Kieferfraktur: Ursachen, Symptome & Behandlung
Eine Kieferfraktur ist ein Knochenbruch im Bereich des Kiefers, meist durch Unfälle oder Gewalteinwirkung. Sie erfordert oft eine ärztliche oder kieferchirurgische Behandlung.
Wissenswertes über "Kieferfraktur"
Eine Kieferfraktur ist ein Knochenbruch im Bereich des Kiefers, meist durch Unfälle oder Gewalteinwirkung. Sie erfordert oft eine ärztliche oder kieferchirurgische Behandlung.
Was ist eine Kieferfraktur?
Eine Kieferfraktur bezeichnet einen Knochenbruch im Bereich des Ober- oder Unterkiefers. Medizinisch wird zwischen der Mandibulafraktur (Unterkieferbruch) und der Maxillafraktur (Oberkieferbruch) unterschieden. Der Unterkiefer ist aufgrund seiner exponierten Lage im Gesicht der am häufigsten von Frakturen betroffene Gesichtsknochen.
Ursachen
Kieferfrakturen entstehen in den meisten Fällen durch äußere Gewalteinwirkung. Typische Ursachen sind:
- Verkehrsunfälle (z. B. Fahrrad- oder Motorradunfälle)
- Stürze aus größerer Höhe
- Körperliche Übergriffe oder Schlägereien
- Sportunfälle (z. B. beim Fußball, Kampfsport oder Klettern)
- Arbeitsunfälle
- In seltenen Fällen: krankhafte Knochenveränderungen (pathologische Fraktur), z. B. durch Tumore oder Osteoporose
Symptome
Die Symptome einer Kieferfraktur können je nach Schwere und Lokalisation variieren. Häufige Zeichen sind:
- Starke Schmerzen im Kiefer- und Gesichtsbereich
- Schwellung und Hämatom (Bluterguss) im Gesicht
- Fehlstellung der Zähne (Okklusionsstörung) – die Zähne passen beim Beißen nicht mehr zusammen
- Eingeschränkte oder schmerzhafte Mundöffnung
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Kinn- oder Lippenbereich (durch Nervenbeteiligung)
- Sichtbare Verschiebung oder Stufenbildung im Kieferknochen
- Blutungen im Mundraum
- Erschwertes Kauen und Sprechen
Diagnose
Die Diagnose einer Kieferfraktur erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren:
- Klinische Untersuchung: Abtasten des Kiefers, Beurteilung der Mundöffnung und der Zahnstellung
- Röntgenaufnahme: Panoramaschichtaufnahme (OPG) des Kiefers als erste Bildgebung
- Computertomografie (CT): Bei komplexen oder mehrfachen Frakturen zur genauen Lagebeurteilung der Knochenbruchstücke
Behandlung
Die Behandlung einer Kieferfraktur richtet sich nach Art, Lage und Schwere des Bruchs. Grundsätzlich stehen zwei Hauptverfahren zur Verfügung:
Konservative Behandlung
Bei einfachen, nicht verschobenen Frakturen kann eine konservative Therapie ausreichen. Dabei wird der Kiefer durch eine intermaxilläre Fixation (Schienung des Ober- und Unterkiefers aneinander) ruhiggestellt. Der Patient erhält während dieser Zeit nur flüssige oder pürierte Kost.
Operative Behandlung
Verschobene oder komplexe Frakturen müssen in der Regel operativ versorgt werden. Dabei werden die Knochenstücke durch Titanplatten und -schrauben (Osteosynthese) wieder in ihre korrekte Position gebracht und fixiert. Der Eingriff erfolgt überwiegend unter Vollnarkose durch einen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen.
Begleitende Maßnahmen
- Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente
- Antibiotika zur Infektionsprophylaxe, insbesondere bei offenen Frakturen im Mundbereich
- Physiotherapie zur Wiederherstellung der vollen Kieferfunktion nach der Heilung
Heilungsverlauf und Prognose
Die Heilungsdauer einer Kieferfraktur beträgt in der Regel 4 bis 8 Wochen. Bei unkomplizierten Fällen ist eine vollständige Wiederherstellung der Kieferfunktion zu erwarten. Komplikationen wie Infektionen, fehlerhafte Knochenheilung (Pseudarthrose) oder dauerhafter Nervenschaden können den Heilungsverlauf verlängern. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen beim Kieferchirurgen sind wichtig, um den Heilungsprozess zu überwachen.
Quellen
- Rowe, N.L. & Williams, J.L. (Hrsg.) – Maxillofacial Injuries, 2. Auflage, Churchill Livingstone, 1994.
- Becker, O.J. et al. – Frakturen des Gesichtsschädels. In: Zahnärztliche Chirurgie, Thieme Verlag, 2020.
- Horch, H.H. (Hrsg.) – Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Urban & Fischer Verlag (Elsevier), 4. Auflage, 2007.
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