Myokin – Muskelhormon einfach erklärt
Myokine sind Botenstoffe, die von der Muskulatur ausgeschüttet werden und wichtige Funktionen im Körper übernehmen. Sie regulieren Stoffwechsel, Immunsystem und Entzündungsprozesse.
Wissenswertes über "Myokin"
Myokine sind Botenstoffe, die von der Muskulatur ausgeschüttet werden und wichtige Funktionen im Körper übernehmen. Sie regulieren Stoffwechsel, Immunsystem und Entzündungsprozesse.
Was sind Myokine?
Myokine sind biologisch aktive Proteine und Peptide, die von der Skelettmuskulatur produziert und in den Blutkreislauf abgegeben werden. Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern mys (Muskel) und kinein (bewegen, aktivieren) zusammen. Myokine wirken als Signalmoleküle – ähnlich wie Hormone – und beeinflussen verschiedene Organe und Gewebe im Körper. Sie zählen zur größeren Gruppe der Zytokine, also immunologisch relevanter Botenstoffe.
Entstehung und Freisetzung
Die Freisetzung von Myokinen erfolgt hauptsächlich während und nach körperlicher Aktivität, insbesondere bei Ausdauer- und Krafttraining. Je intensiver und regelmäßiger der Muskel beansprucht wird, desto mehr Myokine werden produziert. Dies erklärt einen Teil der positiven gesundheitlichen Effekte regelmäßiger Bewegung auf den gesamten Organismus.
Wichtige Myokine und ihre Funktionen
Interleukin-6 (IL-6)
IL-6 ist das am besten untersuchte Myokin. Bei körperlicher Belastung wird es vom Muskel in großen Mengen ausgeschüttet und wirkt entzündungshemmend sowie stoffwechselregulierend. Es steigert die Fettverbrennung und verbessert die Insulinsensitivität.
Irisin
Irisin ist ein Myokin, das bei Ausdauertraining verstärkt freigesetzt wird. Es fördert die Umwandlung von weißem Fettgewebe in braunes Fettgewebe (Beigefarbe), was den Energieverbrauch erhöht und sich positiv auf den Glukosestoffwechsel auswirkt. Zusätzlich werden nützliche Effekte auf das Gehirn und die Knochengesundheit diskutiert.
BDNF (Brain-derived neurotrophic factor)
BDNF wird teilweise auch vom Muskel produziert und wirkt nëuroprotektion. Es unterstützt das Wachstum und Überleben von Nervenzellen und könnte eine Rolle bei der Vorbeugung von neurodegenerativen Erkrankungen spielen.
Myostatin
Myostatin ist ein Myokin mit hemmender Wirkung auf das Muskelwachstum. Es reguliert die Muskelmasse nach unten und ist ein wichtiger Kontrollmechanismus im Muskelstoffwechsel.
FGF21 (Fibroblast Growth Factor 21)
FGF21 wirkt stoffwechselregulierend, verbessert die Insulinsensitivität und beeinflusst den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel positiv.
Bedeutung für die Gesundheit
Myokine spielen eine zentrale Rolle bei der Erklärung, warum regelmäßige körperliche Aktivität so viele gesundheitliche Vorteile hat. Sie wirken unter anderem:
- Entzündungshemmend (anti-inflammatorisch)
- Stoffwechselregulierend (verbesserte Insulin- und Glukosekontrolle)
- Kardioprotektiv (herzschützend)
- Neuroprotektiv (nervenschützend)
- Knochenstärkend (osteogen)
- Unterstützend für das Immunsystem
Bewegungsmangel hingegen führt zu einer verminderten Myokin-Ausschüttung, was chronische Entzündungen und Stoffwechselstörungen begünstigen kann.
Klinische Relevanz
Die Erforschung von Myokinen ist ein wachsendes Feld der Sportmedizin und präventiven Medizin. Myokine sind potenziell relevant bei der Prävention und Therapie von:
- Typ-2-Diabetes
- Adipositas (Fettleibigkeit)
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Neurodegenerativen Erkrankungen (z.B. Alzheimer-Krankheit)
- Osteoporose
- Chronischen Entzündungserkrankungen
In Zukunft könnten einzelne Myokine als therapeutische Zielmoleкüle oder als Grundlage für neue Medikamente dienen.
Quellen
- Pedersen BK, Febbraio MA. Muscles, exercise and obesity: skeletal muscle as a secretory organ. Nature Reviews Endocrinology. 2012;8(8):457-465.
- Schnyder S, Handschin C. Skeletal muscle as an endocrine organ: PGC-1alpha, myokines and exercise. Bone. 2015;80:115-125.
- World Health Organization (WHO). Global recommendations on physical activity for health. Geneva: WHO Press; 2010.
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