Krisenintervention – Definition & Hilfe
Krisenintervention ist eine kurzfristige, gezielte Unterstützung für Menschen in akuten psychischen oder sozialen Krisen. Ziel ist die Stabilisierung und Vermeidung einer Eskalation.
Wissenswertes über "Krisenintervention"
Krisenintervention ist eine kurzfristige, gezielte Unterstützung für Menschen in akuten psychischen oder sozialen Krisen. Ziel ist die Stabilisierung und Vermeidung einer Eskalation.
Was ist Krisenintervention?
Krisenintervention bezeichnet einen spezialisierten, kurzfristigen Ansatz in der Psychologie, Psychiatrie und Sozialarbeit, der darauf abzielt, Menschen in akuten Krisensituationen zu stabilisieren und zu unterstützen. Eine Krise kann durch plötzliche traumatische Ereignisse, psychische Dekompensation, Suizidgedanken, Verluste oder überwältigende Belastungen ausgelöst werden. Die Intervention soll verhindern, dass sich der Zustand verschlechtert, und dem Betroffenen helfen, wieder Kontrolle über die Situation zu erlangen.
Ursachen und Auslöser von Krisen
Krisen können durch ein breites Spektrum an Ereignissen und Umständen ausgelöst werden. Häufige Ursachen sind:
- Plötzlicher Verlust (z. B. Tod einer nahestehenden Person, Trennung, Jobverlust)
- Akute psychische Erkrankungen wie Depression, Psychose oder Panikattacken
- Traumatische Erlebnisse wie Unfälle, Gewalt oder Katastrophen
- Suizidgedanken oder selbstverletzendes Verhalten
- Chronische Überlastung und Burnout
- Soziale Krisen wie Wohnungslosigkeit oder familiäre Konflikte
Ziele der Krisenintervention
Die primären Ziele der Krisenintervention umfassen:
- Stabilisierung des emotionalen und psychischen Zustands der betroffenen Person
- Sicherstellung der unmittelbaren Sicherheit, insbesondere bei Suizidgefahr
- Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit und Ressourcenaktivierung
- Vermittlung weiterer Hilfsangebote wie Psychotherapie, stationäre Aufnahme oder Sozialberatung
- Vorbeugung einer Chronifizierung oder Eskalation der Krise
Methoden und Vorgehensweise
Die Krisenintervention orientiert sich an bewährten Modellen wie dem ABCDE-Modell (Assess, Build rapport, Coping, Develop plan, Evaluate) oder dem sechsstufigen Modell nach Gilliland und James. Die Vorgehensweise umfasst in der Regel:
Kontaktaufnahme und Beziehungsaufbau
Zunächst wird eine vertrauensvolle Beziehung zur betroffenen Person hergestellt. Aktives Zuhören, Empathie und eine wertfreie Haltung sind dabei zentrale Elemente.
Problemeinschätzung
Die Fachkraft bewertet die Schwere der Krise, vorhandene Ressourcen und das Risiko für sich selbst oder andere. Dabei kommen strukturierte Risikoeinschätzungsinstrumente zum Einsatz.
Handlungsplanung
Gemeinsam mit dem Betroffenen werden konkrete Schritte erarbeitet, um die unmittelbare Krise zu bewältigen. Sicherheitspläne werden bei Suizidgefährdung erstellt.
Ressourcenaktivierung
Vorhandene persönliche und soziale Ressourcen wie Familienunterstützung, Frühere Bewältigungsstrategien und professionelle Netzwerke werden mobilisiert.
Weiterleitung und Nachsorge
Nach der akuten Krisenintervention erfolgt die Vermittlung in weiterführende Behandlungs- oder Unterstützungsangebote.
Settings und Versorgungsstrukturen
Krisenintervention findet in unterschiedlichen Settings statt:
- Telefonische Krisenberatung: z. B. die Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 in Deutschland), kostenlos und rund um die Uhr verfügbar
- Ambulante Krisendienste: mobile Teams, die bei Bedarf zu den Betroffenen kommen
- Psychiatrische Notaufnahmen und psychiatrische Institutsambulanzen (PIA)
- Kriseninterventionsteams (KIT) der Feuerwehr oder des Roten Kreuzes nach Großschadensereignissen
- Tageskliniken und Krisenhäuser als stationäre Alternativen ohne vollstationäre Aufnahme
Fachkräfte in der Krisenintervention
In der Krisenintervention sind verschiedene Berufsgruppen tätig, darunter Psychiater, Psychologische Psychotherapeuten, Sozialarb eiter, psychiatrische Pflegefachkräfte sowie speziell geschulte Ehrenamtliche. Wichtig ist eine fundierte Ausbildung in Krisentheorie, Risikobewertung und kommunikativen Techniken.
Wann sollte man Hilfe suchen?
Professionelle Krisenintervention sollte umgehend in Anspruch genommen werden, wenn:
- Gedanken auftreten, sich selbst oder andere zu verletzen oder zu töten
- Die eigene Handlungsfähigkeit vollständig zusammenbricht
- Starke psychische Symptome wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen oder schwere Panik auftreten
- Eine nahestehende Person sich in einem akuten Ausnahmezustand befindet
Im Notfall gilt: Notruf 112 oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 kontaktieren.
Quellen
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Mental Health Action Plan 2013–2030. Genf: WHO, 2021.
- Bronisch T., Hecht H., Wolfersdorf M.: Krisenintervention bei Suizidalität. Stuttgart: Schattauer, 2002.
- Gilliland B.E., James R.K.: Crisis Intervention Strategies. 8. Auflage. Cengage Learning, 2017.
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