Lipohypertrophie: Ursachen, Symptome & Behandlung
Lipohypertrophie ist eine krankhafte Vergrößerung des Fettgewebes unter der Haut, die häufig durch wiederholte Insulininjektionen entsteht. Sie führt zu tastbaren Verhartungen und kann die Insulinaufnahme beeinträchtigen.
Wissenswertes über "Lipohypertrophie"
Lipohypertrophie ist eine krankhafte Vergrößerung des Fettgewebes unter der Haut, die häufig durch wiederholte Insulininjektionen entsteht. Sie führt zu tastbaren Verhartungen und kann die Insulinaufnahme beeinträchtigen.
Was ist Lipohypertrophie?
Die Lipohypertrophie bezeichnet eine örtlich begrenzte Vergrößerung (Hypertrophie) des Fettgewebes unter der Haut (subkutanes Fettgewebe). Sie entsteht häufig als Reaktion auf wiederholte mechanische Reize oder auf die wiederholte Injektion bestimmter Substanzen, insbesondere Insulin. Betroffene stellen an den Injektionsstellen tastbare, gummiähnliche Knöten oder Verhartungen fest, die in den meisten Fällen schmerzlos sind.
Ursachen
Die häufigste Ursache der Lipohypertrophie ist die wiederholte Injektion von Insulin in dieselbe Körperstelle, wie es bei Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 vorkommt. Folgende Faktoren begünstigen die Entstehung:
- Fehlendes oder ungenügendes Rotieren der Injektionsstellen
- Wiederholte Verwendung derselben Injektionsnadel
- Zu kurze Nadeln oder falsche Injektionstechnik
- Verwendung von nicht-analogem (Human-)Insulin
- Hohe Insulindosen und häufige Injektionen
Seltener kann eine Lipohypertrophie auch durch andere Medikamente, die regelmäßig subkutan injiziert werden (z. B. Wachstumshormon, Heparin), oder durch chronische mechanische Reizung auftreten.
Symptome
Typische Anzeichen einer Lipohypertrophie sind:
- Tastbare Verhartungen oder Knöten unter der Haut an den Injektionsstellen
- Veränderte Hauttextur (aufgetrieben, uneben, gummiähnlich)
- Optisch sichtbare Aufwölbungen der Haut
- In den meisten Fällen keine Schmerzen, gelegentlich leichte Druckempfindlichkeit
Ein wichtiges medizinisches Problem besteht darin, dass Insulin aus verharteten Arealen unvorhersehbar und verzögert aufgenommen wird. Dies kann zu schwankenden Blutzuckerwerten und einer erschwerten Diabeteseinstellung führen.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch eine körperliche Untersuchung gestellt. Der Arzt oder die Ärztin tastet die Injektionsstellen gezielt ab und bewertet die Veränderungen des Gewebes. Zur genaueren Beurteilung kann eine Ultraschalluntersuchung der Haut eingesetzt werden, die Veranderungen im subkutanen Fettgewebe sichtbar macht und das Ausmaß der Lipohypertrophie bestimmt. Eine Biopsie ist in der Regel nicht notwendig.
Behandlung und Prävention
Die wichtigste Maßnahme ist die konsequente Rotation der Injektionsstellen. Dabei sollte systematisch zwischen verschiedenen Körperstellen (Bauch, Oberschenkel, Gesäß, Oberarm) und innerhalb dieser Stellen gewechselt werden. Weitere empfohlene Maßnahmen umfassen:
- Täglicher Wechsel der Injektionsnadel (Einmalnadeln nicht wiederverwenden)
- Verwendung geeigneter Nadellängen entsprechend der Körperkonstitution
- Schulung in korrekter Injektionstechnik durch Diabetesberaterinnen und Diabetesberater
- Regelmäßige Kontrolle der Injektionsstellen beim Arzt oder bei der Ärztin
Bestehende Lipohypertrophien bilden sich nach konsequenter Entlastung der betroffenen Stellen häufig innerhalb von Monaten zurück. Operativeoder invasive Maßnahmen sind selten erforderlich. Nach dem Wechsel auf nicht-verhartetes Gewebe muss die Insulindosis gegebenenfalls angepasst werden, da die Aufnahme dann wieder zuverlässiger erfolgt.
Quellen
- Blanco M. et al. - Lifting the lid on lipohypertrophy. Diabetes & Primary Care, 2013.
- Frid A. H. et al. - New insulin delivery recommendations. Mayo Clinic Proceedings, 2016; 91(9): 1231–1255.
- Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) - Praxisempfehlungen zur Insulintherapie, 2023. Verfugbar unter: www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de
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