Myokardinfarkt – Ursachen, Symptome & Therapie
Der Myokardinfarkt ist ein lebensbedrohlicher Herzanfall, bei dem Herzmuskelgewebe durch mangelnde Blutversorgung abstirbt. Schnelles Handeln rettet Leben.
Wissenswertes über "Myokardinfarkt"
Der Myokardinfarkt ist ein lebensbedrohlicher Herzanfall, bei dem Herzmuskelgewebe durch mangelnde Blutversorgung abstirbt. Schnelles Handeln rettet Leben.
Was ist ein Myokardinfarkt?
Ein Myokardinfarkt (umgangssprachlich: Herzinfarkt) ist ein medizinischer Notfall, bei dem ein Teil des Herzmuskels (Myokards) aufgrund einer unterbrochenen oder stark verminderten Blutversorgung dauerhaft geschädigt wird oder abstirbt. Die fehlende Sauerstoffversorgung des Herzmuskelgewebes führt innerhalb weniger Minuten zu einer irreversiblen Schädigung. Der Myokardinfarkt gehört weltweit zu den häufigsten Todesursachen und stellt eine der gefährlichsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar.
Ursachen
In den meisten Fällen wird ein Myokardinfarkt durch einen vollständigen Verschluss einer Herzkranzarterie (Koronararterie) ausgelöst. Dieser Verschluss entsteht typischerweise durch:
- Atherosklerose: Ablagerungen von Fetten, Kalk und Entzündungszellen (sog. Plaques) in den Koronararterien verengen die Gefäße über Jahre hinweg.
- Plaqueruptur und Thrombose: Wenn eine atherosklerotische Plaque aufreisst, bildet sich an der Stelle ein Blutgerinnsel (Thrombus), das das Gefäß vollständig verschließen kann.
- Koronarspasmus: In seltenen Fällen kann auch ein Krampf der Herzarterie den Blutfluss unterbrechen.
Risikofaktoren für einen Myokardinfarkt umfassen:
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Erhöhte Blutfettwerte (Hypercholesterinämie)
- Diabetes mellitus
- Rauchen
- Bewegungsmangel und Übergewicht
- Genetische Veranlagung und familiäre Belastung
- Stress und psychosoziale Faktoren
Symptome
Die Symptome eines Myokardinfarkts können individuell sehr unterschiedlich sein. Typische Zeichen sind:
- Starke, anhaltende Brustschmerzen (oft als Druck, Enge oder Brennen beschrieben), die länger als 15 Minuten anhalten
- Ausstrahlung der Schmerzen in den linken Arm, Kiefer, Rücken, Hals oder Oberbauch
- Kurzatmigkeit und Atemnot
- Starkes Schwitzen, Schwindel und Übelkeit
- Angstgefühl und Todesangst
- Blass-graue Hautfarbe und Kaltschweiß
Bei Frauen, älteren Menschen und Diabetikern verlaufen Herzinfarkte häufig untypisch oder mit weniger ausgeprägten Schmerzsymptomen („stiller Herzinfarkt“).
Diagnose
Die Diagnose wird durch mehrere Untersuchungen gesichert:
- EKG (Elektrokardiogramm): Zeigt typische Veränderungen wie ST-Hebungen (STEMI) oder ST-Senkungen (NSTEMI).
- Herzenzyme/Biomarker: Erhöhte Werte von Troponin I und T sowie CK-MB im Blut bestätigen eine Herzmuskelschädigung.
- Echokardiographie: Ultraschalluntersuchung des Herzens zur Beurteilung der Herzfunktion und möglicher Wandbewegungsstörungen.
- Koronarangiographie: Bildgebende Darstellung der Herzkranzgefäße zur genauen Lokalisation des Verschlusses.
Behandlung
Beim Myokardinfarkt gilt: Zeit ist Herzmuskel. Je schneller die Behandlung erfolgt, desto mehr Herzmuskelgewebe kann gerettet werden.
Sofortmaßnahmen
- Notarzt rufen (Notruf 112)
- Lagerung des Patienten: Oberkörper leicht erhöht, Ruhe, enge Kleidung öffnen
- Bei Herz-Kreislauf-Stillstand: Sofortige Reanimation (CPR)
Medikamentöse Therapie
- Aspirin (Acetylsalicylsäure): Hemmt die Blutplättchenaggregation und verhindert weiteres Gerinnselwachstum.
- Heparin: Blutverflüssigung zur Verhinderung weiterer Thrombosen.
- Thrombolytika: Medikamente zur Auflösung des Blutgerinnsels (wenn keine Katheterbehandlung möglich).
- Nitrate, Betablocker, ACE-Hemmer: Zur Entlastung und Schonung des Herzens.
Interventionelle und operative Therapie
- Perkutane Koronarintervention (PCI): Herzkatheterbehandlung mit Aufweitung des verschlossenen Gefäßes mittels Ballon (PTCA) und Einsetzen eines Stents (Gefäßstütze). Dies ist die Therapie der ersten Wahl.
- Aortokoronarer Bypass (CABG): Operative Umgehung des verschlossenen Gefäßabschnitts bei mehreren schwer betroffenen Gefäßen.
Nachsorge und Rehabilitation
Nach einem Myokardinfarkt ist eine umfassende Nachsorge essenziell. Diese umfasst:
- Kardiologische Rehabilitation (ambulant oder stationär)
- Dauerhafte medikamentöse Therapie (z.B. Thrombozytenhemmer, Statine, Betablocker)
- Lebensstiländerungen: Nichtrauchen, gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, Stressreduktion
- Regelmäßige kardiologische Kontrolluntersuchungen
Quellen
- Ibanez B et al. - 2017 ESC Guidelines for the management of acute myocardial infarction in patients presenting with ST-segment elevation. European Heart Journal, 2018; 39(2):119-177.
- Thygesen K et al. - Fourth Universal Definition of Myocardial Infarction. European Heart Journal, 2019; 40(3):237-269.
- Deutsche Herzstiftung e.V. - Herzinfarkt: Ursachen, Symptome und Behandlung. Frankfurt am Main, 2023. Verfügbar unter: www.herzstiftung.de
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