Matrixassoziierte Chondrozytentransplantation (MACT)
Die matrixassoziierte Chondrozytentransplantation (MACT) ist ein modernes Verfahren zur Behandlung von Knorpelschäden am Kniegelenk mithilfe patienteneigener Knorpelzellen.
Wissenswertes über "Matrixassoziierte Chondrozytentransplantation"
Die matrixassoziierte Chondrozytentransplantation (MACT) ist ein modernes Verfahren zur Behandlung von Knorpelschäden am Kniegelenk mithilfe patienteneigener Knorpelzellen.
Was ist die matrixassoziierte Chondrozytentransplantation?
Die matrixassoziierte Chondrozytentransplantation (kurz: MACT oder MACI) ist ein biologisches Verfahren der regenerativen Medizin zur Behandlung von Knorpeldefekten, insbesondere am Kniegelenk. Dabei werden patienteneigene Knorpelzellen (Chondrozyten) entnommen, außerhalb des Körpers auf einer biologisch abbaubaren Trägermatrix vermehrt und anschließend in den Knorpeldefekt implantiert. Das Verfahren gilt als Weiterentwicklung der klassischen autologen Chondrozytentransplantation (ACT).
Indikationen
Die MACT wird vorwiegend bei größeren, umschriebenen Knorpeldefekten eingesetzt, die durch Unfall, sportliche Belastung oder degenerative Veränderungen entstanden sind. Typische Anwendungsgebiete umfassen:
- Fokale Knorpelschäden am Kniegelenk (z. B. am Oberschenkelknochen oder der Kniescheibe)
- Knorpeldefekte Grad III und IV nach der ICRS-Klassifikation (International Cartilage Repair Society)
- Osteochondrale Läsionen (Knorpel-Knochen-Schäden)
- Versagen anderer Knorpelreparaturverfahren (z. B. Mikrofrakturierung)
Das Verfahren ist in der Regel für Patienten zwischen 15 und 55 Jahren geeignet, da bei älteren Patienten die Regenerationsfähigkeit der Zellen eingeschränkt sein kann.
Ablauf des Verfahrens
Schritt 1: Entnahme der Knorpelzellen
In einem ersten minimal-invasiven Eingriff (Arthroskopie) wird eine kleine Menge gesunden Knorpelgewebes aus einem wenig belasteten Bereich des Kniegelenks entnommen. Diese Biopsie enthält lebende Chondrozyten, die anschließend in ein spezialisiertes Labor geschickt werden.
Schritt 2: Zellkultivierung und Matrixbesiedelung
Im Labor werden die entnommenen Knorpelzellen über mehrere Wochen vermehrt (kultiviert). Anschließend werden sie auf eine biologisch abbaubare Trägermatrix aufgebracht, häufig aus Kollagen Typ I/III oder synthetischen Biopolymeren bestehend. Diese Matrix dient als Gerüst, das die Zellen in ihrer Position hält und ihre Integration in das umliegende Gewebe unterstützt.
Schritt 3: Implantation
In einem zweiten Eingriff wird die mit Chondrozyten besiedelte Matrix in den vorbereiteten Knorpeldefekt eingesetzt. Dies kann arthroskopisch (minimal-invasiv) oder in offener Technik erfolgen. Die Matrix wird mittels Fibrinkleber oder Nähten im Defektbereich fixiert und integriert sich im Verlauf der Heilung in das umgebende Knorpelgewebe.
Unterschied zur klassischen Chondrozytentransplantation (ACT)
Bei der klassischen autologen Chondrozytentransplantation (ACT) werden die Zellen als Zellsuspension unter einem Periostlappen (Knochenhaut) injiziert. Die MACT verwendet stattdessen eine Trägermatrix, was folgende Vorteile bietet:
- Gleichmäßigere Verteilung der Zellen im Defekt
- Bessere mechanische Stabilität während der Heilungsphase
- Geringeres Risiko einer Hypertrophie (überschießendes Gewebewachstum)
- Möglichkeit der minimalinvasiven Implantation
Nachbehandlung und Rehabilitation
Die Nachbehandlung spielt eine entscheidende Rolle für den Behandlungserfolg. In den ersten Wochen nach der Operation ist eine Teilbelastung des operierten Gelenks notwendig, um die Integration der Zellen nicht zu gefährden. Typischerweise umfasst die Rehabilitation:
- 0–6 Wochen: Entlastung oder Teilbelastung, passive Bewegungsübungen
- 6–12 Wochen: Zunehmende Belastungssteigerung, Physiotherapie
- 3–6 Monate: Muskelaufbautraining, koordinative Übungen
- 6–12 Monate: Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten möglich
Das neu gebildete Knorpelgewebe benötigt bis zu zwei Jahre, um vollständig auszureifen und belastbar zu werden.
Ergebnisse und Erfolgsaussichten
Klinische Studien zeigen, dass die MACT bei geeigneten Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der Schmerzsituation und Gelenkfunktion führen kann. Langzeitstudien belegen gute bis sehr gute Ergebnisse bei einem Großteil der Patienten über einen Zeitraum von 5 bis 10 Jahren. Die MACT gilt als aussichtsreiche Alternative zum künstlichen Gelenkersatz (Endoprothese) bei jüngeren Patienten mit umschriebenen Knorpelschäden.
Risiken und Nebenwirkungen
Wie bei jedem operativen Eingriff bestehen allgemeine Risiken wie Infektionen, Thrombosen und Blutungen. Spezifische Risiken der MACT umfassen:
- Unzureichende Integration der transplantierten Zellen
- Transplantatversagen (Ableben der Zellen)
- Hypertrophie des Transplantats (seltener als bei der klassischen ACT)
- Gelenksteifigkeit oder Arthrofibrose
Quellen
- Brittberg M. et al. - Treatment of Deep Cartilage Defects in the Knee with Autologous Chondrocyte Transplantation. New England Journal of Medicine, 1994; 331(14): 889–895.
- Kon E. et al. - Matrix-assisted autologous chondrocyte transplantation for the repair of cartilage defects of the knee. American Journal of Sports Medicine, 2011; 39(12): 2558–2565.
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) - S2k-Leitlinie Knorpelreparatur am Kniegelenk, 2022.
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