Körnerzellschicht – Funktion und Bedeutung
Die Körnerzellschicht (Stratum granulosum) ist eine wichtige Schicht der Oberhaut, die eine zentrale Rolle bei der Hautbarriere und dem Verhorungsprozess spielt.
Wissenswertes über "Körnerzellschicht"
Die Körnerzellschicht (Stratum granulosum) ist eine wichtige Schicht der Oberhaut, die eine zentrale Rolle bei der Hautbarriere und dem Verhorungsprozess spielt.
Was ist die Körnerzellschicht?
Die Körnerzellschicht, medizinisch als Stratum granulosum bezeichnet, ist eine der charakteristischen Schichten der Epidermis (Oberhaut). Sie liegt zwischen dem Stratum spinosum (Stachelzellschicht) und dem Stratum lucidum bzw. dem Stratum corneum (Hornschicht). In dieser Schicht findet ein entscheidender Abschnitt der Keratinisierung – also des Verhorungsprozesses der Haut – statt.
Aufbau und Struktur
Die Körnerzellschicht besteht aus mehreren Lagen abgeflachter Keratinozyten (Hornbildungszellen). Diese Zellen sind charakteristisch durch das Vorhandensein von Keratohyalingranula – körnigen Einschlüssen im Zellinneren, die dem Stratum granulosum seinen Namen geben. Diese Granula enthalten wichtige Proteine wie Profilaggrin und Loricrin, die später zur Bildung der Hornschicht beitragen.
Zusätzlich enthalten die Zellen der Körnerzellschicht sogenannte Odland-Bodies (Lamellenkörperchen), die Lipide und Enzyme enthalten. Diese werden in den Interzellularraum abgegeben und sind essenziell für den Aufbau der epidermalen Lipidbarriere.
Funktion
Barrierefunktion
Die Körnerzellschicht übernimmt eine Schlüsselrolle bei der Ausbildung der Hautbarriere. Durch die Freisetzung der Lamellenkörperchen werden Lipide (vor allem Ceramide, Cholesterin und Fettsäuren) in die Zwischenzellräume abgegeben. Diese Lipidschicht dichtet die Haut gegen den Verlust von Körperwasser ab und schützt vor dem Eindringen von Schadstoffen, Allergenen und Mikroorganismen.
Verhorungsprozess (Keratinisierung)
In der Körnerzellschicht beginnt der programmierten Zelltod (Apoptose) der Keratinozyten. Die Zellkerne und Organellen werden abgebaut, die Zellen flachen stark ab und werden schließlich zu den abgestorbenen Korneozyten der Hornschicht umgewandelt. Diesen Prozess bezeichnet man als terminale Differenzierung.
Klinische Bedeutung
Veränderungen in der Körnerzellschicht können verschiedene Hauterkrankungen verursachen oder begleiten:
- Ichthyose: Eine Gruppe erblicher Verhornungsstörungen, bei denen die Keratinisierung gestört ist. Bei bestimmten Formen ist das Stratum granulosum stark reduziert oder fehlt gänzlich.
- Psoriasis (Schuppenflechte): Bei dieser Erkrankung ist die Körnerzellschicht oft deutlich ausgedünnt oder fehlt in betroffenen Arealen, was auf eine beschleunigte und gestörte Zellreifung zurückzuführen ist.
- Atopische Dermatitis (Neurodermitis): Mutationen im Gen für Filaggrin (ein Abbauprodukt von Profilaggrin) führen zu einer gestörten Hautbarriere und erhöhter Empfindlichkeit gegenüber Allergenen.
- Kontaktdermatitis: Eine gestörte Lipidbarriere im Stratum granulosum erleichtert das Eindringen von Kontaktallergenen und Irritanzien.
Histologische Darstellung
In der histologischen Untersuchung einer Hautprobe (Biopsie) ist die Körnerzellschicht durch ihre charakteristischen basophilen (blaufärbenden) Keratohyalingranula gut erkennbar. Sie umfasst in der Regel 2 bis 5 Zelllagen. In Bereichen mit besonders dicker Hornschicht, wie den Fußsohlen und Handflächen, ist das Stratum granulosum entsprechend dicker ausgeprägt.
Quellen
- Fritsch, P. (2018). Dermatologie und Venerologie. Springer Verlag, Berlin.
- Proksch, E., Brandner, J. M., Jensen, J. M. (2008). The skin: an indispensable barrier. Experimental Dermatology, 17(12), 1063–1072.
- World Health Organization (WHO). Skin diseases and disorders. Abgerufen von https://www.who.int
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