Kontinuierliche Hormontherapie – Wirkung & Risiken
Die kontinuierliche Hormontherapie ist eine Form der Hormonersatztherapie, bei der Östrogen und Gestagen ohne Unterbrechung eingenommen werden, um Wechseljahresbeschwerden dauerhaft zu lindern.
Wissenswertes über "Kontinuierliche Hormontherapie"
Die kontinuierliche Hormontherapie ist eine Form der Hormonersatztherapie, bei der Östrogen und Gestagen ohne Unterbrechung eingenommen werden, um Wechseljahresbeschwerden dauerhaft zu lindern.
Was ist die kontinuierliche Hormontherapie?
Die kontinuierliche Hormontherapie (auch kontinuierliche Hormonersatztherapie oder kurz kontinuierliche HRT) ist eine medizinische Behandlungsmethode, bei der Hormone – in der Regel Östrogen in Kombination mit einem Gestagen – täglich und ohne Unterbrechung verabreicht werden. Im Gegensatz zur sequenziellen (zyklischen) Hormontherapie gibt es bei dieser Form keine therapiefreien Phasen und keine künstlich induzierten Regelblutungen. Sie wird vor allem bei Frauen in der Postmenopause eingesetzt, deren letzte Menstruation mindestens zwölf Monate zurückliegt.
Anwendungsgebiete
Die kontinuierliche Hormontherapie wird primär zur Behandlung von Beschwerden eingesetzt, die durch den natürlichen Rückgang der Hormonproduktion in den Wechseljahren entstehen. Typische Einsatzbereiche sind:
- Hitzewallungen und Schweissausbrüche (vasomotorische Symptome)
- Schlafstörungen und nächtliches Schwitzen
- Vaginale Trockenheit und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen
- Osteoporoseprävention bei erhöhtem Knochenbruchrisiko
Wirkmechanismus
Die kontinuierliche Hormontherapie funktioniert, indem sie den durch die Menopause bedingten Abfall der körpereigenen Östrogenproduktion ausgleicht. Östrogen wirkt auf zahlreiche Körpergewebe, darunter Gebärmutterschleimhaut, Knochen, Haut und das Herz-Kreislauf-System. Um einer übermäßigen Verdickung der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumhyperplasie) vorzubeugen, wird bei Frauen mit intakter Gebärmutter zusätzlich ein Gestagen (Progesteronpräparat) gegeben. Durch die tägliche, unterbrechungsfreie Einnahme beider Hormone bleibt der Hormonspiegel konstant, was Blutungsschwankungen vermeidet und die Lebensqualität stabilisiert.
Dosierung und Applikationsformen
Die kontinuierliche Hormontherapie kann auf verschiedene Arten verabreicht werden:
- Oral: Tabletten oder Kapseln, die täglich eingenommen werden
- Transdermal: Pflaster oder Gels, die über die Haut wirken und den Magen-Darm-Trakt umgehen
- Vaginal: Cremes, Zäpfchen oder Ringe für lokale Beschwerden
- Subkutan: Implantate oder Injektionen (seltener)
Die Dosierung wird individuell von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt festgelegt und sollte so niedrig wie möglich und so hoch wie nötig gewählt werden.
Vorteile der kontinuierlichen Therapieform
Ein wesentlicher Vorteil gegenüber der sequenziellen Therapie ist das Ausbleiben regelmäßiger Hormonentzugsblutungen. Dies wird von vielen Frauen als deutliche Verbesserung der Lebensqualität empfunden. Zudem ist die Handhabung einfacher, da keine Zykluseinteilung beachtet werden muss.
Nebenwirkungen und Risiken
Wie alle Hormontherapien ist auch die kontinuierliche Hormontherapie mit möglichen Nebenwirkungen und Risiken verbunden. Zu Beginn der Therapie können auftreten:
- Unregelmäßige Schmierblutungen (insbesondere in den ersten Behandlungsmonaten)
- Brustspannen oder Brustempfindlichkeit
- Kopfschmerzen und Übelkeit
- Wassereinlagerungen (Ödeme)
Langfristige Risiken, die bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden müssen, umfassen ein leicht erhöhtes Risiko für:
- Brustkrebs (besonders bei kombinierter Östrogen-Gestagen-Therapie über mehrere Jahre)
- Thrombosen und Lungenembolien (insbesondere bei oraler Einnahme)
- Schlaganfall
Das individuelle Risiko hängt von Faktoren wie Alter, Begleiterkrankungen, familiärer Vorbelastung und der Dauer der Therapie ab.
Gegenanzeigen
Die kontinuierliche Hormontherapie ist nicht geeignet für Frauen mit:
- Bekanntem oder vermutetem Brustkrebs oder östrogenabhängigen Tumoren
- Ungeklärten Vaginalblutungen
- Durchgemachter Thrombose oder Lungenembolie
- Schwerer Lebererkrankung
- Schwangerschaft oder Stillzeit
Wichtige Hinweise
Die Entscheidung für oder gegen eine kontinuierliche Hormontherapie sollte immer individuell in einem ausführlichen Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt getroffen werden. Eine regelmäßige Überprüfung der Therapie (mindestens jährlich) ist empfohlen, um Nutzen und Risiken fortlaufend abzuwägen. Die kürzestmögliche Therapiedauer bei der niedrigsten wirksamen Dosis gilt als Leitprinzip moderner Hormontherapie.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen (2020). Verfügbar unter: www.dggg.de
- Stute P. et al. – Individualized hormone replacement therapy – an update. Climacteric. 2019;22(1):1-10. PubMed PMID: 30234410.
- World Health Organization (WHO): Menopause. Verfügbar unter: www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/menopause (Stand 2022).
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