Kindslage: Schädellage, Beckenendlage & Querlage
Die Kindslage beschreibt die Position und Ausrichtung des ungeborenen Kindes im Mutterleib kurz vor der Geburt. Sie beeinflusst den Geburtsverlauf maßgeblich.
Wissenswertes über "Kindslage"
Die Kindslage beschreibt die Position und Ausrichtung des ungeborenen Kindes im Mutterleib kurz vor der Geburt. Sie beeinflusst den Geburtsverlauf maßgeblich.
Was ist die Kindslage?
Als Kindslage bezeichnet man in der Geburtshilfe die Lage, Stellung und Haltung des ungeborenen Kindes (Fetus) im Gebärmutterkavum kurz vor oder während der Geburt. Die genaue Kindslage ist entscheidend für die Planung und den Verlauf der Entbindung. Ärztinnen und Ärzte sowie Hebammen beurteilen die Kindslage routinemäßig im letzten Schwangerschaftsdrittel.
Arten der Kindslage
Schädellage (SL)
Die Schädellage ist die häufigste und für eine vaginale Geburt günstigste Kindslage. Das Kind liegt mit dem Kopf nach unten in Richtung Geburtskanal. Etwa 95 % aller Kinder befinden sich gegen Ende der Schwangerschaft in der Schädellage.
Beckenendlage (BEL)
Bei der Beckenendlage zeigt nicht der Kopf, sondern das Gesäß oder die Füße des Kindes in Richtung Geburtskanal. Sie tritt bei etwa 3–5 % aller Geburten am Termin auf. Eine Beckenendlage kann eine vaginale Geburt erschweren und erhöht in vielen Fällen die Wahrscheinlichkeit eines Kaiserschnitts.
Querlage
Bei der Querlage liegt das Kind quer zur Längsachse der Gebärmutter. Diese Lage macht eine vaginale Geburt in der Regel unmöglich und erfordert meist einen Kaiserschnitt (Sectio caesarea).
Schräglage
Die Schräglage ist eine Übergangsform zwischen Längslage und Querlage. Das Kind liegt schräg im Bauch der Mutter. Oft dreht sich das Kind noch vor der Geburt in eine günstigere Position.
Beurteilung der Kindslage
Die Kindslage wird durch verschiedene Methoden bestimmt:
- Leopold-Handgriffe: Eine Reihe von Tastuntersuchungen des mütterlichen Bauches, die Aufschluss über die Lage des Kindes geben.
- Ultraschall (Sonographie): Die zuverlässigste Methode zur genauen Bestimmung der Kindslage, Stellung und Haltung.
- Vaginale Untersuchung: Besonders unter der Geburt, um den vorangehenden Kindsteil zu ertasten.
Faktoren, die die Kindslage beeinflussen
Verschiedene Faktoren können Einfluss auf die Kindslage haben:
- Mehrlingschwangerschaften
- Frühgeburtlichkeit (das Kind hat noch mehr Platz und dreht sich später)
- Plazenta praevia (tief sitzende Plazenta)
- Uterusfehlbildungen oder Myome
- Polyhydramnion (zu viel Fruchtwasser) oder Oligohydramnion (zu wenig Fruchtwasser)
- Beckenform der Mutter
Möglichkeiten zur Korrektur einer ungünstigen Kindslage
Liegt das Kind in einer ungünstigen Position, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:
- Äußere Wendung (ECV – External Cephalic Version): Ein erfahrener Arzt oder eine ärztliche Fachkraft versucht, das Kind durch gezielten Druck von außen auf den Mutterleib in die Schädellage zu drehen. Dies wird in der Regel ab der 36. Schwangerschaftswoche durchgeführt.
- Lagerungsübungen: Bestimmte Positionen und Übungen der Mutter (z. B. Knie-Ellenbogen-Lage) können dem Kind helfen, sich selbst zu drehen, sind jedoch wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.
- Kaiserschnitt: Wenn keine Korrektur möglich oder sicher ist, wird häufig ein geplanter Kaiserschnitt empfohlen.
Bedeutung für die Geburt
Die Kindslage hat direkte Auswirkungen auf den Geburtsverlauf. Eine günstige Schädellage ermöglicht in den meisten Fällen eine komplikationsarme vaginale Geburt. Bei einer Beckenendlage wird in Deutschland und vielen anderen Ländern häufig ein Kaiserschnitt empfohlen, obwohl unter bestimmten Voraussetzungen auch eine vaginale Geburt aus Beckenendlage möglich ist. Die Entscheidung wird individuell und in enger Absprache zwischen der Schwangeren und dem medizinischen Fachpersonal getroffen.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinie zur Betreuung von Einlingsschwangerschaften mit Beckenendlage am Termin (2021).
- Schneider H, Husslein P, Schneider KTM: Die Geburtshilfe. 5. Auflage. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 2016.
- Hofmeyr GJ, Kulier R, West HM: External cephalic version for breech presentation at term. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2015.
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