen anderen Krebsarten relativ gut. Insbesondere Hodentumoren gehören zu den am besten behandelbaren bösartigen Tumoren. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate beträgt bei lokalisierten Stadien über 95 %. Auch bei fortgeschrittenen Stadien mit Metastasen sind gute Heilungschancen möglich.
Quellen
- Krege, S. et al.: Leitlinie Keimzelltumoren des Hodens. Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU), AWMF-Register Nr. 043/049, 2023.
- World Health Organization (WHO): Classification of Tumours of the Urinary System and Male Genital Organs. 5th Edition, IARC Press, Lyon, 2022.
- Albers, P. et al.: Guidelines on Testicular Cancer. European Association of Urology (EAU), 2023.
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