Maisonneuve-Fraktur: Ursachen, Symptome & Therapie
Die Maisonneuve-Fraktur ist eine schwere Sprunggelenksverletzung mit Fibulafraktur im oberen Drittel und Schäden am Bandapparat. Sie erfordert meist operative Behandlung.
Wissenswertes über "Maisonneuve-Fraktur"
Die Maisonneuve-Fraktur ist eine schwere Sprunggelenksverletzung mit Fibulafraktur im oberen Drittel und Schäden am Bandapparat. Sie erfordert meist operative Behandlung.
Was ist eine Maisonneuve-Fraktur?
Die Maisonneuve-Fraktur ist eine spezifische Form der Sprunggelenksfraktur, die erstmals 1840 vom französischen Chirurgen Jules Germain François Maisonneuve beschrieben wurde. Sie ist gekennzeichnet durch einen Knochenbruch im oberen Drittel der Fibula (Wadenbein), der durch eine Rotationsverletzung des Sprunggelenks entsteht. Gleichzeitig liegen typischerweise schwere Verletzungen der Bandstrukturen und der Membrana interossea am Unterschenkel vor.
Diese Verletzung wird häufig unterdiagnostiziert, da der Schmerz primär im Bereich des Sprunggelenks auftritt und der eigentliche Knochenbruch weit entfernt am Wadenbein liegt. Ein röntgenologisches Bild, das lediglich das Sprunggelenk abbildet, kann die Fraktur leicht übersehen.
Ursachen und Entstehungsmechanismus
Die Maisonneuve-Fraktur entsteht in der Regel durch eine Aussenrotationsverletzung des Sprunggelenks, häufig kombiniert mit einer Pronationsbewegung des Fußes. Typische Auslöser sind:
- Sportunfälle, insbesondere beim Fußball, Ski- oder Snowboardfahren
- Stolpern oder Umknicken auf unebenem Untergrund
- Stürze aus geringer Höhe mit Verdrehung des Sprunggelenks
- Verkehrsunfälle mit Torsionskräften auf den Unterschenkel
Die einwirkende Kraft wird vom Sprunggelenk über die Membrana interossea (eine bindegewebige Verbindung zwischen Schien- und Wadenbein) nach proximal weitergeleitet, bis sie am oberen Wadenbein eine Fraktur verursacht. Dabei kommt es fast immer zu zusätzlichen Verletzungen des medialen Knöchels, der vorderen Syndesmose oder des Deltaligaments.
Symptome
Die Symptome der Maisonneuve-Fraktur können initial täuschend sein und werden oft als einfache Sprunggelenksdistorsion fehlgedeutet. Typische Beschwerden sind:
- Schmerzen im Sprunggelenk, besonders auf der Innenseite oder im Bereich der Syndesmose
- Schwellung und Bluterguss am Sprunggelenk
- Druckschmerz am oberen Wadenbein (wichtiges diagnostisches Zeichen)
- Eingeschränkte Beweglichkeit und Belastungsunfähigkeit des Sprunggelenks
- Instabilitätsgefühl beim Auftreten
Entscheidend für die Diagnose ist die gezielte Untersuchung des gesamten Wadenbeins bis zum Kniegelenk, da der Frakturschmerz oft nur proximal auftritt.
Diagnose
Die Diagnose der Maisonneuve-Fraktur erfordert eine strukturierte klinische und bildgebende Abklärung:
Klinische Untersuchung
Der Arzt tastet das gesamte Wadenbein ab und prüft auf Druckschmerz im proximalen Bereich. Spezifische Tests wie der Aussenrotationstest und der Squeeze-Test können auf eine Syndesmoseninstabilität hinweisen.
Bildgebung
- Röntgen: Röntgenaufnahmen des Sprunggelenks (in zwei Ebenen) und des gesamten Unterschenkels einschließlich des proximalen Wadenbeins sind essenziell. Ohne eine proximale Aufnahme wird die Fraktur häufig übersehen.
- MRT (Magnetresonanztomografie): Dient zur genauen Beurteilung von Bandverletzungen, insbesondere der Syndesmose und des Deltaligaments.
- CT (Computertomografie): Hilfreich zur präoperativen Planung und zur detaillierten Beurteilung der Frakturmorphologie.
Klassifikation
Die Maisonneuve-Fraktur wird in der klinischen Praxis nach der Lauge-Hansen-Klassifikation als Pronations-Aussenrotationsverletzung Grad III oder IV eingestuft. Alternativ wird sie nach der Weber-Klassifikation als Typ C (Fraktur oberhalb der Syndesmose) klassifiziert, was eine Syndesmoseninstabilität impliziert.
Behandlung
Konservative Behandlung
Eine konservative Therapie ist nur in seltenen Fällen möglich, nämlich wenn das Sprunggelenk stabil ist und keine signifikante Syndesmoseninstabilität vorliegt. Sie umfasst:
- Ruhigstellung im Unterschenkelgips oder Orthese für 6 bis 12 Wochen
- Entlastung mit Unterarmgehstützen
- Regelmäßige röntgenologische Verlaufskontrollen
Operative Behandlung
In den meisten Fällen ist aufgrund der Syndesmoseninstabilität eine Operation erforderlich. Das Ziel ist die Wiederherstellung der stabilen Sprunggelenksgabel. Die chirurgischen Maßnahmen umfassen:
- Syndesmosenschraube: Eine oder zwei Schrauben werden zwischen Schien- und Wadenbein eingebracht, um die Syndesmose zu stabilisieren.
- Tight-Rope-Verfahren: Eine flexible Fadenkonstruktion ersetzt oder ergänzt die starre Schraube und erlaubt eine physiologischere Bewegung.
- Bandrekonstruktion: Zerrissene Bänder (z. B. Deltaligament) können genäht oder rekonstruiert werden.
- Osteosynthese der Fibula: Die Fraktur am Wadenbein wird in der Regel nicht direkt verschraubt, da sie durch die Stabilisierung der Syndesmose ausreichend versorgt wird.
Nachbehandlung und Prognose
Nach operativer Versorgung ist eine konsequente Nachbehandlung wichtig für ein gutes Langzeitergebnis:
- Teilbelastung für 6 bis 8 Wochen, danach schrittweiser Belastungsaufbau
- Physiotherapie zur Wiederherstellung von Kraft, Koordination und Beweglichkeit
- Entfernung der Syndesmosenschraube nach 8 bis 12 Wochen (falls verwendet)
- Sportfähigkeit in der Regel nach 3 bis 6 Monaten
Bei frühzeitiger und korrekter Behandlung ist die Prognose gut. Unbehandelte oder unterdiagnostizierte Fälle können jedoch zu chronischer Instabilität, Arthrose des Sprunggelenks und dauerhaften Funktionseinschränkungen führen.
Quellen
- Zwipp H, Rammelt S. Tscherne Unfallchirurgie: Fuß und Sprunggelenk. Springer Verlag, Berlin, 2014.
- Lauge-Hansen N. Fractures of the ankle. Archives of Surgery. 1950;60(5):957-985.
- van Dijk CN, Longo UG, Loppini M, et al. Conservative and surgical management of acute isolated syndesmotic injuries. Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy. 2016;24(4):1217-1227.
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