Mutterkraut – Wirkung, Anwendung & Dosierung
Mutterkraut (Tanacetum parthenium) ist eine Heilpflanze, die traditionell bei Migräne, Fieber und Entzündungen eingesetzt wird und über entzündungshemmende Wirkstoffe verfügt.
Wissenswertes über "Mutterkraut"
Mutterkraut (Tanacetum parthenium) ist eine Heilpflanze, die traditionell bei Migräne, Fieber und Entzündungen eingesetzt wird und über entzündungshemmende Wirkstoffe verfügt.
Was ist Mutterkraut?
Mutterkraut (botanischer Name: Tanacetum parthenium, auch bekannt als Chrysanthemum parthenium) ist eine mehrjährige Heilpflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die Pflanze stammt ursprünglich aus dem südosteuropäischen und westasiatischen Raum und wird heute weltweit angebaut. Sie ist leicht an ihren weiß-gelben, gänseblümchenartig aussehenden Blüten und ihrem charakteristischen, etwas bitteren Geruch zu erkennen. In der Volksmedizin hat Mutterkraut eine jahrhundertelange Geschichte als Mittel gegen Kopfschmerzen, Fieber und Gebärmuттerbeschwerden – worauf auch der deutsche Name hinweist.
Wirkstoffe und Wirkmechanismus
Der wichtigste Wirkstoff des Mutterkrauts ist Parthenolid, ein Sesquiterpenlacton, das vor allem in den Blättern der Pflanze konzentriert ist. Daneben enthält Mutterkraut weitere Sesquiterpenlactone, Flavonoide sowie ätherische Öle.
- Parthenolid hemmt die Aktivierung des Transkriptionsfaktors NF-κB, der eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Entzündungsreaktionen spielt.
- Es wird die Ausschüttung von Serotonin aus Thrombozyten (Blutplättchen) gehemmt, was bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielen kann.
- Die Hemmung der Prostaglandinsynthese (entzündungsfördernde Botenstoffe) trägt zur entzündungshemmenden Wirkung bei.
- Zusätzlich werden die Ausschüttung von Histamin und anderen Entzündungsmediatoren aus Mastzellen reduziert.
Traditionelle Anwendung
Historisch wurde Mutterkraut seit der Antike in der europäischen Volksmedizin genutzt. Im Mittelalter galt es als Allheilmittel gegen Fieber, Kopfschmerzen und Menstruationsbeschwerden. Der englische Botaniker John Parkinson erwähnte die Pflanze im 17. Jahrhundert als wirksames Mittel gegen alle Arten von Schmerzen im Kopf. In der traditionellen Medizin wurde Mutterkraut eingesetzt bei:
- Migräne und Kopfschmerzen
- Fieber (daher auch der englische Name Feverfew)
- Menstruationsbeschwerden und Regelschmerzen
- Rheumatischen Erkrankungen und Gelenkentzündungen
- Schwindel und Tinnitus
Wissenschaftliche Evidenz und medizinische Anwendung
Die bekannteste und am besten untersuchte Anwendung von Mutterkraut ist die Vorbeugung von Migräneanfällen. Mehrere klinische Studien deuten darauf hin, dass die regelmäßige Einnahme von Mutterkraut-Extrakten die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduzieren kann. Die Datenlage ist insgesamt vielversprechend, jedoch noch nicht einheitlich, weshalb Mutterkraut in den meisten Leitlinien nur als ergänzende Maßnahme empfohlen wird.
In Deutschland und der EU ist Mutterkraut als pflanzliches Arzneimittel (Traditional Herbal Medicinal Product, THMP) zugelassen, das zur Vorbeugung von Migränekopfschmerzen eingesetzt werden darf, wenn eine ärztliche Diagnose der Migräne vorliegt.
Dosierung und Einnahme
Die Dosierung von Mutterkraut-Präparaten richtet sich nach dem Parthenolid-Gehalt des jeweiligen Produkts. Allgemein empfohlene Richtwerte für die Migräneprophylaxe sind:
- Getrocknete Blätter: 50–150 mg pro Tag
- Standardisierte Extrakte: Entsprechend einem Parthenolid-Gehalt von mindestens 0,2–0,5 mg pro Tag
- Die Einnahme sollte über einen längeren Zeitraum (mindestens 1–3 Monate) erfolgen, um eine präventive Wirkung zu erzielen.
Mutterkraut ist in Form von Kapseln, Tabletten, Trockenextrakten und gelegentlich als Frischpflanzenprodukt erhältlich. Die Selbstmedikation mit frischen Blättern ist aufgrund des unangenehmen Geschmacks und schwankender Wirkstoffgehalte weniger empfehlenswert.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Mutterkraut gilt bei bestimmungsgemäßer Anwendung als gut verträglich, kann jedoch in einigen Fällen unerwartete Reaktionen hervorrufen:
- Mundschleimhautreizungen (insbesondere bei Einnahme frischer Blätter): Aphten, Schwellungen, Brennen
- Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit, Bauchschmerzen, Blutungen
- Kontaktdermatitis: allergische Hautreaktionen, insbesondere bei Korbblütlerallergikern
- Bei abruptem Absetzen nach längerer Einnahme kann ein sogenanntes Post-Feverfew-Syndrom auftreten: Wiederauftreten von Migräneanfällen, Angst, Schlafstörungen
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
Mutterkraut sollte in folgenden Situationen nicht eingenommen werden:
- Schwangerschaft: Mutterkraut kann die Gebärmutter stimulieren und Wehen auslösen – daher strikt kontraindiziert.
- Allergie gegen Korbblütler (z. B. Kamille, Arnika, Chrysanthemen): Kreuzreaktion möglich.
- Stillzeit und Kinder unter 12 Jahren: Sicherheit nicht ausreichend belegt.
- Blutgerinnungshemmende Medikamente (z. B. Warfarin, Aspirin, Heparin): Mutterkraut kann die Blutungszeit verlängern und die Wirkung solcher Medikamente verstärken.
Quellen
- European Medicines Agency (EMA): Community herbal monograph on Tanacetum parthenium (L.) Sch. Bip., herba. EMA/HMPC/234581/2009. London, 2011.
- Pareek A, et al. - Feverfew (Tanacetum parthenium L.): A systematic review. Pharmacognosy Reviews, 2011;5(9):103-110.
- Wider B, et al. - Feverfew for preventing migraine. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2004;(1):CD002286.
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