NADH – Funktion, Wirkung & Anwendung
NADH ist die reduzierte Form von NAD+ und ein zentrales Coenzym im Energiestoffwechsel der Zellen. Es spielt eine Schlüsselrolle bei der Energiegewinnung und wird in der Medizin als Nahrungsergänzung diskutiert.
Wissenswertes über "NADH"
NADH ist die reduzierte Form von NAD+ und ein zentrales Coenzym im Energiestoffwechsel der Zellen. Es spielt eine Schlüsselrolle bei der Energiegewinnung und wird in der Medizin als Nahrungsergänzung diskutiert.
Was ist NADH?
NADH (Nicotinamidadenindinukleotid, reduzierte Form) ist ein Coenzym, das in jeder lebenden Zelle vorkommt. Es entsteht, wenn NAD+ (Nicotinamidadenindinukleotid, oxidierte Form) ein Wasserstoffion und zwei Elektronen aufnimmt – ein Vorgang, der als Reduktion bezeichnet wird. NADH ist damit die energiereiche, aktive Form des Moleküls und gehört zur Gruppe der Coenzyme, die vom Vitamin B3 (Niacin) abgeleitet sind.
Biologische Funktion und Wirkmechanismus
NADH erfüllt im menschlichen Körper eine zentrale Rolle im zellulären Energiestoffwechsel. Seine wichtigsten Funktionen umfassen:
- Elektronentransportkette: In den Mitochondrien gibt NADH seine Elektronen an Komplex I der Atmungskette ab. Dabei wird Energie freigesetzt, die zur Synthese von ATP (Adenosintriphosphat) – dem universellen Energieträger der Zelle – genutzt wird. Pro Molekül NADH können bis zu 2,5 Moleküle ATP erzeugt werden.
- Glykolyse und Citratzyklus: Während des Glukoseabbaus und des Citratzyklus wird NAD+ zu NADH reduziert und dient dabei als Elektronen-Shuttle.
- Antioxidative Wirkung: NADH kann als Elektronendonor oxidativen Stress in Zellen reduzieren und schädliche freie Radikale neutralisieren.
- Neurotransmitter-Synthese: NADH ist an der Biosynthese von Dopamin, Noradrenalin und anderen Neurotransmittern beteiligt.
- DNA-Reparatur: Über den NAD+/NADH-Zyklus werden Enzyme wie PARP (Poly-ADP-Ribose-Polymerase) aktiviert, die an der DNA-Reparatur beteiligt sind.
Medizinische Anwendung und Nahrungsergänzung
NADH wird als Nahrungsergänzungsmittel angeboten und in verschiedenen Bereichen erforscht:
Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS/ME)
Mehrere klinische Studien haben untersucht, ob NADH-Supplemente bei Patienten mit Chronischem Erschöpfungssyndrom (ME/CFS) die Energieproduktion verbessern und Symptome wie anhaltende Müdigkeit reduzieren können. Einige kontrollierte Studien zeigten positive Effekte, die Evidenzlage gilt jedoch noch als begrenzt.
Kognitive Leistung und neurodegenerative Erkrankungen
Es gibt Hinweise, dass NADH neuroprotektive Eigenschaften besitzt. In Studien zu Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson wurden Effekte auf den Dopaminstoffwechsel und die mitochondriale Funktion untersucht. Die klinische Relevanz ist noch Gegenstand der Forschung.
Sporternährung und Leistungssteigerung
Im Bereich der Sporternährung wird NADH wegen seiner Rolle in der ATP-Synthese als leistungssteigerndes Supplement diskutiert. Bislang ist die wissenschaftliche Evidenz hierfür jedoch uneinheitlich.
Dosierung und Einnahme
Als Nahrungsergänzungsmittel wird NADH typischerweise in Dosierungen von 5 bis 20 mg pro Tag angeboten. Es wird empfohlen, NADH auf nüchternen Magen einzunehmen, da säurehaltige Magenumgebung die Stabilität des Moleküls beeinträchtigen kann. Magensaftresistente Formulierungen können die Bioverflo;gbarkeit verbessern.
Sicherheit und Nebenwirkungen
NADH gilt in den üblichen Dosierungen als gut verträglich. Folgende Aspekte sind zu beachten:
- Gelegentlich berichten Anwender über Schlafstörungen, wenn NADH spät am Tag eingenommen wird, da es stimulierend wirken kann.
- Selten treten Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Magendruck auf.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten sind bislang wenig dokumentiert, Vorsicht ist jedoch bei der gleichzeitigen Einnahme von Antidepressiva oder dopaminergen Substanzen geboten.
- Schwangere und Stillende sollten die Einnahme mit einem Arzt absprechen.
Natürliche Quellen und Körpereigenproduktion
Der Körper synthetisiert NADH selbst aus Niacin (Vitamin B3) und anderen Vorstufen wie Tryptophan. Lebensmittel, die reich an Niacin sind und damit die NAD+/NADH-Verfügbarkeit unterstützen, umfassen:
- Fleisch und Fisch (insbesondere Thunfisch, Hühnchen, Rindfleisch)
- Hülsenfrüchte und Erdnüsse
- Vollkornprodukte
- Pilze
- Milchprodukte und Eier
Quellen
- Birkmayer JGD et al. - Nicotinamide adenine dinucleotide (NADH) - A new therapeutic approach to Parkinson's disease. Comparison of oral and parenteral application. Acta Neurologica Scandinavica, 1993.
- Forsyth LM et al. - Therapeutic effects of oral NADH on the symptoms of patients with chronic fatigue syndrome. Annals of Allergy, Asthma & Immunology, 1999; 82(2): 185-191.
- Verdin E. - NAD+ in aging, metabolism, and neurodegeneration. Science, 2015; 350(6265): 1208-1213.
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