Morbus Dupuytren: Ursachen, Symptome & Behandlung
Morbus Dupuytren ist eine gutartige Bindegewebserkrankung der Hand, bei der sich die Palmarfaszie verdickt und Finger dauerhaft in Beugung zieht.
Wissenswertes über "Morbus Dupuytren"
Morbus Dupuytren ist eine gutartige Bindegewebserkrankung der Hand, bei der sich die Palmarfaszie verdickt und Finger dauerhaft in Beugung zieht.
Was ist Morbus Dupuytren?
Morbus Dupuytren (auch Dupuytren-Kontraktur genannt) ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung der Palmarfaszie – der Bindegewebsschicht in der Handfläche. Dabei kommt es zur krankhaften Vermehrung und Verdickung von Bindegewebe, das sich zu Strängen und Knoten zusammenzieht. Diese Stränge können einen oder mehrere Finger dauerhaft in eine Beugestellung ziehen, sodass sie sich nicht mehr vollständig strecken lassen.
Am häufigsten sind der Ring- und der Kleinfinger betroffen. Die Erkrankung verläuft langsam über Jahre und ist in der Regel schmerzlos, kann aber die Handfunktion erheblich einschränken.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Ursache von Morbus Dupuytren ist noch nicht vollständig geklärt. Folgende Faktoren erhöhen das Erkrankungsrisiko:
- Genetische Veranlagung: Die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf und gilt als autosomal-dominant vererbbar.
- Alter und Geschlecht: Männer über 50 Jahre sind deutlich häufiger betroffen als Frauen.
- Geografische Herkunft: Besonders verbreitet in Nord- und Westeuropa („Wikingererkrankung“).
- Diabetes mellitus: Erhöht das Erkrankungsrisiko signifikant.
- Alkohol- und Nikotinkonsum: Gelten als begünstigende Faktoren.
- Handarbeit und Vibrationsbelastung: Werden diskutiert, sind aber wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.
- Lebererkrankungen: Patienten mit Leberzirrhose zeigen eine erhöhte Häufigkeit.
Symptome
Die Erkrankung entwickelt sich schleichend und verläuft meist in mehreren Stadien:
- Knoten oder Verdickungen in der Handfläche (frühes Stadium)
- Tastbare Stränge unter der Haut entlang der Finger
- Zunehmende Beugestellung eines oder mehrerer Finger
- Eingeschränkte Streckfähigkeit des betroffenen Fingers
- Schwierigkeiten bei Alltagstätigkeiten (z. B. Handschlag, Greifen, Schreiben)
- In der Regel keine oder nur geringe Schmerzen
Diagnose
Die Diagnose wird überwiegend klinisch gestellt. Der Arzt untersucht die Hand und beurteilt die Beugekontraktur der Finger. Ein wichtiger Test ist der Tischplattentest (Hueston-Test): Kann die Hand flach auf eine Tischfläche gelegt werden, ist keine behandlungsbedürftige Kontraktur vorhanden. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT werden selten benötigt, können jedoch zur genauen Beurteilung des Gewebebefundes eingesetzt werden.
Die Einteilung des Schweregrads erfolgt häufig nach der Tubiana-Klassifikation, die den Gesamtbeugewinkel aller betroffenen Gelenke berücksichtigt.
Behandlung
Konservative Therapie
Im frühen Stadium und bei geringer Beeinträchtigung kann eine abwartende Haltung eingenommen werden. Physiotherapie und Dehnungsübungen können die Beweglichkeit erhalten, heilen die Erkrankung jedoch nicht.
Kollagenase-Injektion (Xiapex)
Durch die Injektion eines bakteriellen Enzyms (Clostridium-histolyticum-Kollagenase) in den Bindegewebsstrang wird dieser aufgeweicht und kann anschließend durch den Arzt manuell gebrochen werden. Diese minimal-invasive Methode eignet sich für ausgewählte Patienten, ist jedoch derzeit in einigen Ländern nicht mehr verfügbar.
Nadelbehandlung (Nadelfasziotomie)
Hierbei wird der verdickte Strang mit einer feinen Nadel durchtrennt. Der Eingriff ist ambulant möglich und wenig invasiv, hat aber eine höhere Rückfallrate als die operative Therapie.
Operation (Fasziektomie)
Bei fortgeschrittener Erkrankung ist die operative Entfernung des erkrankten Bindegewebes (Fasziektomie) die Standardbehandlung. Je nach Ausmaß der Erkrankung wird zwischen partieller und totaler Fasziektomie unterschieden. Die Nachbehandlung umfasst Physiotherapie und das Tragen einer Schiene.
Rückfallrate
Morbus Dupuytren kann nach allen Behandlungen zurückkehren. Die Rezidivrate ist nach Nadelbehandlung am höchsten, nach operativer Fasziektomie am geringsten, aber nicht null.
Verlauf und Prognose
Die Erkrankung ist gutartig und gefährdet nicht das Leben des Patienten. Ohne Behandlung schreitet die Kontraktur jedoch fort und kann die Handfunktion dauerhaft einschränken. Frühzeitige Behandlung verbessert das funktionelle Ergebnis. Eine vollständige Heilung ist nicht immer möglich, eine deutliche Verbesserung der Beweglichkeit jedoch häufig erreichbar.
Quellen
- Lenze U, Rechl H. Dupuytren-Kontraktur. In: Orthopädie und Unfallchirurgie. Springer, Berlin, 2020.
- Dias J, Bainbridge C. Dupuytren's disease. BMJ. 2022;376:e067083. doi:10.1136/bmj-2021-067083.
- Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH). Leitlinie Dupuytren-Kontraktur. AWMF-Registernummer 006-001, 2021.
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