Mebendazol – Wirkung, Dosierung & Anwendung
Mebendazol ist ein Anthelminthikum zur Behandlung von Wurminfektionen wie Spul-, Faden- und Hakenwurmbefall. Es hemmt die Glukoseaufnahme der Parasiten.
Wissenswertes über "Mebendazol"
Mebendazol ist ein Anthelminthikum zur Behandlung von Wurminfektionen wie Spul-, Faden- und Hakenwurmbefall. Es hemmt die Glukoseaufnahme der Parasiten.
Was ist Mebendazol?
Mebendazol ist ein Anthelminthikum (Wurmmittel) aus der Gruppe der Benzimidazole. Es wird eingesetzt, um verschiedene Wurminfektionen (Helminthiasis) beim Menschen zu behandeln. Das Medikament ist seit Jahrzehnten klinisch etabliert und steht auf der Liste der essenziellen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Anwendungsgebiete
Mebendazol wird bei folgenden parasitären Erkrankungen eingesetzt:
- Enterobiasis (Madenwurminfektion / Oxyuriasis)
- Askariasis (Spulwurminfektion)
- Trichuriasis (Peitschenwurminfektion)
- Hakenwurminfektion (Ancylostomiasis, Necatoriasis)
- Gemischte Infektionen mit mehreren Wurmarten gleichzeitig
Wirkmechanismus
Mebendazol wirkt, indem es selektiv an das Beta-Tubulin der Wurmzellen bindet. Dadurch wird die Bildung der sogenannten Mikrotubuli gehemmt – eine Struktur, die für die Zellteilung und den Glukosetränsport in den Darmzellen der Parasiten unabdingbar ist. Als Folge können die Würmer keine Glukose mehr aufnehmen, verhungern und sterben ab. Da humane Beta-Tubulin-Strukturen eine andere Bindungsaffinität aufweisen, ist die Toxizität gegenüber dem menschlichen Gewebe sehr gering.
Dosierung und Anwendung
Die Dosierung hängt von der Art der Wurminfektion ab:
- Madenwurm (Enterobius vermicularis): Einmaldosis von 100 mg; Wiederholung nach 2–3 Wochen empfohlen, da Eier nicht abgetötet werden.
- Spulwurm, Peitschenwurm, Hakenwurm: 100 mg zweimal täglich für 3 Tage oder 500 mg als Einmaldosis.
Mebendazol ist in Form von Tabletten und Kautabletten erhältlich. Die Tabletten können geschluckt oder zerkaut werden. Bei Madenwurmbefall wird empfohlen, alle Haushaltsmitglieder gleichzeitig zu behandeln, um eine Reinfektion zu vermeiden.
Nebenwirkungen
Mebendazol wird im Allgemeinen gut vertragen. Mögliche Nebenwirkungen sind:
- Bauchschmerzen oder Bauchkrämpfe
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall
- Kopfschmerzen
- Hautreaktionen (selten)
- Erhöhte Leberwerte bei längerer Anwendung (selten)
Bei starkem Wurmbefall können die Symptome zu Beginn der Therapie vorübergehend verstärkt sein, da die absterbenden Würmer Reizstoffe freisetzen.
Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Mebendazol oder andere Benzimidazole
- Schwangerschaft (besonders im ersten Trimester): Anwendung nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung
- Kinder unter 1 Jahr: Nicht empfohlen (begrenzte Daten)
- Bei chronischer Lebererkrankung ist Vorsicht geboten
Wechselwirkungen
Mebendazol kann mit folgenden Substanzen wechselwirken:
- Cimetidin: Kann den Mebendazol-Plasmaspiegel erhöhen (Hemmung des Leberstoffwechsels)
- Metronidazol: Kombination kann das Risiko von Stevens-Johnson-Syndrom erhöhen (selten)
- Phenytoin / Carbamazepin: Können den Mebendazol-Spiegel senken (Induktion des CYP-Enzymsystems)
Quellen
- World Health Organization (WHO): WHO Model Formulary 2023 – Anthelmintics. Genf: WHO Press.
- Brunton, L.L. et al.: Goodman & Gilman's The Pharmacological Basis of Therapeutics, 13. Auflage. McGraw-Hill Education, 2018.
- European Medicines Agency (EMA): Mebendazole – Summary of Product Characteristics. Amsterdam: EMA, 2022.
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