Medroxyprogesteronacetat: Wirkung & Anwendung
Medroxyprogesteronacetat (MPA) ist ein synthetisches Gestagen, das in der Hormontherapie, Verhütung und Behandlung hormonabhängiger Erkrankungen eingesetzt wird.
Wissenswertes über "Medroxyprogesteronacetat"
Medroxyprogesteronacetat (MPA) ist ein synthetisches Gestagen, das in der Hormontherapie, Verhütung und Behandlung hormonabhängiger Erkrankungen eingesetzt wird.
Was ist Medroxyprogesteronacetat?
Medroxyprogesteronacetat (kurz: MPA) ist ein synthetisch hergestelltes Gestagen, also ein künstliches Hormon, das dem natürlichen Progesteron ähnelt. Es gehört zur Gruppe der Gestagene (Progesterinderivate) und wird in der Medizin seit Jahrzehnten eingesetzt. MPA ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich: als Tablette, als Depot-Injektion sowie als Bestandteil kombinierter Hormonpräparate.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
Medroxyprogesteronacetat wird für verschiedene medizinische Zwecke eingesetzt:
- Hormonelle Verhütung: Als Depot-Injektion (z. B. Depo-Provera®) alle drei Monate zur Empfängnisverhütung
- Menstruationsstörungen: Behandlung von unregelmäßigen oder ausbleibenden Regelblutungen (Amenorrhö, Dysmenorrhö)
- Endometriose: Linderung von Beschwerden durch überschießendes Gebärmutterschleimhautgewebe
- Hormonersatztherapie (HRT): In Kombination mit Östrogenen zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut bei postmenopausalen Frauen
- Endometriumkarzinom: Als Bestandteil der palliativen Behandlung des Gebärmutterschleimhauts-Karzinoms
- Brustkrebs: Einsatz in bestimmten fortgeschrittenen oder metastasierten Fällen
- Androgendeprivation: Einsatz zur Libidominderung bei parafilischen Störungen oder als Teil der Behandlung von Prostatakarzinom
Wirkmechanismus
MPA wirkt hauptsächlich über die Bindung an Progesteronrezeptoren in verschiedenen Geweben. Die wichtigsten Wirkmechanismen sind:
- Hemmung der Ovulation: MPA unterdrückt die Ausschüttung von LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (follikelstimulierendes Hormon) aus der Hirnanhangdrüse, wodurch der Eisprung verhindert wird.
- Veränderung des Gebärmutterschleimhaut: MPA bewirkt eine Umwandlung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) in einen sekretorischen Zustand, was die Einnistung einer Eizelle erschwert.
- Veränderung des Zervixschleims: Der Schleim am Gebärmutterhals wird zäher, sodass Spermien schlechter eindringen können.
- Antiandrogene Wirkung: In höheren Dosen hemmt MPA die Produktion und Wirkung männlicher Geschlechtshormone (Androgene).
- Antiproliferative Wirkung: Im Rahmen der Krebstherapie hemmt MPA das Wachstum hormonabhängiger Tumorzellen.
Dosierung und Anwendungshinweise
Die Dosierung von Medroxyprogesteronacetat hängt stark von der jeweiligen Indikation ab:
- Depot-Injektion zur Verhütung: 150 mg alle 12 Wochen (3 Monate) intramuskulär oder 104 mg subkutan
- Orale Einnahme bei Menstruationsstörungen: Meist 5–10 mg täglich für 5–10 Tage
- Hormonersatztherapie: 2,5–10 mg täglich oder zyklisch in Kombination mit Östrogenen
- Tumorbehandlung: Höhere Dosen von 200–1000 mg täglich, je nach Protokoll
Die Anwendung sollte immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Selbstmedikation ist nicht empfohlen.
Nebenwirkungen
Wie alle Hormone kann Medroxyprogesteronacetat Nebenwirkungen hervorrufen. Diese können je nach Dosis, Anwendungsform und individueller Reaktion variieren:
Häufige Nebenwirkungen
- Unregelmäßige Blutungen oder Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhö)
- Gewichtszunahme
- Kopfschmerzen
- Stimmungsveränderungen, depressive Verstimmung
- Verminderter Sexualtrieb (Libidoverlust)
- Brustspannungen oder Brustschmerzen
Seltenere, aber schwerwiegende Nebenwirkungen
- Knochendichteabnahme: Besonders bei langfristiger Anwendung der Depot-Injektion kann die Knochendichte sinken, was das Osteoporoserisiko erhöht.
- Thrombose und Embolie: Erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel in Venen und Arterien
- Kardiovaskuläre Risiken: Kann das Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfall erhöhen
- Brustkrebs: Bei langfristiger Anwendung im Rahmen der kombinierten Hormonersatztherapie besteht ein leicht erhöhtes Brustkrebsrisiko
- Verzögerte Rückkehr der Fruchtbarkeit nach Absetzen der Depot-Injektion
Gegenanzeigen (Kontraindikationen)
MPA darf nicht angewendet werden bei:
- Bekannten oder vermuteten östrogen- oder progesteronabhängigen Tumoren
- Ungeklärten vaginalen Blutungen
- Bestehender oder früherer tiefer Venenthrombose oder Lungenembolie
- Aktiven oder früheren arteriellen Herzerkrankungen (z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall)
- Schwerer Lebererkrankung oder Lebertumoren
- Schwangerschaft
- Bekannter Überempfindlichkeit gegen MPA oder einen der Hilfsstoffe
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Medroxyprogesteronacetat kann in Wechselwirkung mit verschiedenen Medikamenten treten:
- Enzyminduktoren (z. B. Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin, Johanniskraut) können den Abbau von MPA beschleunigen und die Wirkung vermindern.
- Aminoglutethimid kann die Verfügbarkeit von MPA im Blut erheblich verringern.
- Wechselwirkungen mit Antikoagulanzien (Blutverدünnern) und Antidiabetika sind möglich.
Quellen
- European Medicines Agency (EMA): Produktinformation zu Medroxyprogesteronacetat-haltigen Präparaten. Verfügbar unter: www.ema.europa.eu
- World Health Organization (WHO): Medical Eligibility Criteria for Contraceptive Use, 5th edition. Geneva: WHO, 2015.
- Kuhl H.: Pharmakologie von Östrogenen und Gestagenen. In: Gynäkologische Endokrinologie 2011; 9(1): 16–26. DOI: 10.1007/s10304-010-0380-9
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