Narzisstische Persönlichkeitsstörung – Definition & Therapie
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist eine psychische Erkrankung mit übertriebenem Selbstbild, Mangel an Empathie und starkem Bedürfnis nach Bewunderung.
Wissenswertes über "Narzisstische Persönlichkeitsstörung"
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist eine psychische Erkrankung mit übertriebenem Selbstbild, Mangel an Empathie und starkem Bedürfnis nach Bewunderung.
Was ist die narzisstische Persönlichkeitsstörung?
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung (kurz: NPS) ist eine psychische Erkrankung, die zur Gruppe der Persönlichkeitsstörungen gehört. Menschen mit dieser Störung haben ein stark übertriebenes Selbstbild, ein tiefes Bedürfnis nach Bewunderung und Anerkennung sowie einen ausgeprägten Mangel an Einfühlungsvermögen gegenüber anderen. Trotz dieses nach außen hin selbstbewussten Auftretens verbirgt sich dahinter oft ein sehr fragiles Selbstwertgefühl, das leicht durch Kritik verletzt werden kann.
Die Erkrankung ist im internationalen Klassifikationssystem DSM-5 (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen) sowie im ICD-11 (Internationale Klassifikation der Krankheiten) als eigenständige Persönlichkeitsstörung anerkannt. Schätzungen zufolge sind etwa 1 bis 6 Prozent der Bevölkerung betroffen, wobei Männer häufiger diagnostiziert werden als Frauen.
Ursachen
Die genauen Ursachen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind noch nicht vollständig erforscht. Es wird davon ausgegangen, dass ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren zur Entstehung beiträgt:
- Genetische Faktoren: Familiäre Häufungen legen eine genetische Komponente nahe.
- Frühkindliche Erfahrungen: Übermäßiges Lob und Idealisierung durch Eltern, aber auch emotionale Vernachlässigung oder Missbrauch in der Kindheit können die Entwicklung beeinflussen.
- Bindungsstörungen: Unsichere oder gestörte Bindungsmuster in der frühen Kindheit gelten als Risikofaktor.
- Gesellschaftliche Einflüsse: Kulturelle und soziale Normen, die Individualismus, Erfolg und Statusdenken stark betonen, können narzisstische Züge fördern.
Symptome
Die Symptome der narzisstischen Persönlichkeitsstörung zeigen sich in verschiedenen Lebensbereichen und sind dauerhaft vorhanden. Typische Merkmale sind:
- Grandiosöses Selbstbild und Überzeugung, besonders wichtig oder einzigartig zu sein
- Fantasien von grenzenlosem Erfolg, Macht, Glänzendheit oder idealer Liebe
- Starkes Bedürfnis nach Bewunderung und Bestätigung
- Mangel an Empathie: Unfähigkeit oder mangelnde Bereitschaft, sich in andere einzufühlen
- Ausnutzen anderer Menschen zur Erreichung eigener Ziele
- Neid auf andere oder die Überzeugung, dass andere neidisch auf einen selbst sind
- Arrogantes und herablassendes Verhalten
- Starke emotionale Reaktionen auf Kritik (narzistische Kränkung)
- Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen
Diagnose
Die Diagnose der narzisstischen Persönlichkeitsstörung wird von einem erfahrenen Psychiater oder Psychologen gestellt. Grundlage ist ein ausführliches klinisches Gespräch sowie die Bewertung der Kriterien nach DSM-5 oder ICD-11. Gemäß DSM-5 müssen mindestens fünf von neun definierten Kriterien erfüllt sein, darunter Grandiosität, Empathiemangel und das Bedürfnis nach Bewunderung.
Zusätzlich können standardisierte Fragebögen und psychologische Tests eingesetzt werden. Wichtig ist die Abgrenzung von anderen Persönlichkeitsstörungen wie der Borderline-Persönlichkeitsstörung oder der antisozialen Persönlichkeitsstörung, da sich Symptome überschneiden können.
Behandlung
Die Behandlung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist komplex, da Betroffene ihren Leidensdruck häufig nicht selbst wahrnehmen und selten aus eigenem Antrieb Hilfe suchen. Dennoch gibt es wirksame Therapieformen:
Psychotherapie
Die Psychotherapie ist die wichtigste Behandlungsmöglichkeit. Besonders eingesetzte Verfahren sind:
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Hilft dabei, dysfunktionale Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern.
- Tiefenpsychologische oder psychoanalytische Therapie: Beschäftigt sich mit unbewussten Konflikten und frühkindlichen Erfahrungen.
- Schematherapie: Kombiniert Elemente verschiedener Therapieformen und arbeitet an tief verwurzelten emotionalen Mustern.
- Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT): Fördert die Fähigkeit, eigene und fremde Geisteszustände besser zu verstehen.
Medikamentöse Behandlung
Es gibt keine speziell für die narzisstische Persönlichkeitsstörung zugelassenen Medikamente. Bei Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Impulskontrollstörungen können jedoch Antidepressiva oder andere Psychopharmaka eingesetzt werden.
Verlauf und Prognose
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist eine langjährige Erkrankung, die sich meist im frühen Erwachsenenalter manifestiert und ohne Behandlung stabil bleibt. Mit konsequenter Psychotherapie können jedoch deutliche Verbesserungen erzielt werden. Im Alter neigen narzisstische Züge häufig dazu, abzunehmen. Wichtig ist, dass Betroffene sowie deren Angehörige professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen.
Quellen
- American Psychiatric Association: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition (DSM-5). Washington, DC, 2013.
- Ronningstam E. - Identifying and Understanding the Narcissistic Personality. Oxford University Press, 2005.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): International Classification of Diseases, 11th Revision (ICD-11). Genf, 2022. Verfügbar unter: https://icd.who.int
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