Labrumrefixation: Operation, Ablauf & Rehabilitation
Die Labrumrefixation ist ein chirurgischer Eingriff zur Wiederanheftung des gerissenen Labrums an Schulter- oder Hüftgelenk, um Stabilität und Funktion wiederherzustellen.
Wissenswertes über "Labrumrefixation"
Die Labrumrefixation ist ein chirurgischer Eingriff zur Wiederanheftung des gerissenen Labrums an Schulter- oder Hüftgelenk, um Stabilität und Funktion wiederherzustellen.
Was ist eine Labrumrefixation?
Die Labrumrefixation ist ein operativer Eingriff, bei dem das Labrum – ein faserknorpeliger Rand, der das Gelenk stabilisiert – nach einem Riss oder einer Ablösung wieder am Knochen befestigt wird. Das Labrum kommt sowohl am Schultergelenk (Glenoid) als auch am Hüftgelenk (Acetabulum) vor. Es erhöht die Gelenktiefe, verbessert die Stabilität und dient als Druckverteiler. Ein Labrumriss kann zu Instabilität, Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit führen.
Ursachen und Indikationen
Eine Labrumrefixation wird durchgeführt, wenn das Labrum durch einen der folgenden Mechanismen geschädigt wurde:
- Traumatische Schulterausrenkung (Luxation): Häufigste Ursache einer Labrumverletzung an der Schulter, oft als Bankart-Läsion bezeichnet.
- Chronische Instabilität: Wiederholte Mikrotraumen oder anhaltende Gelenkinstabilität.
- Femoroacetabuläres Impingement (FAI): Mechanisches Einklemmen am Hüftgelenk, das das Labrum schädigt.
- Sportliche Überlastung: Besonders bei Wurfsportarten, Kampfsport oder Sportarten mit hoher Gelenkbelastung.
- Degenerative Veränderungen: Verschleißbedingte Schäden, häufiger am Hüftgelenk.
Diagnose
Vor der Operation wird die Labrumverletzung durch verschiedene diagnostische Maßnahmen bestätigt:
- Klinische Untersuchung: Spezifische Provokationstests wie der Apprehension-Test (Schulter) oder der FABER-Test (Hüfte).
- MRT (Magnetresonanztomographie): Standardverfahren zur Darstellung von Weichteilstrukturen; häufig als MR-Arthrographie mit Kontrastmittel für bessere Detailauflösung.
- Arthroskopie: Kann gleichzeitig diagnostisch und therapeutisch eingesetzt werden.
Operationstechnik
Die Labrumrefixation erfolgt in der Regel arthroskopisch (minimalinvasiv) über kleine Hautschnitte. Der Eingriff wird unter Vollnarkose oder regionaler Anästhesie durchgeführt.
Ablauf der Operation
- Einführung der Arthroskopkamera und der Arbeitsinstrumente über kleine Zugänge (Portale).
- Darstellung und Beurteilung des gerissenen Labrums und angrenzender Strukturen.
- Auffrischung des Knochenrandes, um die Einwachsung zu fördern.
- Befestigung des Labrums mit speziellen Fadenanker (sogenannte Suture Anchors), die im Knochen verankert werden und das Gewebe mit Nähten fixieren.
- Bei zusätzlichen Begleitverletzungen (z. B. Knorpelschäden, Bankart-Läsion, SLAP-Läsion) werden diese im gleichen Eingriff mitbehandelt.
Offene versus arthroskopische Technik
In bestimmten Fällen – etwa bei schwerer Knocheninstabilität oder Rezidivluxationen – kann eine offene Operation notwendig sein, zum Beispiel als Latarjet-Operation an der Schulter. Diese ist aufwendiger, bietet aber bei ausgewählten Indikationen bessere Langzeitergebnisse.
Nachbehandlung und Rehabilitation
Die Rehabilitation nach einer Labrumrefixation ist entscheidend für das Operationsergebnis und umfasst mehrere Phasen:
- Phase 1 (0–6 Wochen): Ruhigstellung im Schulterverband oder mit Orthese, Schutz des refixierten Gewebes, passive Bewegungsübungen.
- Phase 2 (6–12 Wochen): Zunehmend aktive Beweglichkeitsübungen, leichter Muskelaufbau.
- Phase 3 (3–6 Monate): Kräftigungsübungen, funktionelles Training, sportspezifische Übungen.
- Sportfreigabe: In der Regel nach 4–6 Monaten für Freizeitsport, nach 6–12 Monaten für Leistungssport je nach Gelenk und Sportart.
Ergebnisse und Prognose
Die Labrumrefixation zeigt insgesamt gute Langzeitergebnisse. Die meisten Patienten erreichen eine deutliche Schmerzreduktion und eine verbesserte Gelenkstabilität. Bei der Schulter beträgt die Rezidivluxationsrate nach arthroskopischer Bankart-Refixation etwa 5–15 %, bei jungen Sportlern kann sie höher ausfallen. An der Hüfte sind die Ergebnisse bei gleichzeitiger Behandlung der Grundursache (z. B. FAI-Korrektur) besonders gut.
Mögliche Risiken und Komplikationen
- Nachblutung oder Infektion
- Nervenverletzungen (z. B. N. axillaris an der Schulter)
- Ankerf&ehlpositionierung oder Ankermigration
- Eingeschränkte Beweglichkeit oder Steifigkeit
- Rezidivinstabilität oder erneuter Labrumriss
- Thromboserisiko (vor allem bei Hüftoperationen)
Quellen
- Lill H., Voigt C. (Hrsg.): Die Schulter – Diagnostik und Therapie. Springer Medizin Verlag, 2. Auflage, 2014.
- Tibor L.M., Sekiya J.K.: Differential diagnosis of pain around the hip joint. Arthroscopy, 2008; 24(12): 1407–1421. DOI: 10.1016/j.arthro.2008.06.019.
- Bankart A.S.B.: Recurrent or habitual dislocation of the shoulder-joint. British Medical Journal, 1923; 2(3285): 1132–1133.
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