Lenvatinib: Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Lenvatinib ist ein verschreibungspflichtiges Krebsmedikament, das bestimmte Tumorarten hemmt. Es blockiert Signalwege, die das Tumorwachstum fördern.
Wissenswertes über "Lenvatinib"
Lenvatinib ist ein verschreibungspflichtiges Krebsmedikament, das bestimmte Tumorarten hemmt. Es blockiert Signalwege, die das Tumorwachstum fördern.
Was ist Lenvatinib?
Lenvatinib ist ein zielgerichteter Wirkstoff aus der Gruppe der Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI). Er wird in der Onkologie eingesetzt, um bestimmte Krebserkrankungen zu behandeln, bei denen das unkontrollierte Wachstum von Tumorzellen durch spezifische Signalwege angetrieben wird. Lenvatinib ist unter dem Handelsnamen Lenvima bekannt und wird oral als Kapsel eingenommen.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
Lenvatinib ist von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und weiteren Behörden für folgende Erkrankungen zugelassen:
- Differenziertes Schilddrüsenkarzinom (DTC): Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem, radiojodrefrakärem Schilddrüsenkrebs.
- Hepatozelluläres Karzinom (HCC): Als Erstlinientherapie beim nicht resezierbaren Leberkrebs.
- Nierenzellkarzinom (RCC): In Kombination mit Everolimus nach einer vorherigen Therapie mit einem VEGF-hemmenden Wirkstoff.
- Endometriumkarzinom: In Kombination mit Pembrolizumab bei fortgeschrittenem Gebärmutterkrebs, der nach einer Platintherapie weiter fortschreitet.
Wirkmechanismus
Lenvatinib wirkt, indem es mehrere Rezeptortyrosinkinasen gleichzeitig hemmt. Diese Enzyme sind entscheidend für die Signaltransduktion innerhalb von Tumorzellen und den sie versorgenden Blutgefäßen. Im Einzelnen blockiert Lenvatinib folgende Rezeptoren:
- VEGFR 1, 2 und 3 (Vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktorrezeptor): Hemmt die Neubildung von Blutgefäßen im Tumor (Angiogenese).
- FGFR 1, 2, 3 und 4 (Fibroblasten-Wachstumsfaktorrezeptor): Hemmt Zellwachstum und -teilung.
- PDGFRa (Platächenzellen-Wachstumsfaktorrezeptor alpha): Beeinflusst das Tumorstroma.
- RET und KIT: Wichtige Onkogene, die bei verschiedenen Tumoren eine Rolle spielen.
Durch die gleichzeitige Hemmung dieser Signalwege wird sowohl die Blutversorgung des Tumors als auch das direkte Tumorzellwachstum unterdrückt.
Dosierung und Anwendung
Lenvatinib wird einmal täglich oral (als Kapsel) eingenommen, mit oder ohne Nahrung. Die empfohlene Dosierung hängt von der Indikation und dem Körpergewicht des Patienten ab:
- Schilddrüsenkarzinom: 24 mg pro Tag
- Leberkrebs (HCC): 12 mg pro Tag (Körpergewicht ≥ 60 kg) oder 8 mg pro Tag (Körpergewicht < 60 kg)
- Nierenzellkarzinom: 18 mg pro Tag (in Kombination mit Everolimus 5 mg)
- Endometriumkarzinom: 20 mg pro Tag (in Kombination mit Pembrolizumab)
Bei Nebenwirkungen kann die Dosis reduziert oder die Therapie vorübergehend unterbrochen werden.
Nebenwirkungen
Wie alle Krebsmedikamente kann Lenvatinib Nebenwirkungen verursachen. Die häufigsten sind:
- Bluthochdruck (Hypertonie): Sehr häufig, erfordert regelmäßige Blutdruckkontrollen.
- Müdigkeit und Schwäche (Fatigue)
- Durchfall und Bauchschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit
- Entzündungen im Mundbereich (Stomatitis/Mucositis)
- Hand-Fuß-Syndrom (palmar-plantare Erythrodysaesthesie): Schmerzen und Hautrötungen an Handflächen und Fußsohlen
- Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
- Thromboembolische Ereignisse (Blutgerinnsel) und Blutungen
Seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen umfassen Leberfunktionsstörungen, Herzprobleme (z. B. QT-Verlängerung) sowie Wundheilungsstörungen. Patienten sollten alle unerwarteten Symptome umgehend ihrem Behandlungsteam melden.
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen
Lenvatinib sollte in folgenden Situationen nicht oder nur unter strenger ärztlicher Aufsicht angewendet werden:
- Während der Schwangerschaft und Stillzeit (teratogenes Potential)
- Bei schwerer Leber- oder Niereninsuffizienz
- Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Kurz vor oder nach operativen Eingriffen (Wundheilungsstörungen möglich)
Während der Therapie sind regelmäßige Kontrollen von Blutdruck, Nierenfunktion, Leberwerten und Schilddrüsenhormonspiegeln erforderlich.
Quellen
- European Medicines Agency (EMA): Lenvima (Lenvatinib) - Produktinformation und EPAR. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu (Stand 2024)
- Schlumberger M. et al. - Lenvatinib versus Placebo in Radioiodine-Refractory Thyroid Cancer. New England Journal of Medicine, 372(7):621-630, 2015.
- Kudo M. et al. - Lenvatinib versus Sorafenib in First-Line Treatment of Patients with Unresectable Hepatocellular Carcinoma. The Lancet, 391(10126):1163-1173, 2018.
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