Morbus Scheuermann – Ursachen, Symptome & Behandlung
Morbus Scheuermann ist eine Wachstumssörung der Wirbelsäule im Jugendalter, die zu einer krankhaften Verkrümmung des Rückens führt. Betroffen sind vor allem Brust- und Lendenwirbelsäule.
Wissenswertes über "Morbus Scheuermann"
Morbus Scheuermann ist eine Wachstumssörung der Wirbelsäule im Jugendalter, die zu einer krankhaften Verkrümmung des Rückens führt. Betroffen sind vor allem Brust- und Lendenwirbelsäule.
Was ist Morbus Scheuermann?
Morbus Scheuermann (auch: Scheuermannsche Krankheit oder Adoleszentenkyphose) ist eine strukturelle Erkrankung der Wirbelsäule, die typischerweise während des Wachstumsschubes in der Pubertät auftritt. Dabei kommt es zu einer ungleichmäßigen Verknöcherung der Wirbelkörper, die sich keilförmig verformen. Dies führt zu einer übermäßigen Vorwärtsneigung der Brustwirbelsäule – dem sogenannten Rundrücken (Kyphose). Die Erkrankung wurde erstmals 1920 vom dänischen Orthopäden Holger Scheuermann beschrieben.
Ursachen
Die genauen Ursachen von Morbus Scheuermann sind bislang nicht vollständig geklärt. Als mögliche Faktoren gelten:
- Genetische Veranlagung: Die Erkrankung tritt häufig familiär gehäuft auf, was auf eine erbliche Komponente hinweist.
- Mechanische Überlastung: Wiederholte Belastungen der Wachstumsfugen der Wirbelkörper während des Wachstums können die Entwicklung begünstigen.
- Störungen der Knochenreifung: Eine gestörte Entwicklung der Deck- und Grundplatten der Wirbelkörper gilt als zentraler Mechanismus.
- Hormonelle Einflüsse: Wachstumshormone und pubertale Veränderungen spielen möglicherweise eine Rolle.
Symptome
Die Symptome variieren je nach Schweregrad der Erkrankung. Häufige Zeichen sind:
- Sichtbarer Rundrücken (Hyperkyphose) im Bereich der Brustwirbelsäule
- Rückenschmerzen, besonders nach längerem Sitzen oder körperlicher Belastung
- Eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule
- Muskelverspannungen im Bereich des Rückens
- In schweren Fällen: neurologische Beschwerden durch Einengung des Spinalkanals (selten)
Viele Betroffene bemerken die Veränderungen zunächst nur kosmetisch. Schmerzen nehmen häufig im Erwachsenenalter zu.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren gestellt:
- Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Wirbelsäulenform und Beweglichkeit durch den Arzt.
- Röntgenaufnahme: Charakteristisches Zeichen sind keilförmige Wirbelkörper sowie sogenannte Schmorl-Knötchen (Einbrüche der Bandscheiben in den Wirbelkörper). Eine Kyphose von mehr als 45° gilt als diagnostisch relevant.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Wird eingesetzt, wenn neurologische Symptome vorliegen oder zur genauen Beurteilung von Bandscheiben und Rückenmark.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach Alter, Schweregrad und vorhandenen Beschwerden des Patienten.
Konservative Therapie
- Krankengymnastik und Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rückenmuskulatur und zur Verbesserung der Haltung stellen die Basis der Behandlung dar.
- Korsettversorgung: Bei Jugendlichen mit noch vorhandenem Wachstumspotenzial kann ein Korsett (z. B. Milwaukee- oder Cheneau-Korsett) die Krümmung korrigieren oder zumindest stabilisieren.
- Schmerztherapie: Entzündungshemmende Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen) helfen bei akuten Schmerzen.
- Sportliche Aktivität: Schwimmen und Rückensport werden empfohlen, um die Muskulatur zu stärken.
Operative Therapie
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen notwendig, zum Beispiel bei sehr schwerer Kyphose (über 70–75°), starken Schmerzen, die nicht auf konservative Maßnahmen ansprechen, oder neurologischen Komplikationen. In diesen Fällen wird die Wirbelsäule durch eine Spondylodese (Versteifungsoperation) korrigiert und stabilisiert.
Prognose und Verlauf
Der Verlauf von Morbus Scheuermann ist in den meisten Fällen günstig. Nach Abschluss des Wachstums schreitet die Verkrümmung in der Regel nicht weiter fort. Viele Betroffene führen ein beschwerdefreies Leben, wenn sie frühzeitig behandelt werden. Im Erwachsenenalter können jedoch Rückenschmerzen und degenerative Veränderungen der Wirbelsäule auftreten.
Quellen
- Lowe, T. G. (1990): Scheuermann disease. In: Journal of Bone and Joint Surgery, 72(6), 940–945.
- Wenger, D. R. & Frick, S. L. (1999): Scheuermann kyphosis. In: Spine, 24(24), 2630–2639.
- S2k-Leitlinie "Skoliose, Kyphose und Lordose" der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), aktuelle Fassung. Verfügbar unter: www.awmf.org
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