Le-Fort-Osteotomie: Typen, Ablauf & Ergebnisse
Die Le-Fort-Osteotomie ist ein kieferchirurgischer Eingriff zur Korrektur von Fehlstellungen des Oberkiefers. Je nach Typ werden unterschiedliche Knochenebenen des Mittelgesichts durchtrennt und neu positioniert.
Wissenswertes über "Le-Fort-Osteotomie"
Die Le-Fort-Osteotomie ist ein kieferchirurgischer Eingriff zur Korrektur von Fehlstellungen des Oberkiefers. Je nach Typ werden unterschiedliche Knochenebenen des Mittelgesichts durchtrennt und neu positioniert.
Was ist die Le-Fort-Osteotomie?
Die Le-Fort-Osteotomie ist ein chirurgisches Verfahren aus der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG-Chirurgie), bei dem Knochen des Oberkiefers und des Mittelgesichts durchtrennt und in eine neue, funktionell und ästhetisch korrekte Position gebracht werden. Der Eingriff ist nach dem französischen Chirurgen René Le Fort benannt, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts typische Frakturmuster des Gesichtsschädels beschrieb. Heute wird die Methode vor allem zur Behandlung angeborener oder erworbener Kieferfehlstellungen eingesetzt.
Typen der Le-Fort-Osteotomie
Es werden drei klassische Typen unterschieden, die sich in der Höhe und Ausdehnung der Knochendurchtrennung unterscheiden:
Le-Fort-I-Osteotomie
Bei der Le-Fort-I-Osteotomie wird der gesamte Zahnbogen des Oberkiefers oberhalb der Zahnwurzeln horizontal durchtrennt. Dadurch kann der Oberkiefer nach vorne, hinten, oben oder unten verschoben sowie gekippt oder gedreht werden. Dies ist der am häufigsten durchgeführte Typ und eignet sich besonders zur Korrektur von vertikalen und sagittalen Fehlstellungen des Oberkiefers.
Le-Fort-II-Osteotomie
Die Le-Fort-II-Osteotomie umfasst einen größeren Knochenbereich: Der Schnitt verläuft über den Nasenrücken und die Jochbeinränder, sodass ein pyramidenförmiges Mittelgesichtssegment mobilisiert wird. Dieser Eingriff wird bei ausgeprägten Mittelgesichtshypoplasien eingesetzt, also wenn das gesamte mittlere Gesichtsdrittel zu wenig entwickelt ist.
Le-Fort-III-Osteotomie
Die Le-Fort-III-Osteotomie ist der umfangreichste Eingriff: Hierbei wird das gesamte Mittelgesicht einschließlich der Jochbeine von der Schädelbasis getrennt und vorverlagert. Sie wird häufig bei Patienten mit schweren kraniofazialen Syndromen wie dem Crouzon-Syndrom oder dem Apert-Syndrom angewendet.
Indikationen
Die Le-Fort-Osteotomie wird bei verschiedenen Erkrankungen und Fehlstellungen eingesetzt:
- Progenie (Unterbeissstellung): Oberkiefer liegt zu weit posterior
- Retrognathie: Rücklage des Oberkiefers
- Offener Biss (anteriorer oder posteriorer)
- Mittelgesichtshypoplasie bei kraniofazialen Syndromen
- Asymmetrien des Oberkiefers
- Schwere Schlafapnoe in Kombination mit einer Unterkieferverlagerung
Vorbereitung und Planung
Vor dem Eingriff erfolgt eine ausführliche kieferorthopädische Vorbehandlung, die in der Regel ein bis drei Jahre dauert. Die Operationsplanung umfasst:
- Kephalometrische Röntgenanalyse (Fernröntgenseitenaufnahme)
- Digitale 3D-Planung und virtuelle Chirurgie (Virtual Surgical Planning, VSP)
- Herstellung von Okklusionsschienen zur Positionsbestimmung im OP
- Gebissmodellanalyse und digitale Volumentomographie (DVT)
Operationsablauf
Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt. Der chirurgische Zugang erfolgt über Schnitte innerhalb der Mundhhöhle, sodass keine sichtbaren äußeren Narben entstehen. Nach der Knochendurchtrennung mit speziellen Sägen und Meßeln wird das Knochensegment gemäß der Operationsplanung in die neue Position gebracht und dort mit Titanplatten und -schrauben stabil fixiert. Die Operationsdauer beträgt je nach Komplexität zwischen zwei und sechs Stunden.
Nachsorge und Heilungsverlauf
Nach der Operation verbleibt der Patient in der Regel drei bis fünf Tage stationär. Die postoperative Phase umfasst:
- Schwellung und Blutergüsse im Gesicht, die nach zwei bis vier Wochen deutlich zurückgehen
- Weichkostdiät für sechs bis acht Wochen
- Kieferorthopädische Nachbehandlung zur Feineinstellung des Bisses
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen über mindestens ein Jahr
- Vollständige knöcherne Heilung nach etwa drei bis sechs Monaten
Risiken und Komplikationen
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff gibt es mögliche Risiken:
- Taubheitsgefühl im Bereich der Oberlippe, Nase oder Zähne durch vorübergehende oder dauerhafte Nervenirritation
- Nachblutungen oder Infektionen
- Rezidiv (Rückfall in die ursprüngliche Stellung)
- Asymmetrie des Operationsergebnisses
- Gaumenspaltenähnliche Veränderungen der Nasenform
- In seltenen Fällen: Durchblutungsstörungen des mobilisierten Knochensegments
Ergebnisse und Prognose
Die Le-Fort-Osteotomie gehört zu den etablierten und erfolgreichen Verfahren der orthognathen Chirurgie. Bei korrekter Indikation, sorgfältiger Planung und kieferorthopädischer Begleitung sind die funktionellen und ästhetischen Ergebnisse in den meisten Fällen sehr gut. Patienten berichten häufig über eine deutliche Verbesserung der Kaufunktion, Aussprache und Lebensqualität.
Quellen
- Hausamen, J.-E.; Machtens, E.; Reuther, J. F.: Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Springer Verlag, 4. Auflage, 2012.
- Proffit, W. R.; White, R. P.; Sarver, D. M.: Contemporary Treatment of Dentofacial Deformity. Mosby, 2003.
- Obwegeser, H. L.: Mandibular Growth Anomalies. Springer Verlag, 2001.
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