Leukozytenmorphologie – Definition & Diagnostik
Die Leukozytenmorphologie beschreibt die mikroskopische Beurteilung von weißen Blutkörperchen. Sie ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren in der Hämatologie.
Wissenswertes über "Leukozytenmorphologie"
Die Leukozytenmorphologie beschreibt die mikroskopische Beurteilung von weißen Blutkörperchen. Sie ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren in der Hämatologie.
Was ist die Leukozytenmorphologie?
Die Leukozytenmorphologie bezeichnet die mikroskopische Untersuchung und Beurteilung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) hinsichtlich ihrer Form, Größe, Struktur und Reife. Sie ist ein zentrales Verfahren der klinischen Hämatologie und liefert wichtige Hinweise auf Erkrankungen des Blutes, des Immunsystems sowie auf Infektionen und Entzündungsreaktionen.
Im Rahmen eines Differentialblutbildes werden die verschiedenen Leukozytentypen klassifiziert und auf pathologische Veränderungen untersucht. Die Beurteilung erfolgt durch eine speziell gefärbte Blutausstrichpräparation, die unter dem Lichtmikroskop analysiert wird.
Leukozytenty pen und ihre morphologischen Merkmale
Es gibt fünf Haupttypen von Leukozyten, die sich morphologisch voneinander unterscheiden:
- Neutrophile Granulozyten: Die häufigsten weißen Blutkörperchen. Sie besitzen einen mehrlappigen Zellkern und feine, blassrosa gefärbte Granula im Zytoplasma. Sie sind entscheidend für die Abwehr bakterieller Infektionen.
- Eosinophile Granulozyten: Erkennbar an den kräftig rot-orange gefärbten Granula und einem zweilappigen Kern. Erhöhte Werte finden sich bei allergischen Erkrankungen und Parasiteninfektionen.
- Basophile Granulozyten: Die seltensten Granulozyten mit dunkelblauen Granula, die den Kern überdecken können. Beteiligt an allergischen Reaktionen und Entzündungsprozessen.
- Monozyten: Große Zellen mit einem nierenförmigen bis hufeisenförmigen Kern und grauem, vakuolisiertem Zytoplasma. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr und entwickeln sich im Gewebe zu Makrophagen.
- Lymphozyten: Kleine bis mittelgroße Zellen mit einem runden, dunklen Kern und schmalem Zytoplasmasaum. Zentral für die spezifische Immunabwehr (B- und T-Zellen).
Durchführung der Untersuchung
Für die Leukozytenmorphologie wird ein Blutausstrich auf einem Objektträger angefertigt und mit einer Spezialmärbung – meist der May-Grünwald-Giemsa-Färbung oder der Wright-Färbung – behandelt. Anschließend wird das Präparat durch einen erfahrenen Hämatologen oder ein automatisches Hämatologiegerät ausgewertet.
Die manuelle Auswertung durch einen Spezialisten ist besonders bei Verdacht auf hämatologische Erkrankungen unentbehrlich, da automatische Analysegeräte pathologische Zellformen nicht immer zuverlässig erkennen.
Pathologische Befunde und ihre klinische Bedeutung
Abweichungen von der normalen Leukozytenmorphologie können auf verschiedene Erkrankungen hinweisen:
- Linksverschiebung: Vermehrtes Auftreten unreifer Granulozyten (Stabkernige, Metamyelozyten) im Blut – typisch bei schweren bakteriellen Infektionen oder Sepsis.
- Toxische Veränderungen: Töxische Granulationen, Döhle-Körperchen und Vakuolisierung der Neutrophilen bei schweren Infektionen.
- Blasten: Unreife Vorläuferzellen im Blut als Hinweis auf eine akute Leuämie.
- Atypische Lymphozyten: Vergrößerte, aktivierte Lymphozyten bei Virusinfektionen wie dem Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber).
- Hypersegmentierte Neutrophile: Zellkerne mit mehr als fünf Lappen als Zeichen eines Vitamin-B12- oder Folatsäuremangels.
- Pelger-Huët-Anomalie: Neutrophile mit einem nur zweilappigen oder stabförmigen Kern – kongenital oder erworben bei myelodysplastischen Syndromen.
Klinische Relevanz
Die Leukozytenmorphologie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der hämatologischen Diagnostik. Sie ergänzt quantitative Blutbildparameter und ermöglicht eine gezielte Einschätzung des Krankheitsgeschehens. Indikationen für eine morphologische Beurteilung umfassen:
- Verdacht auf Leuämie oder lymphatische Erkrankungen
- Ungeklärte Leukozyten-Erhöhung oder -Erniedrigung
- Schwere Infektionen und Sepsis
- Fieber unklarer Ursache
- Kontrolluntersuchungen bei bekannten Hämopathien
Quellen
- Bain, B.J. - Blood Cells: A Practical Guide. 5. Auflage, Wiley-Blackwell, 2015.
- Hoffbrand, A.V. & Moss, P.A.H. - Hoffbrand's Essential Haematology. 7. Auflage, Wiley-Blackwell, 2016.
- World Health Organization (WHO) - WHO Classification of Tumours of Haematopoietic and Lymphoid Tissues. 4. Auflage, IARC Press, 2017.
Meistgekaufte Produkte
Der universelle Immunschutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Immunproteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des Immunsystems
Für eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac, Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®Die neusten Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieM48.0
Ubiquinolresorbierbarkeit
Quercetinstoffwechseltest
Die meistgelesenen Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieMagnesiumcarbonat
Kaloriengehalt
Kölner Liste
Verwandte Suchbegriffe: Leukozytenmorphologie