Levonorgestrel – Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Levonorgestrel ist ein synthetisches Gestagen, das in der Verhütung und Notfallkontrazeption eingesetzt wird. Es wirkt hauptsächlich durch Hemmung des Eisprungs.
Wissenswertes über "Levonorgestrel"
Levonorgestrel ist ein synthetisches Gestagen, das in der Verhütung und Notfallkontrazeption eingesetzt wird. Es wirkt hauptsächlich durch Hemmung des Eisprungs.
Was ist Levonorgestrel?
Levonorgestrel ist ein synthetisches Gestagen (Gelbkörperhormon), das strukturell vom natürlichen Progesteron abgeleitet ist und in zahlreichen verhütungsmitteln sowie in der Notfallkontrazeption eingesetzt wird. Es gehört zu den am häufigsten verwendeten hormonellen Wirkstoffen in der gynäkologischen Medizin.
Indikationen
Levonorgestrel wird für verschiedene medizinische Anwendungen eingesetzt:
- Orale Kontrazeption: Als Bestandteil kombinierter Antibabypillen (zusammen mit Östrogen) oder als reine Gestagen-Pille (Minipille)
- Notfallkontrazeption: Als sogenannte "Pille danach" in einer Dosierung von 1,5 mg zur Verhinderung einer ungewollten Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr
- Hormonale Intrauterinpessare (IUS): Als Levonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem (z. B. Mirena, Kyleena) zur langfristigen Verhütung und Behandlung starker Regelblutungen
- Behandlung der Endometriose und anderer gynäkologischer Erkrankungen
Wirkmechanismus
Levonorgestrel wirkt auf mehreren Ebenen im weiblichen Reproduktionssystem:
- Hemmung der Ovulation: Levonorgestrel unterdrückt die Ausschüttung der Gonadotropine LH und FSH aus der Hirnanhangdrüse, wodurch der Eisprung verhindert wird.
- Veränderung des Zervixschleims: Der Gebärmutterhalsschleim wird eingedickt, sodass Spermien erschwert in die Gebärmutter eindringen können.
- Veränderung der Gebärmutterschleimhaut: Das Endometrium wird so verändert, dass eine Einnistung einer befruchteten Eizelle erschwert wird.
Bei der Anwendung als Notfallkontrazeptivum steht die Hemmung oder Verzögerung des Eisprungs im Vordergrund. Die Wirksamkeit ist am höchsten, wenn das Präparat innerhalb von 72 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen wird.
Dosierung und Anwendungshinweise
Die Dosierung hängt von der jeweiligen Anwendung ab:
- Minipille: Täglich 30 µg Levonorgestrel zur kontinuierlichen Verhütung
- Kombinationspille: 50–250 µg Levonorgestrel in Kombination mit Ethinylestradiol
- Pille danach: Einmalig 1,5 mg Levonorgestrel (oder zweimal 750 µg im Abstand von 12 Stunden), möglichst frühzeitig nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr
- IUS (z. B. Mirena): Lokale Abgabe von 20 µg Levonorgestrel pro Tag direkt in der Gebärmutter über bis zu 5 Jahre
Nebenwirkungen
Wie alle hormonellen Verhütungsmittel kann Levonorgestrel Nebenwirkungen hervorrufen. Häufig berichtete Nebenwirkungen umfassen:
- Veränderungen der Regelblutung (Zwischenblutungen, Ausbleiben der Periode)
- Kopfschmerzen und Migräne
- Stimmungsveränderungen, depressive Verstimmungen
- Übelkeit
- Akne und Hautveränderungen
- Brustspannen
- Veränderungen der Libido
Bei der Anwendung als Notfallkontrazeptivum können zusätzlich vorubergehende Unterleibsschmerzen, Müdigkeit und Schwindel auftreten.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
Levonorgestrel sollte nicht angewendet werden bei:
- Bekannter oder vermuteter Schwangerschaft
- Schwerer Lebererkrankung
- Ungeklärten Vaginalblutungen
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
Bestimmte Medikamente können die Wirksamkeit von Levonorgestrel herabsetzen, darunter Rifampicin, bestimmte Antiepileptika (z. B. Phenytoin, Carbamazepin) sowie Johanniskraut. Bei gleichzeitiger Einnahme dieser Mittel sollte ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden.
Quellen
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Produktinformationen zu Levonorgestrel-haltigen Arzneimitteln. www.ema.europa.eu
- World Health Organization (WHO): Medical Eligibility Criteria for Contraceptive Use, 5th Edition, 2015. www.who.int
- Strowitzki T. et al.: Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Springer-Verlag, 2021.
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