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Multiples Myelom: Ursachen, Symptome & Therapie

Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung der Plasmazellen im Knochenmark. Es gehört zu den hämatologischen Tumoren und ist die zweithäufigste Blutkrebserkrankung.

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Wissenswertes über "Multiples Myelom"

Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung der Plasmazellen im Knochenmark. Es gehört zu den hämatologischen Tumoren und ist die zweithäufigste Blutkrebserkrankung.

Was ist das Multiple Myelom?

Das Multiple Myelom (auch als Plasmozytom bekannt) ist eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks. Dabei vermehren sich entartete Plasmazellen unkontrolliert. Plasmazellen sind ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems und produzieren normalerweise Antikörper zur Abwehr von Krankheitserregern. Beim Multiplen Myelom bilden die veränderten Plasmazellen einen funktionslosen Antikörper, das sogenannte Paraprotein oder M-Protein, der dem Körper keinen Nutzen bringt.

Das Multiple Myelom gehört zur Gruppe der hämatologischen Neoplasien (Blutkrebs) und ist nach dem Non-Hodgkin-Lymphom die zweithäufigste bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems. Es tritt vor allem bei älteren Menschen auf, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 70 Jahren.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen des Multiplen Myeloms sind noch nicht vollständig geklärt. Es handelt sich um eine komplexe Erkrankung mit mehreren beitragenden Faktoren:

  • Genetische Veränderungen: Mutationen und chromosomale Aberrationen in Plasmazellen spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Erkrankung.
  • Vorstufe MGUS: Das Multiple Myelom entwickelt sich häufig aus einer gutartigen Vorstufe, der sogenannten monoklonalen Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS).
  • Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter deutlich an.
  • Geschlecht: Männer erkranken etwas häufiger als Frauen.
  • Ethnische Zugehörigkeit: Menschen afrikanischer Herkunft haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.
  • Strahlenbelastung und chemische Einwirkungen: Exposition gegenüber ionisierender Strahlung oder bestimmten Chemikalien kann das Risiko erhöhen.
  • Familiäre Häufung: Verwandte ersten Grades von Erkrankten haben ein leicht erhöhtes Risiko.

Symptome

Das Multiple Myelom kann über lange Zeit symptomlos verlaufen und wird nicht selten zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt. Typische Symptome, die oft unter dem Akronym CRAB zusammengefasst werden, sind:

  • C – Calcium erhöht (Hyperkalzämie): Übelkeit, Verwirrung, Verstopfung, erhöhter Durst.
  • R – Renale Insuffizienz (Nierenschäden): Einschränkung der Nierenfunktion durch Ablagerung von M-Proteinen.
  • A – Anämie (Blutarmut): Müdigkeit, Schwäche, Blässe durch Verdrängung normaler Blutzellen im Knochenmark.
  • B – Bone lesions (Knochenläsionen): Knochenschmerzen (häufig im Rücken oder den Rippen), pathologische Knochenbrüche, Osteoporose.

Weitere mögliche Beschwerden sind wiederkehrende Infektionen infolge eines gesächwächten Immunsystems, Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen (Polyneuropathie) sowie allgemeine Abgeschlagenheit.

Diagnose

Die Diagnose des Multiplen Myeloms erfolgt durch eine Kombination verschiedener Untersuchungen:

Laboruntersuchungen

  • Blutbild und Differenzialblutbild: Nachweis einer Anämie oder veränderter Blutwerte.
  • Serumelektrophorese und Immunfixation: Nachweis des M-Proteins im Blut.
  • Bestimmung der freien Leichtketten: Empfindliche Methode zur Erkennung und Verlaufskontrolle.
  • Urinuntersuchung: Nachweis von Bence-Jones-Proteinen (Leichtketten im Urin).
  • Nierenparameter und Kalziumspiegel: Beurteilung von Organschäden.

Knochenmarkbiopsie

Die Knochenmarkpunktion ist der Goldstandard zur Diagnosestellung. Sie ermöglicht den direkten Nachweis von Myelomzellen sowie die Bestimmung ihres Anteils an allen Zellen im Knochenmark.

Bildgebende Verfahren

  • Ganzkörper-MRT oder PET-CT: Zur Beurteilung von Knochenläsionen und Tumorausbreitung.
  • Röntgen: Nachweis von Knochendefekten (Osteolysen).

Behandlung

Das Multiple Myelom ist derzeit in den meisten Fällen nicht heilbar, aber gut behandelbar. Die Therapie hat zum Ziel, die Krankheit zu kontrollieren, Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Die Behandlung richtet sich nach dem Alter, dem Allgemeinzustand und individuellen Faktoren des Patienten.

Systemische Therapie

  • Proteasominhibitoren (z.B. Bortezomib, Carfilzomib): Hemmen den Abbau von Proteinen in der Zelle und führen zum Zelltod von Myelomzellen.
  • Immunmodulatorische Substanzen (IMiDs) (z.B. Thalidomid, Lenalidomid, Pomalidomid): Aktivieren das Immunsystem und hemmen das Tumorwachstum.
  • Monoklonale Antikörper (z.B. Daratumumab, Elotuzumab): Richten sich gezielt gegen Oberflächenmerkmale von Myelomzellen.
  • Kortikosteroide (z.B. Dexamethason): Werden meist in Kombination mit anderen Wirkstoffen eingesetzt.
  • CAR-T-Zell-Therapie und bispezifische Antikörper: Neuartige Immuntherapien für Patienten mit rezidivierter oder refraktärer Erkrankung.

Hochdosischemotherapie und autologe Stammzelltransplantation

Bei geeigneten Patienten (in der Regel jünger als 70 Jahre und in gutem Allgemeinzustand) wird nach einer Induktionstherapie eine Hochdosischemotherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation durchgeführt. Dabei werden dem Patienten vor der Hochdosistherapie eigene Stammzellen entnommen und nach der Behandlung zurückübertragen, um das Knochenmark wiederherzustellen.

Unterstützende Therapie

  • Bisphosphonate (z.B. Zoledronsäure): Schützen die Knochen und verringern das Risiko von Knochenbrüchen.
  • Erythropoiese-stimulierende Substanzen und Bluttransfusionen: Behandlung der Anämie.
  • Antibiotische Prophylaxe: Verringerung des Infektionsrisikos.
  • Schmerztherapie: Angepasste Behandlung von Knochenschmerzen.

Prognose

Die Prognose des Multiplen Myeloms hat sich in den letzten Jahren durch neue Therapiemöglichkeiten erheblich verbessert. Das 5-Jahres-Überleben liegt heute je nach Stadium und Risikogruppe bei 50 bis über 70 Prozent. Viele Patienten erreichen lange Remissionsphasen, in denen die Erkrankung keine aktiven Symptome verursacht. Die Erkrankung verläuft jedoch häufig in Schüben mit Remissionen und Rückfällen.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO): Leitlinie Multiples Myelom, 2023. Verfügbar unter: www.onkopedia.com
  2. Rajkumar SV. Multiple myeloma: 2022 update on diagnosis, risk stratification, and management. American Journal of Hematology. 2022;97(8):1086-1107.
  3. Kumar SK, Rajkumar V, Kyle RA, et al. Multiple myeloma. Nature Reviews Disease Primers. 2017;3:17046.
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