Knochenresorptionsmarker – Definition & Bedeutung
Knochenresorptionsmarker sind Laborwerte, die den Abbau von Knochengewebe messbar machen. Sie helfen Ärzten, Erkrankungen wie Osteoporose frühzeitig zu erkennen und den Therapieerfolg zu kontrollieren.
Wissenswertes über "Knochenresorptionsmarker"
Knochenresorptionsmarker sind Laborwerte, die den Abbau von Knochengewebe messbar machen. Sie helfen Ärzten, Erkrankungen wie Osteoporose frühzeitig zu erkennen und den Therapieerfolg zu kontrollieren.
Was sind Knochenresorptionsmarker?
Knochenresorptionsmarker (auch Knochenabbaumarker genannt) sind biochemische Substanzen, die beim Abbau von Knochengewebe freigesetzt und über Blut oder Urin nachgewiesen werden können. Der Knochen ist kein statisches Organ, sondern wird lebenslang ständig auf- und abgebaut – ein Prozess, der als Knochenstoffwechsel oder bone remodeling bezeichnet wird. Ist der Abbau (Resorption) dauerhaft stärker als der Aufbau, verliert der Knochen an Substanz und Stabilität.
Welche Marker werden gemessen?
Es gibt verschiedene Knochenresorptionsmarker, die in der klinischen Diagnostik eingesetzt werden:
- CTX-I (C-terminales Telopeptid des Kollagens Typ I): Gilt als der am häufigsten eingesetzte und empfohlene Marker. Er wird im Blutserum gemessen und spiegelt den aktuellen Abbau von Kollagen Typ I – dem Hauptstrukturprotein des Knochens – wider.
- NTX-I (N-terminales Telopeptid des Kollagens Typ I): Kann im Urin oder Serum bestimmt werden und dient ebenfalls zur Beurteilung des Knochenabbaus.
- DPD (Desoxypyridinolin): Ein Abbauprodukt der Kollagenvernetzung, das im Urin nachgewiesen wird. Es ist spezifisch für Knochen- und Knorpelgewebe.
- PYD (Pyridinolin): Ähnlich wie DPD, jedoch weniger knochenspezifisch, da es auch in anderen Geweben vorkommt.
- TRAP 5b (tartratresistente saure Phosphatase 5b): Ein Enzym, das von Osteoklasten – den knochenabbauenden Zellen – produziert wird und deren Aktivität direkt widerspiegelt.
Wann werden Knochenresorptionsmarker eingesetzt?
Knochenresorptionsmarker werden in verschiedenen klinischen Situationen bestimmt:
- Diagnose und Verlaufskontrolle von Osteoporose
- Überwachung der Wirksamkeit von knochenschützenden Medikamenten (z. B. Bisphosphonate, Denosumab)
- Abklärung von Erkrankungen mit erhöhtem Knochenabbau, wie dem Morbus Paget, multiplem Myelom oder Knochenmetastasen
- Kontrolle nach einer Fraktur oder einem operativen Eingriff am Knochen
- Beurteilung des Knochenabbaus im Rahmen hormoneller Veränderungen (z. B. Menopause)
Wie wird die Messung durchgeführt?
Die Bestimmung der meisten Knochenresorptionsmarker erfolgt aus einer Blutprobe (Serum) oder einer Urinprobe. Da viele Marker tageszeitlichen Schwankungen unterliegen, sollte die Blutabnahme nüchtern und möglichst morgens erfolgen. CTX-I wird beispielsweise am besten zwischen 7:00 und 10:00 Uhr bestimmt. Auch kürzliche körperliche Aktivität, Nahrungsaufnahme und die Tageszeit können die Messwerte beeinflussen.
Interpretation der Messwerte
Erhöhte Knochenresorptionsmarker können auf einen beschleunigten Knochenabbau hinweisen. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch eine Erkrankung, da erhöhte Werte auch bei:
- Wachstumsphasen bei Kindern und Jugendlichen
- der Menopause
- langfristiger Immobilität
- bestimmten Medikamenten (z. B. Glukokortikoide)
auftreten können. Die Werte müssen daher immer im klinischen Gesamtkontext und in Zusammenschau mit anderen Befunden (z. B. Knochendichtemessung, DXA) interpretiert werden.
Klinische Bedeutung und Therapiekontrolle
Knochenresorptionsmarker sind besonders wertvoll für die Therapiekontrolle: Unter einer erfolgreichen Behandlung mit Bisphosphonaten oder anderen antiresorptiven Medikamenten sinken die Marker innerhalb weniger Wochen bis Monate deutlich ab. Dies erlaubt eine frühzeitige Beurteilung des Therapieansprechens, lange bevor Veränderungen in der Knochendichte messbar werden.
Quellen
- Szulc, P. et al. (2017): Use of CTX-I and PINP as bone turnover markers: National Bone Health Alliance recommendations to standardize sample handling and patient preparation to reduce pre-analytical variability. Osteoporosis International, 28(9), 2541–2556.
- Eastell, R. et al. (2011): Bone markers. Osteoporosis International, 22(Suppl 3), 793–799.
- Leitlinie Osteoporose der Dachverbands Osteologie (DVO): S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose (aktualisierte Fassung), verfügbar unter: https://www.dv-osteologie.org
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