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Kieferverletzungen: Ursachen, Symptome & Behandlung

Kieferverletzungen umfassen Verletzungen des Ober- oder Unterkiefers durch Unfälle, Stürze oder Gewalteinwirkung. Sie können Frakturen, Prellungen oder Zahnverluste verursachen.

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Wissenswertes über "Kieferverletzungen"

Kieferverletzungen umfassen Verletzungen des Ober- oder Unterkiefers durch Unfälle, Stürze oder Gewalteinwirkung. Sie können Frakturen, Prellungen oder Zahnverluste verursachen.

Was sind Kieferverletzungen?

Kieferverletzungen sind Verletzungen, die den knöchernen oder weichgewebigen Bereich des Kiefers betreffen. Dazu zählen der Oberkiefer (Maxilla) und der Unterkiefer (Mandibula). Solche Verletzungen können von einfachen Prellungen bis hin zu komplexen Knochenbrüchen (Frakturen) reichen und erfordern je nach Schweregrad unterschiedliche medizinische Maßnahmen.

Ursachen

Kieferverletzungen entstehen häufig durch:

  • Verkehrsunfälle (z. B. Aufprall auf Lenkrad oder Airbag)
  • Stürze, insbesondere bei älteren Menschen oder beim Sport
  • Körperliche Gewalt oder Schlägereien
  • Sportunfälle (z. B. Kampfsport, Ballsportarten)
  • Arbeitsunfälle mit mechanischer Einwirkung
  • Fahrradunfälle ohne Helmschutz

Arten von Kieferverletzungen

Unterkieferfraktur

Die Unterkieferfraktur ist die häufigste Kieferverletzung. Sie tritt oft am Kieferwinkel, am Kieferkörper oder im Bereich der Kondylen (Gelenkfortsätze) auf. Typische Zeichen sind Schmerzen beim Kauen, eine veränderte Bisslage sowie sichtbare oder tastbare Fehlstellungen.

Oberkieferfraktur

Oberkieferfrakturen werden häufig nach dem Le-Fort-Schema in drei Typen eingeteilt (Le Fort I, II, III), das die verschiedenen Bruchmuster des Mittelgesichts beschreibt. Sie entstehen meist durch starke Gewalteinwirkung und können mit Verletzungen der Augenhöhle, der Nasennebenhöhlen oder der Schädelbasis einhergehen.

Kiefergelenksverletzungen

Verletzungen des Kiefergelenks (Articulatio temporomandibularis) können Prellungen, Subluxationen (teilweise Ausrenkungen) oder Frakturen des Gelenkfortsatzes umfassen. Sie äußern sich oft durch Kieferklemme, Knackgeräusche oder eingeschränkte Mundöffnung.

Weichteilverletzungen

Neben Knochenverletzungen können auch Lippen, Zunge, Wangenschleimhaut und das Zahnfleisch betroffen sein. Schnittwunden, Quetschungen und Bisswunden gehören zu den häufigen Begleitverletzungen.

Symptome

Typische Symptome bei Kieferverletzungen umfassen:

  • Schmerzen im Kiefer- oder Gesichtsbereich, besonders beim Kauen oder Sprechen
  • Schwellungen und Blutergüsse (Hämatome) im Gesicht
  • Fehlstellung der Zähne oder veränderter Biss
  • Eingeschränkte oder schmerzhafte Mundöffnung
  • Taubheitsgefühl im Gesicht (bei Nervenbeteiligung)
  • Sichtbare Deformitäten oder Stufenbildung am Kiefer
  • Zahnverlust oder gelockerte Zähne
  • Blutung aus dem Mund oder der Nase

Diagnose

Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus:

  • Klinische Untersuchung: Abtasten (Palpation) des Kiefers, Beurteilung der Mundöffnung und Bisslage
  • Röntgenaufnahmen: Panoramaschichtaufnahme (OPG) zur Übersicht des gesamten Kiefers
  • Computertomographie (CT): Zur genauen Darstellung komplexer Frakturen, insbesondere im Mittelgesicht und bei Beteiligung der Schädelbasis
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Bei Verdacht auf Weichteil- oder Kiefergelenkverletzungen

Behandlung

Konservative Therapie

Leichte Frakturen ohne wesentliche Verschiebung der Knochenfragmente sowie Prellungen können konservativ behandelt werden. Dazu zählen Ruhigstellung des Kiefers durch intermaxilläre Fixation (Verdrahtung der Zähne), Schmerztherapie sowie eine weiche oder flüssige Kost über mehrere Wochen.

Operative Therapie

Bei verschobenen oder instabilen Frakturen ist häufig eine Operation notwendig. Dabei werden die Knochenfragmente durch Titanplatten und -schrauben (Osteosynthese) in ihrer korrekten Position fixiert. Der Eingriff wird in der Regel durch Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen (MKG-Chirurgen) durchgeführt.

Zahnärztliche Versorgung

Bei begleitenden Zahnverletzungen (z. B. Zahnfrakturen, avulsierte Zähne) erfolgt die Behandlung durch einen Zahnarzt oder Oralchirurgen. Ein ausgeschlagener Zahn sollte schnellstmöglich in einer Zahnrettungsbox aufbewahrt und ein Notfallarzt aufgesucht werden.

Rehabilitation

Nach der akuten Behandlung kann eine physiotherapeutische Beübung des Kiefergelenks, logopädische Begleitung bei Sprech- oder Schluckstörungen sowie eine kieferorthopädische Nachbehandlung erforderlich sein.

Wann zum Arzt?

Bei Verdacht auf eine Kieferverletzung sollte umgehend eine medizinische Fachkraft aufgesucht werden, insbesondere bei:

  • Starken Schmerzen oder sichtbarer Fehlstellung
  • Eingeschränkter Mundöffnung
  • Taubheitsgefühl im Gesicht
  • Zahnausfall nach einem Unfall
  • Begleitenden Kopf- oder Halsverletzungen

Quellen

  1. Rowe, N.L., Williams, J.L. (Hrsg.) - Maxillofacial Injuries. Churchill Livingstone, Edinburgh, 2. Auflage.
  2. Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) - Leitlinien zu Gesichtsschädelfrakturen. www.dgmkg.de
  3. Neff, A. et al. - Frakturen des Unterkiefers. In: Zahnärztliche Mitteilungen, 2019.

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