Lachman-Test: Kniediagnostik erklärt
Der Lachman-Test ist ein klinisches Untersuchungsverfahren zur Diagnose von Kreuzbandrissen am Knie, insbesondere des vorderen Kreuzbandes.
Wissenswertes über "Lachman-Test"
Der Lachman-Test ist ein klinisches Untersuchungsverfahren zur Diagnose von Kreuzbandrissen am Knie, insbesondere des vorderen Kreuzbandes.
Was ist der Lachman-Test?
Der Lachman-Test ist eine klinische Untersuchungsmethode in der Orthopädie und Sportmedizin, die zur Beurteilung der Stabilität des vorderen Kreuzbandes (VKB) im Kniegelenk eingesetzt wird. Er gilt als einer der zuverlässigsten und am häufigsten angewendeten Tests zur Diagnose eines vorderen Kreuzbandrisses. Der Test wurde nach dem amerikanischen Orthopäden John Lachman benannt und ist seit den 1970er Jahren ein fester Bestandteil der orthopädischen Diagnostik.
Durchführung des Lachman-Tests
Bei der Durchführung des Lachman-Tests liegt der Patient auf dem Rücken (Rückenlage). Das zu untersuchende Kniegelenk wird in einer Beugung von etwa 20 bis 30 Grad gehalten. Der Untersucher fixiert dabei den Oberschenkel mit einer Hand und umfasst mit der anderen Hand den Unterschenkel von hinten. Anschließend wird der Unterschenkel gegenüber dem Oberschenkel nach vorne gezogen.
- Normalbefund (negativ): Das vordere Kreuzband ist intakt, der Unterschenkel lässt sich nur minimal nach vorne verschieben, und es ist ein deutlicher, fester Anschlag zu spüren.
- Positiver Befund: Bei einem gerissenen vorderen Kreuzband gleitet der Unterschenkel deutlich nach vorne, der Endanschlag ist weich oder fehlt vollständig. Dies wird als positiver Lachman-Test bezeichnet.
Klinische Bedeutung und Indikation
Der Lachman-Test wird eingesetzt, wenn der Verdacht auf eine Verletzung des vorderen Kreuzbandes besteht, zum Beispiel nach Sportunfällen, Sturzereignissen oder Verdrehungstraumata des Kniegelenkes. Typische Symptome, die zu dieser Untersuchung führen, sind:
- Plötzlicher Schmerz im Knie nach einem Trauma
- Gefühl der Instabilität oder des "Wegknickens" des Knies
- Schwellung des Kniegelenkes (Hämarthros)
- Einschränkung der Beweglichkeit
Der Lachman-Test hat gegenüber dem älteren Schubladentest (bei 90 Grad Kniebeugung) den Vorteil, dass er auch bei frischen Verletzungen mit Schmerzen und Schwellung sowie bei muskelstarken Patienten besser durchführbar und aussagekräftiger ist.
Sensitivität und Spezifität
Der Lachman-Test gilt als der sensitivste klinische Test für die Diagnose eines vorderen Kreuzbandriss. Studien belegen eine Sensitivität von bis zu 85–98 % und eine Spezifität von etwa 90–99 %, was ihn zu einem der präzisesten manuellen Untersuchungsverfahren am Knie macht. Dennoch ersetzt er keine bildgebende Diagnostik.
Ergänzende Diagnostik
Bei einem positiven Lachman-Test oder bei unklarem Befund werden in der Regel weitere diagnostische Maßnahmen eingeleitet:
- MRT (Magnetresonanztomographie): Goldstandard zur Visualisierung von Kreuzbandrissen und Begleitverletzungen (z.B. Meniskusläsionen, Knochenmarkkontusionen)
- Röntgenaufnahme: Zum Ausschluss knöcherner Verletzungen
- Pivot-Shift-Test: Ergänzender klinischer Test zur Beurteilung der rotatorischen Instabilität
- Vorderer Schubladentest: Weitere klinische Untersuchung bei 90 Grad Kniebeugung
Behandlungsmöglichkeiten nach positivem Befund
Ein nachgewiesener vorderer Kreuzbandriss kann je nach Alter, Aktivitätsniveau und Begleitverletzungen konservativ oder operativ behandelt werden:
- Konservative Therapie: Physiotherapie, Muskelaufbau, stabilisierende Übungen – geeignet für weniger aktive Patienten oder bei partiellen Rissen
- Operative Therapie (VKB-Rekonstruktion): Arthroskopischer Eingriff mit Sehnentransplantat (z.B. Patellasehne oder Hamstring-Sehnen) – empfohlen für sportlich aktive Patienten oder bei kombinierter Instabilität
Quellen
- Benjaminse A, Gokeler A, van der Schans CP. Clinical diagnosis of an anterior cruciate ligament rupture: a meta-analysis. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy. 2006;36(5):267–288.
- Magee DJ. Orthopedic Physical Assessment. 6th ed. Saunders Elsevier; 2014.
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). S2k-Leitlinie: Vordere Kreuzbandruptur – Diagnostik und Therapie. AWMF-Register Nr. 033-006; 2018.
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