Laterale Bandplastik: Operation & Nachbehandlung
Die laterale Bandplastik ist ein chirurgischer Eingriff zur Rekonstruktion der Außenbandstrukturen des Sprunggelenks bei chronischer Instabilität.
Wissenswertes über "Laterale Bandplastik"
Die laterale Bandplastik ist ein chirurgischer Eingriff zur Rekonstruktion der Außenbandstrukturen des Sprunggelenks bei chronischer Instabilität.
Was ist die laterale Bandplastik?
Die laterale Bandplastik ist ein operatives Verfahren zur Wiederherstellung der stabilisierenden Bänder auf der Außenseite des Sprunggelenks. Sie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn konservative Therapiemöglichkeiten wie Physiotherapie und Bandagen bei einer chronischen Sprunggelenkinstabilität nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Ziel des Eingriffs ist es, die mechanische Stabilität des Gelenks dauerhaft wiederherzustellen und erneuten Umknickverletzungen vorzubeugen.
Ursachen und Indikationen
Die häufigste Ursache für eine laterale Bandplastik ist eine chronische Instabilität des oberen Sprunggelenks, die sich nach wiederholten Supinationstraumata (Umknickverletzungen nach außen) entwickelt. Dabei können folgende Bänder geschädigt sein:
- Ligamentum fibulotalare anterius (LFTA): Das am häufigsten betroffene Band
- Ligamentum fibulocalcaneare (LFC): Wird bei schweren Verletzungen ebenfalls gerässen
- Ligamentum fibulotalare posterius (LFTP): Seltenere Beteiligung
Eine operative Versorgung ist indiziert, wenn:
- Konservative Behandlung über mindestens 3–6 Monate keine ausreichende Stabilität erzielt
- Eine ausgepägte mechanische Instabilität bildgebend und klinisch nachgewiesen ist
- Der Patient sportlich aktiv ist und eine hohe funktionelle Anforderung an das Gelenk stellt
- Wiederholte Umknicktraumen mit Alltagsbeeinträchtigung auftreten
Operationsverfahren
Anatomische Rekonstruktion nach Brostrom-Gould
Die am weitesten verbreitete Methode ist die modifizierte Brostrom-Gould-Operation. Dabei werden die vorhandenen, aber gedehnten oder eingerissenen Bandstrukturen direkt gekürzt, gestrafft und mit Nähten am Wadenbein (Fibula) reinseriert. Zusätzlich wird das Retinaculum extensorum inferius als Verstärkungsschicht über die rekonstruierten Bänder genäht. Diese Methode gilt als Goldstandard bei der lateralen Bandplastik.
Plastik mit Sehnentransplantat
Bei unzureichendem Eigengewebe oder nach mehrfachen Voroperationen kann ein Sehnentransplantat verwendet werden. Hierbei dient häufig die Plantarissehne, die Gracilissehne oder ein synthetisches Implantat als Ersatzmaterial. Das Transplantat wird durch Knochenkanäle in Fibula und Talus geführt und fixiert.
Arthroskopisch assistierte Verfahren
Zunehmend werden auch minimalinvasive, arthroskopisch assistierte Techniken eingesetzt, die kleinere Schnitte erfordern, schnellere Wundheilung ermöglichen und das umliegende Gewebe schonen. Dabei werden spezielle Ankersysteme verwendet, um die Bänder am Knochen zu befestigen.
Diagnose und Voruntersuchungen
Vor der Operation erfolgt eine sorgfältige Diagnostik:
- Klinische Untersuchung: Schubladentest und Talar-Tilt-Test zur Beurteilung der Bandstabilität
- Röntgen: Gehaltene Aufnahmen zur Messung des Taluskippwinkels
- MRT (Magnetresonanztomographie): Darstellung der Bandstrukturen und Beurteilung von Begleitverletzungen
- Arthroskopie: Kann gleichzeitig zur Diagnose und Therapie intraartikularer Begleitpathologien eingesetzt werden
Nachbehandlung und Rehabilitation
Nach der lateralen Bandplastik ist eine strukturierte Nachbehandlung entscheidend für den Behandlungserfolg:
- 0–2 Wochen: Ruhigstellung im Unterschenkelgips oder Walker-Orthese, Teilbelastung
- 2–6 Wochen: Schrittweiser Übergang zur Vollbelastung, Beginn der Physiotherapie
- 6–12 Wochen: Kräftigungstherapie, propriozeptives Training, Gangschule
- Ab 3–4 Monaten: Sportspezifisches Training, Rückkehr zum Sport nach ärztlicher Freigabe
Die vollständige sportliche Belastungsfähigkeit ist meist nach 4–6 Monaten erreicht.
Risiken und Komplikationen
Wie bei jedem operativen Eingriff bestehen auch bei der lateralen Bandplastik mögliche Risiken:
- Wundheilungsstörungen oder Infektionen
- Verletzung von Nerven (z. B. Nervus peroneus superficialis)
- Narbenbildung und Bewegungseinschränkung
- Überkorrektur mit Einschränkung der Beweglichkeit
- Rezidivinstabilität im Langzeitverlauf
- Allgemeine Operationsrisiken (Thrombose, Anästhesiekomplikationen)
Prognose
Die Erfolgsraten der lateralen Bandplastik sind insgesamt sehr gut. Studien zeigen, dass mehr als 85 % der Patienten nach der modifizierten Brostrom-Gould-Operation langfristig schmerzfrei und stabil sind und zum Sport zurückkehren können. Bei Leistungssportlern und körperlich aktiven Patienten ist die Prognose besonders positiv.
Quellen
- Gould N, Seligson D, Gassman J. Early and late repair of lateral ligament of the ankle. Foot Ankle. 1980;1(2):84–89.
- Vuurberg G et al. Diagnosis, treatment and prevention of ankle sprains: update of an evidence-based clinical guideline. British Journal of Sports Medicine. 2018;52(15):956.
- Karlsson J, Eriksson BI, Bergsten T. Comparison of two anatomic reconstructions for chronic lateral instability of the ankle joint. American Journal of Sports Medicine. 1997;25(1):48–53.
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