Monteggia-Fraktur: Ursachen, Symptome & Therapie
Die Monteggia-Fraktur ist ein Knochenbruch der Elle am Unterarm, verbunden mit einer Ausrenkung des Speichenköpfchens. Sie erfordert rasche ärztliche Behandlung.
Wissenswertes über "Monteggia-Fraktur"
Die Monteggia-Fraktur ist ein Knochenbruch der Elle am Unterarm, verbunden mit einer Ausrenkung des Speichenköpfchens. Sie erfordert rasche ärztliche Behandlung.
Was ist eine Monteggia-Fraktur?
Die Monteggia-Fraktur ist eine spezielle Verletzung des Unterarms, bei der gleichzeitig zwei Strukturen beschädigt sind: ein Knochenbruch der Elle (Ulna) im oberen Drittel des Unterarms sowie eine Luxation (Ausrenkung) des Speichenköpfchens (Radiusköpfchen) im Ellenbogengelenk. Diese Kombination macht die Verletzung besonders schwerwiegend und behandlungsbedürftig. Benannt wurde sie nach dem italienischen Chirurgen Giovanni Battista Monteggia, der sie erstmals im 18. Jahrhundert beschrieb.
Ursachen
Eine Monteggia-Fraktur entsteht in der Regel durch ein direktes Trauma oder einen indirekten Krafteinwirkungsmechanismus auf den Unterarm. Häufige Ursachen sind:
- Sturz auf den ausgestreckten Arm
- Direkter Schlag auf die Elle, z. B. bei einer Abwehrbewegung (sogenannte "Nightstick-Verletzung")
- Verdrehung (Torsion) des Unterarms bei gleichzeitiger Krafteinwirkung
- Verkehrsunfälle oder Sportunfälle mit hoher Energieeinwirkung
Bei Kindern kann die Verletzung bereits durch verhältnismäßig geringe Kräfte entstehen, da der Knochen noch weicher und flexibler ist.
Klassifikation nach Bado
Die Monteggia-Fraktur wird häufig nach der Bado-Klassifikation eingeteilt, die vier Typen unterscheidet:
- Typ I: Bruch der Elle mit Verschiebung nach vorne und Luxation des Radiusköpfchens nach vorne (häufigster Typ)
- Typ II: Bruch der Elle mit Verschiebung nach hinten und Luxation des Radiusköpfchens nach hinten
- Typ III: Bruch der Elle mit seitlicher Luxation des Radiusköpfchens (vor allem bei Kindern)
- Typ IV: Bruch von Elle und Speiche mit zusätzlicher Luxation des Radiusköpfchens nach vorne (seltenster Typ)
Symptome
Die typischen Beschwerden einer Monteggia-Fraktur umfassen:
- Starke Schmerzen im Ellenbogen und Unterarm
- Schwellung und Bluterguss im betroffenen Bereich
- Sichtbare oder tastbare Fehlstellung des Ellenbogens
- Eingeschränkte Beweglichkeit des Ellenbogengelenks
- In manchen Fällen Taubheitsgefühl oder Kräfteverlust durch Begleitschäden am Nervus interosseus posterior (einem Ast des Speichennervs)
Diagnose
Die Diagnose wird in erster Linie durch bildgebende Verfahren gestellt:
- Röntgenaufnahmen des Unterarms und Ellenbogens in zwei Ebenen sind die wichtigste diagnostische Maßnahme. Dabei ist es essenziell, sowohl das Handgelenk als auch das Ellenbogengelenk darzustellen, um keine Begleitverletzungen zu übersehen.
- Eine Computertomographie (CT) kann bei komplexen Frakturen oder zur OP-Planung zusätzlich eingesetzt werden.
- Eine Magnetresonanztomographie (MRT) ist bei Verdacht auf Bandverletzungen oder Nervenschaden hilfreich.
Ein häufiger diagnostischer Fehler ist das Übersehen der Radiusköpfchenluxation, wenn das Röntgenbild nur auf den Knochenbruch fokussiert wird.
Behandlung
Konservative Behandlung
Bei Kindern kann in bestimmten Fällen eine konservative Therapie in Betracht gezogen werden. Dabei wird die Fraktur unter kurzer Narkose eingerichtet (geschlossene Reposition) und anschließend mit einem Oberarmgips für mehrere Wochen ruhiggestellt. Diese Methode ist nur bei stabilen Verhältnissen und bestimmten Frakturtypen geeignet.
Operative Behandlung
Bei Erwachsenen ist in den meisten Fällen eine Operation (offene Reposition und interne Fixation, ORIF) notwendig. Das operative Vorgehen umfasst:
- Stabilisierung der Elle mit einer Metallplatte und Schrauben (Plattenosteosynthese)
- Reposition des Radiusköpfchens in die korrekte Gelenkposition, was nach der stabilen Fixierung der Elle in der Regel automatisch erfolgt
- Bei anhaltender Instabilität des Radiusköpfchens: zusätzliche Stabilisierung oder Rekonstruktion des ringförmigen Bandes (Ligamentum anulare radii)
Heilungsverlauf und Prognose
Bei frühzeitiger und korrekter Behandlung ist die Prognose der Monteggia-Fraktur im Allgemeinen gut. Kinder heilen in der Regel besser und schneller als Erwachsene. Die Nachbehandlung umfasst:
- Ruhigstellung für mehrere Wochen
- Kontrollröntgen zur Überwachung der Heilung
- Physiotherapie zur Wiederherstellung von Beweglichkeit, Kraft und Funktion des Ellenbogens
Unbehandelte oder falsch behandelte Monteggia-Frakturen können zu dauerhaften Funktionseinschränkungen, chronischen Schmerzen und Gelenkschäden führen. Komplikationen sind unter anderem Nervenverletzungen, Pseudarthrose (Knochenbruch, der nicht verheilt) oder eine erneute Luxation des Radiusköpfchens.
Quellen
- Bado, J. L. - The Monteggia Lesion. Clinical Orthopaedics and Related Research, 1967.
- Eichenholtz, S. N. & Rieker, O. - Monteggia Fractures in Adults. Journal of Bone and Joint Surgery, 1974.
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) - Frakturen und Luxationen des Ellenbogens, aktuelle Fassung.
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