Nabelschnurblut: Stammzellen, Spende & Einlagerung
Nabelschnurblut ist das Blut, das nach der Geburt in der Nabelschnur und der Plazenta verbleibt. Es enthält wertvolle Stammzellen und wird für medizinische Therapien genutzt.
Wissenswertes über "Nabelschnurblut"
Nabelschnurblut ist das Blut, das nach der Geburt in der Nabelschnur und der Plazenta verbleibt. Es enthält wertvolle Stammzellen und wird für medizinische Therapien genutzt.
Was ist Nabelschnurblut?
Nabelschnurblut bezeichnet das Blut, das nach der Geburt eines Kindes in der Nabelschnur und der Plazenta (Mutterkuchen) zurückbleibt. Dieses Blut ist besonders wertvoll, da es eine hohe Konzentration an hämatopoetischen Stammzellen enthält – also Stammzellen, die in der Lage sind, alle Arten von Blutzellen zu bilden. Normalerweise wird die Nabelschnur nach der Geburt durchtrennt und das darin enthaltene Blut würde verworfen werden. Durch eine gezielte Entnahme kann es jedoch für medizinische Zwecke genutzt oder eingelagert werden.
Zusammensetzung und besondere Eigenschaften
Nabelschnurblut unterscheidet sich in mehreren Punkten von normalem Erwachsenenblut:
- Hoher Stammzellgehalt: Es enthält deutlich mehr blutbildende Stammzellen als das Blut Erwachsener.
- Geringere Immunreaktivität: Die Immunzellen im Nabelschnurblut sind weniger aggressiv, was das Risiko einer Graft-versus-Host-Reaktion (eine Absтоßungsreaktion bei Transplantationen) reduziert.
- Einfache Gewinnung: Die Entnahme ist für Mutter und Kind schmerzlos und risikolos, da sie nach der Geburt erfolgt.
- Langzeitlagerung: Nabelschnurblut kann bei –196 °C in flüssigem Stickstoff über viele Jahrzehnte eingefroren werden.
Gewinnung und Einlagerung
Die Entnahme von Nabelschnurblut erfolgt unmittelbar nach der Geburt des Kindes und nach dem Durchtrennen der Nabelschnur. Das Blut wird steril in einen speziellen Beutel geleitet. Der Vorgang dauert nur wenige Minuten und ist vollkommen schmerzlos. Anschließend wird die Probe in einem Labor aufbereitet und tiefgefroren eingelagert. Es gibt zwei Formen der Einlagerung:
- Öffentliche Nabelschnurblutbanken: Das Blut wird gespendet und steht allen geeigneten Patienten weltweit zur Verfügung. Diese Option ist kostenlos und gilt als medizinisch besonders wertvoll, da sie die Stammzellversorgung für viele Erkrankte verbessert.
- Private Nabelschnurblutbanken: Das Blut wird exklusiv für das Kind oder die Familie eingelagert. Dies ist kostenpflichtig und die Wahrscheinlichkeit, dass das eigene Nabelschnurblut benötigt wird, ist statistisch gering.
Medizinische Anwendungsgebiete
Nabelschnurblutspenden werden bereits seit den 1980er Jahren in der Medizin eingesetzt. Die wichtigsten Anwendungsgebiete sind:
- Leukämien: Verschiedene Formen von Blutkrebs, wie die akute myeloische Leukämie (AML) oder akute lymphatische Leukämie (ALL), können mit Stammzelltransplantationen aus Nabelschnurblut behandelt werden.
- Lymphome: Bösartige Erkrankungen des Lymphsystems, z. B. das Hodgkin- oder Non-Hodgkin-Lymphom.
- Knochenmarkversagen: Erkrankungen wie die aplastische Anämie, bei denen das Knochenmark keine ausreichenden Blutzellen mehr produziert.
- Angeborene Stoffwechselerkrankungen: Bestimmte seltene Erkrankungen wie Mukopolysaccharidosen können durch Stammzelltransplantation behandelt werden.
- Immundefekte: Angeborene Immunschwächen, bei denen das Immunsystem durch neue Stammzellen aufgebaut werden muss.
Aktueller Stand der Forschung
Die Forschung rund um Nabelschnurblut entwickelt sich kontinuierlich weiter. Wissenschaftler untersuchen den Einsatz von Nabelschnurblut-Stammzellen in der regenerativen Medizin, beispielsweise bei neurologischen Erkrankungen wie Zerebralparese oder Autismus-Spektrum-Störungen. Diese Anwendungen befinden sich jedoch noch weitgehend im experimentellen Stadium und sind nicht Teil der Standardtherapie. Darüber hinaus wird die Nutzung mesenchymaler Stammzellen aus der Wharton-Sulze der Nabelschnur (dem gallertartigen Bindegewebe) erforscht.
Empfehlungen medizinischer Fachgesellschaften
Viele medizinische Fachgesellschaften, darunter die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und die American Academy of Pediatrics (AAP), empfehlen die öffentliche Spende von Nabelschnurblut, sofern kein spezifisches familiäres Risiko vorliegt. Die private Einlagerung ohne konkreten medizinischen Bedarf wird von den meisten Fachgesellschaften nicht routinemäßig empfohlen, da die Wahrscheinlichkeit einer späteren Nutzung sehr gering ist.
Quellen
- Gluckman E. et al. - Hematopoietic reconstitution in a patient with Fanconi anemia by means of umbilical-cord blood from an HLA-identical sibling. New England Journal of Medicine, 1989.
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) - Stellungnahme zur Nabelschnurbluteinlagerung, 2021.
- World Health Organization (WHO) - Stem cell transplantation and cord blood banking: current status and perspectives, 2020.
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