Mekoniumaspiration – Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Mekoniumaspiration bezeichnet das Einatmen von Mekonium (Kindspech) in die Lungen eines Neugeborenen, was zu ernsthaften Atemstörungen führen kann.
Wissenswertes über "Mekoniumaspiration"
Die Mekoniumaspiration bezeichnet das Einatmen von Mekonium (Kindspech) in die Lungen eines Neugeborenen, was zu ernsthaften Atemstörungen führen kann.
Was ist Mekoniumaspiration?
Die Mekoniumaspiration beschreibt das Einatmen von Mekonium – dem ersten Stuhlgang eines Neugeborenen, auch als Kindspech bezeichnet – in die Atemwege und Lungen. Gelangt Mekonium in das Fruchtwasser und atmet das Kind dieses vor, während oder kurz nach der Geburt ein, kann es zu einem lebensbedrohlichen Krankheitsbild kommen, dem sogenannten Mekoniumaspirationssyndrom (MAS).
Ursachen
Mekonium befindet sich normalerweise im Darm des ungeborenen Kindes und wird erst nach der Geburt ausgeschieden. Unter Stressbedingungen kann es jedoch bereits vor oder während der Geburt in das Fruchtwasser abgegeben werden. Häufige Ursachen und Risikofaktoren sind:
- Sauerstoffmangel (fetale Hypoxie) unter der Geburt
- Übertragung: Schwangerschaftsdauer über 42 Wochen
- Nabelschnurkomplikationen (z. B. Nabelschnurumschlingung)
- Plazentainsuffizienz (ungenügende Versorgung des Kindes durch die Plazenta)
- Präeklampsie oder andere mütterliche Erkrankungen
- Schwere Wehen oder protrahierter Geburtsverlauf
Symptome
Neugeborene mit Mekoniumaspiration können eine Vielzahl von Symptomen zeigen, abhängig von der Menge des aspirierten Mekoniums und dem Ausmaß der Lungenschädigung:
- Grünlich verfärbtes Fruchtwasser bei der Geburt
- Atemnot (Dyspnoe), schnelle oder mühsame Atmung
- Bläuliche Verfärbung der Haut (Zyanose)
- Aufgeblähter Brustkorb (sogenannte Trommelfellthorax)
- Niedrige Apgar-Werte nach der Geburt
- Im schweren Fall: pulmonale Hypertonie (erhöhter Blutdruck in der Lungenstrombahn)
Diagnose
Die Diagnose des Mekoniumaspirationssyndrom wird klinisch und durch bildgebende Verfahren gestellt:
- Anamnese und klinische Untersuchung: Grünliches Fruchtwasser, Atemstörungen beim Neugeborenen
- Röntgen des Brustkorbs: Typische Veränderungen wie fleckige Infiltrate und Atelektasen (Lungenabschnitte ohne Belüftung)
- Blutgasanalyse: Nachweis von Sauerstoffmangel und erhöhtem Kohlendioxid im Blut
- Pulsoxymetrie: Messung der Sauerstoffsättigung
- Echokardiographie: Bei Verdacht auf pulmonale Hypertonie
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und erfolgt auf einer neonatologischen Intensivstation:
Sofortmaßnahmen nach der Geburt
- Absaugen von Mekonium aus Mund und Nase unmittelbar nach der Geburt
- Reanimationsmaßnahmen bei Bedarf (Beatmung, Herzdruckmassage)
Unterstützende und intensivmedizinische Maßnahmen
- Sauerstoffgabe oder mechanische Beatmung bei schwerer Ateminsuffizienz
- Surfactant-Therapie: Gabe eines oberflächenaktiven Mittels zur Verbesserung der Lungenentfaltung
- Inhalatives Stickstoffmonoxid (iNO): Zur Behandlung der pulmonalen Hypertonie
- Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO): Bei sehr schwerem Verlauf als Ultima Ratio
- Antibiotika bei Verdacht auf eine begleitende Infektion
- Wärme- und Flüssigkeitsmanagement
Prognose
Die Prognose hängt stark vom Schweregrad der Aspiration und dem Ausmaß der Hypoxie ab. Leichte Fälle erholen sich oft vollständig. Schwere Fälle können jedoch zu langfristigen Atemwegsproblemen, neurologischen Schäden oder in seltenen Fällen zum Tod führen. Mit modernen intensivmedizinischen Möglichkeiten hat sich die Überlebensrate in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert.
Quellen
- Wiswell TE, Gannon CM, Jacob J et al. - Delivery room management of the apparently vigorous meconium-stained neonate: results of the multicenter, international collaborative trial. Pediatrics. 2000;105(1):1-7.
- World Health Organization (WHO) - Guidelines on Basic Newborn Resuscitation. Geneva: WHO Press, 2012.
- Gomella TL, Eyal FG, Bany-Mohammed F - Gomella's Neonatology: Management, Procedures, On-Call Problems, Diseases, and Drugs. 8th ed. McGraw-Hill Education, 2020.
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