Lisdexamfetamin – Wirkung, Dosierung & Nebenwirkungen
Lisdexamfetamin ist ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Behandlung von ADHS und Binge-Eating-Störungen. Es gehört zur Gruppe der Amphetamine.
Wissenswertes über "Lisdexamfetamin"
Lisdexamfetamin ist ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Behandlung von ADHS und Binge-Eating-Störungen. Es gehört zur Gruppe der Amphetamine.
Was ist Lisdexamfetamin?
Lisdexamfetamin (auch bekannt unter dem Handelsnamen Vyvanse oder Elvanse) ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel aus der Gruppe der Psychostimulanzien. Es wird hauptsächlich zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssstörung (ADHS) bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eingesetzt. Darüber hinaus ist es in einigen Ländern auch zur Behandlung der Binge-Eating-Störung (zwanghafte Überfresser) zugelassen.
Lisdexamfetamin ist chemisch gesehen ein sogenanntes Prodrug – das bedeutet, es wird im Körper erst in seine aktive Form, das D-Amphetamin, umgewandelt, bevor es seine Wirkung entfaltet.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- ADHS bei Kindern ab 6 Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen
- Binge-Eating-Störung (mäßige bis schwere Form) bei Erwachsenen
Wirkmechanismus
Nach der Einnahme wird Lisdexamfetamin im Magen-Darm-Trakt und im Blut durch das Enzym Peptidase hydrolytisch gespalten. Dabei entsteht die biologisch aktive Substanz D-Amphetamin.
D-Amphetamin wirkt hauptsächlich durch folgende Mechanismen:
- Es erhöht die Ausschüttung und hemmt die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin im Gehirn.
- Dadurch verbessern sich Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Konzentration.
- Die Prodrug-Struktur sorgt für eine gleichmäßigere und längere Wirkdauer im Vergleich zu direktem Amphetamin, da die Umwandlung schrittweise erfolgt.
Dosierung und Anwendung
Lisdexamfetamin wird als Kapsel oder Kautablette einmal täglich, vorzugsweise morgens, eingenommen. Die Dosierung wird individuell vom behandelnden Arzt festgelegt und hängt vom Alter, Körpergewicht und dem klinischen Ansprechen ab.
- Kinder (6–12 Jahre) und Jugendliche: In der Regel wird mit einer niedrigen Dosis (z.B. 20–30 mg/Tag) begonnen und schrittweise erhöht.
- Erwachsene: Die empfohlene Tagesdosis liegt typischerweise zwischen 30 und 70 mg.
- Die Kapsel kann geSchluckt oder geöffnet und der Inhalt in Wasser aufgelöst eingenommen werden.
Die Einnahme sollte nicht am Abend erfolgen, da Schlafstörungen möglich sind.
Nebenwirkungen
Wie alle Medikamente kann Lisdexamfetamin Nebenwirkungen verursachen. Häufige Nebenwirkungen sind:
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
- Schlafstörungen (Insomnie)
- Erhöhter Blutdruck und erhöhte Herzfrequenz
- Kopfschmerzen
- Mundtrockenheit
- Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen
- Magenprobleme (z.B. Übelkeit, Bauchschmerzen)
Seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen können Herzprobleme, psychiatrische Symptome (z.B. Angstzustände, Psychosen) oder Wachstumsverzögerungen bei Kindern umfassen. Bei Auftreten solcher Symptome sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden.
Gegenanzeigen (Kontraindikationen)
Lisdexamfetamin sollte nicht eingenommen werden bei:
- Bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Amphetaminen
- Schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankung
- Gleichzeitiger Einnahme von MAO-Hemmern oder innerhalb von 14 Tagen nach deren Absetzen
- Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
- Glaukom (grüner Star)
- Schwangerschaft und Stillzeit (nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung)
Abhängigkeitspotenzial und rechtliche Einordnung
Lisdexamfetamin unterliegt in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und gehört zu den kontrollierten Substanzen. Es besteht ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial, weshalb es ausschließlich auf Betäubungsmittelrezept verschrieben werden darf. Die Prodrug-Struktur reduziert das Missbrauchspotenzial im Vergleich zu anderen Amphetaminpräparaten, eliminiert es aber nicht vollständig.
Quellen
- Fachinformation Elvanse (Lisdexamfetamindimesilat) – Takeda Pharma, aktuelle Fassung.
- Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP): Leitlinie ADHS (2018).
- Faraone SV et al. – The pharmacology of amphetamine and methylphenidate: Relevance to the neurobiology of attention-deficit/hyperactivity disorder and other psychiatric comorbidities. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 87, 255–270 (2018).
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