Lipidtherapie: Blutfette senken & Herz schützen
Die Lipidtherapie umfasst maßnahmen zur Senkung erhöhter Blutfettwerte, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren.
Wissenswertes über "Lipidtherapie"
Die Lipidtherapie umfasst maßnahmen zur Senkung erhöhter Blutfettwerte, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren.
Was ist die Lipidtherapie?
Die Lipidtherapie bezeichnet alle medizinischen und therapeutischen Maßnahmen, die darauf abzielen, veränderte Blutfettwerte (Lipidwerte) zu normalisieren. Dazu gehören erhöhte Cholesterin- und Triglyzeridwerte sowie ein erniedrigtes HDL-Cholesterin (sogenanntes „gutes Cholesterin“). Ziel der Therapie ist es, das Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich zu senken.
Ursachen erhöhter Blutfettwerte
Erhöhte Lipidwerte können verschiedene Ursachen haben:
- Primäre (genetische) Ursachen: Familiäre Hypercholesterinämie oder andere erbliche Fettstoffwechselstörungen
- Sekundäre Ursachen: Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Schilddrüsenunter-funktion, Nierenerkrankungen oder Adipositas
- Lebensstil-Faktoren: Unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel, übermäßiger Alkoholkonsum und Rauchen
- Medikamente: Bestimmte Arzneimittel wie Kortikosteroide oder Betablocker können den Fettstoffwechsel beeinflussen
Diagnostik
Die Diagnose einer Fettstoffwechselstörung erfolgt über eine Blutuntersuchung, bei der ein sogenanntes Lipidprofil erstellt wird. Dieses umfasst:
- Gesamtcholesterin
- LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein, das „schlechte Cholesterin“)
- HDL-Cholesterin (High-Density-Lipoprotein, das „gute Cholesterin“)
- Triglyzeride
Die Blutentnahme sollte möglichst nüchtern erfolgen, um verlässliche Ergebnisse zu erhalten. Zielwerte für das LDL-Cholesterin werden individuell festgelegt und richten sich nach dem persönlichen kardiovaskulären Risikoprofil des Patienten.
Behandlung
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Die Basis jeder Lipidtherapie bilden Lebensstiländerungen:
- Ernährungsumstellung: Reduzierung von gesättigten Fettsäuren und Transfetten, mehr Ballaststoffe, Gemüse und ungesättigte Fettsäuren (z. B. Omega-3-Fettsäuren)
- Regelmäßige körperliche Aktivität: Mindestens 150 Minuten moderate Ausdauerbelastung pro Woche
- Gewichtsreduktion: Bereits eine mäßige Gewichtsabnahme verbessert die Lipidwerte signifikant
- Rauchstopp: Erhöht das HDL-Cholesterin und verbessert das kardiovaskuläre Risikoprofil
- Alkoholreduktion: Besonders zur Senkung erhöhter Triglyzeridwerte
Medikamentöse Therapie
Wenn Lebensstiländerungen allein nicht ausreichen, kommen lipidsenkende Medikamente zum Einsatz:
- Statine (z. B. Atorvastatin, Simvastatin): Hemmen die Cholesterinsynthese in der Leber und sind die am häufigsten eingesetzten Medikamente in der Lipidtherapie
- Ezetimib: Hemmt die Resorption von Cholesterin im Darm und wird oft mit Statinen kombiniert
- PCSK9-Inhibitoren (z. B. Evolocumab, Alirocumab): Monoklonale Antikörper, die sehr stark das LDL-Cholesterin senken; angewendet bei hohem kardiovaskulären Risiko oder Statin-Unverträglichkeit
- Fibrate (z. B. Fenofibrat): Senken vor allem die Triglyzeridwerte und erhöhen das HDL-Cholesterin
- Omega-3-Fettsäuren (hochdosiert): Zugelassen zur Senkung sehr hoher Triglyzeridwerte
- Inklisiran: Ein neuartiges siRNA-basiertes Medikament, das die PCSK9-Produktion in der Leber hemmt
Neue und spezialisierte Therapieformen
Für Patienten mit schwerer familiärer Hypercholesterinämie oder Unverträglichkeit gegenüber mehreren Medikamenten stehen spezielle Verfahren zur Verfügung:
- LDL-Apherese: Ein extrakorporales Verfahren, bei dem LDL-Cholesterin direkt aus dem Blut entfernt wird, ähnlich einer Dialyse
- Bempedoasäure: Ein neueres orales Medikament für Patienten mit Statin-Intoleranz
Therapieziele und Überwachung
Die Therapieziele der Lipidtherapie werden nach dem individuellen kardiovaskulären Risiko festgelegt. Gemäß den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) gelten für Hochrisikopatienten LDL-Zielwerte von unter 1,4 mmol/l (55 mg/dl). Regelmäßige Blutkontrollen und ärztliche Nachsorge sind essenziell, um den Therapieerfolg zu überwachen und mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.
Quellen
- Mach F et al. - 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. European Heart Journal, 2020; 41(1): 111-188.
- Grundy SM et al. - 2018 AHA/ACC Guideline on the Management of Blood Cholesterol. Journal of the American College of Cardiology, 2019; 73(24): e285-e350.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO) - Global Atlas on Cardiovascular Disease Prevention and Control. WHO Press, Genf, 2011.
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