MPFL-Rekonstruktion: Kniescheibe stabilisieren
Die MPFL-Rekonstruktion ist ein chirurgischer Eingriff zur Wiederherstellung des medialen patellofemoralen Ligaments am Knie, um rezidivierende Kniescheibenausrenkungen zu behandeln.
Wissenswertes über "MPFL-Rekonstruktion"
Die MPFL-Rekonstruktion ist ein chirurgischer Eingriff zur Wiederherstellung des medialen patellofemoralen Ligaments am Knie, um rezidivierende Kniescheibenausrenkungen zu behandeln.
Was ist die MPFL-Rekonstruktion?
Die MPFL-Rekonstruktion (Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligaments) ist ein operativer Eingriff, bei dem das mediale patellofemorale Ligament – ein wichtiges Halteband an der Innenseite des Kniegelenks – wiederhergestellt oder neu aufgebaut wird. Dieses Band verbindet die Kniescheibe (Patella) mit dem innenseitigen Oberschenkelknochen (Femur) und verhindert, dass die Kniescheibe nach außen ausluxiert (herausspringt). Wenn dieses Band durch eine Verletzung oder wiederholte Ausrenkungen geschädigt ist, kann es seine stabilisierende Funktion nicht mehr erfüllen.
Wann wird die MPFL-Rekonstruktion durchgeführt?
Die Operation wird vor allem bei Patienten empfohlen, die unter rezidivierenden Patellaluxationen leiden, also unter wiederholten Ausrenkungen der Kniescheibe. Typische Indikationen sind:
- Mindestens zwei oder mehr Kniescheibenausrenkungen
- Chronische Kniescheibeninstabilität trotz konservativer Therapie
- Erstluxation bei jungen, sportlich aktiven Patienten mit hohem Risikoprofil
- Nachgewiesener Riss des MPFL im MRT-Befund
- Einschränkung der Alltagsaktivitäten und Lebensqualität durch die Instabilität
Anatomische Grundlagen
Das mediale patellofemorale Ligament (MPFL) ist ein dünnes, aber funktionell bedeutsames Band auf der Innenseite des Kniegelenks. Es verläuft von der medialen (inneren) Kante der Patella zum medialen Epikondylus des Femurs. Biomechanische Studien zeigen, dass das MPFL bei der Kniescheibenstabilisierung bis zu 60 % des medialen Haltewiderstands übernimmt. Bei einer Luxation der Patella nach lateral (außen) reißt dieses Band fast immer.
Operationstechnik
Die MPFL-Rekonstruktion wird in der Regel in Vollnarkose oder Spinalnästhesie durchgeführt und dauert etwa 45 bis 90 Minuten. Der genaue operative Ablauf variiert je nach Technik und Chirurg, läuft aber typischerweise wie folgt ab:
- Transplantatentnahme: Als Ersatzsehne wird häufig die Gracilissehne (eine Sehne aus der Innenseite des Oberschenkels) oder die Semitendinosussehne verwendet. Alternativ können Allografts (Spendersehnen) eingesetzt werden.
- Knieartroskopie: Oft wird zusätzlich eine Kniespiegelung durchgeführt, um Begleitverletzungen (z. B. Knorpelschäden) zu erkennen und zu behandeln.
- Tunnelanlage und Fixierung: Das Transplantat wird an der Kniescheibe und am Femur in vorher gebohrten Knochenkanälen (Tunneln) verankert, meist mittels Interferenzschrauben oder Knochenanker (Fadenanker).
- Spannungskontrolle: Die korrekte Spannung des rekonstruierten Bandes wird intraoperativ geprüft, um eine Überspannung zu vermeiden, die die Beweglichkeit einschränken würde.
Nachbehandlung und Rehabilitation
Die Nachbehandlung ist entscheidend für den Operationserfolg. Sie umfasst in der Regel folgende Phasen:
Phase 1: Frühphase (0–6 Wochen)
Teilbelastung mit Unterarmgeh-Hilfen, Bewegungsschiene (CPM), Lymphdrainage und Eistherapie zur Schwellungsreduktion sowie isometrische Übungen zur Muskelaktivierung.
Phase 2: Aufbauphase (6–12 Wochen)
Vollbelastung, Aufbau von Kraft und Koordination, Radfahren auf dem Ergometer, gezielte Physiotherapie zur Stärkung des Musculus vastus medialis obliquus (VMO), der die Kniescheibe aktiv stabilisiert.
Phase 3: Sportspezifische Rehabilitation (ab ca. 3 Monate)
Lauftraining, sportartspezifische Übungen, propriozeptives Training. Die Rückkehr zum Wettkampfsport ist in der Regel nach 6–9 Monaten möglich.
Ergebnisse und Prognose
Die MPFL-Rekonstruktion zeigt in der medizinischen Literatur sehr gute Ergebnisse. Studien berichten von einer Erfolgsrate von über 90 % hinsichtlich der Vermeidung erneuter Luxationen. Die meisten Patienten erreichen eine vollständige Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten. Voraussetzung für ein gutes Ergebnis ist eine korrekte Patientenauswahl, eine technisch einwandfreie Operation und eine konsequente Rehabilitation.
Mögliche Risiken und Komplikationen
Wie bei jedem operativen Eingriff bestehen auch bei der MPFL-Rekonstruktion Risiken:
- Wundinfektionen
- Thrombose oder Embolie
- Bewegungseinschränkung (Arthrofibrose)
- Persistierende Schmerzen
- Fehlpositionierung des Transplantats mit erneuter Instabilität
- Verletzung von Nerven oder Gefäßen
- Bruch der Patella (selten) bei der Tunnelanlage
Das Gesamtrisiko für schwerwiegende Komplikationen ist bei erfahrenen Operateuren gering.
MPFL-Rekonstruktion im Vergleich zu anderen Verfahren
Neben der Rekonstruktion gibt es weitere operative Verfahren zur Behandlung der Patellaluxation, z. B. die MPFL-Raffung (Plikation) bei partiellen Rupturen, die Trochleaplastik bei Trochleadysplasie oder die Tuberositas-tibiae-Versetzung (TTT) bei verändertem Tibiatubercle-Trochlear-Groove-Abstand (TT-TG). Häufig werden diese Verfahren mit der MPFL-Rekonstruktion kombiniert, wenn mehrere anatomische Ursachen vorliegen.
Quellen
- Petri M, et al. – MPFL reconstruction for recurrent patellar instability: clinical outcomes and return to sport. Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy, 2022.
- Lenschow S, Herbort M – Patellastabilisierung: MPFL-Rekonstruktion. In: Knieoperationen, Thieme Verlag, 2020.
- Dejour D, Saggin P – The sulcus deepening trochleoplasty – the Lyon's procedure. International Orthopaedics, 2010; 34(2):311–316.
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