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Nekrotisierende Fasziitis – Ursachen, Symptome & Behandlung

Nekrotisierende Fasziitis ist eine seltene, lebensbedrohliche bakterielle Infektion des Weichteilgewebes. Sie zerstört Faszien, Muskeln und Haut und erfordert sofortige medizinische Behandlung.

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Wissenswertes über "Nekrotisierende Fasziitis"

Nekrotisierende Fasziitis ist eine seltene, lebensbedrohliche bakterielle Infektion des Weichteilgewebes. Sie zerstört Faszien, Muskeln und Haut und erfordert sofortige medizinische Behandlung.

Was ist eine nekrotisierende Fasziitis?

Die nekrotisierende Fasziitis ist eine schwere, rasch fortschreitende Weichteilinfektion, die durch Bakterien verursacht wird. Sie betrifft die Faszien – das Bindegewebe, das Muskeln, Nerven und Gefäße umhüllt – sowie das umliegende Fett- und Muskelgewebe. Da das Gewebe dabei abstirbt (Nekrose), wird diese Erkrankung im Volksmund auch als „fleischfressende Bakterieninfektion“ bezeichnet. Sie verläuft ohne sofortige Behandlung oft tödlich.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Erkrankung entsteht in der Regel durch das Eindringen von Bakterien über eine Wunde, einen chirurgischen Eingriff oder auch kleine Hautläsionen. Man unterscheidet verschiedene Typen je nach beteiligten Erregern:

  • Typ I (polymikrobiell): Mehrere Bakterienarten wirken zusammen, häufig aerobe und anaerobe Keime wie Escherichia coli, Klebsiella und Bacteroides. Dieser Typ tritt bevorzugt bei älteren oder immungeschwächten Personen auf.
  • Typ II (monomikrobiell): Meist ausgelöst durch Streptococcus pyogenes (Gruppe A Streptokokken), seltener durch Staphylococcus aureus. Dieser Typ kann auch gesunde Erwachsene betreffen.
  • Typ III: Ausgelöst durch Clostridium-Arten (Gasbrand) oder marine Bakterien wie Vibrio vulnificus.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

  • Diabetes mellitus
  • Immunschwäche (z. B. bei HIV, Chemotherapie)
  • Alkohol- oder Drogenabusus
  • Adipositas
  • Chronische Nieren- oder Lebererkrankungen
  • Hautverletzungen, Operationswunden, Insektenstiche
  • Gabe von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), die Symptome maskieren können

Symptome

Die Symptome entwickeln sich meist innerhalb von Stunden bis Tagen und können zunächst unspezifisch sein, was die Diagnose erschwert:

  • Frühphase: Starke, unverhältnismäßige Schmerzen an der betroffenen Stelle, Hautrötung, Wärme und Schwellung
  • Mittlere Phase: Blauviolätte Verfärbung der Haut (Zyanose), Blasenbildung, sichtbare Hautzerstörung
  • Spätphase: Abgestorbenes (nekrotisches) Gewebe, Gefühllosigkeit der Haut durch Nervenschäden, hochgradige Schwäche
  • Allgemeinsymptome: Hohes Fieber, Schüttelfrost, Verwirrtheit, Kreislaufversagen bis hin zum septischen Schock

Diagnose

Die Diagnose der nekrotisierenden Fasziitis ist eine klinische Notfalldiagnose. Folgende Untersuchungen werden eingesetzt:

  • Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Hautsymptome, Schmerz und Gewebezustand
  • Laborwerte: Erhöhte Entzündungsparameter (CRP, Leukozyten), Erhöhung von Laktat und Kreatinin als Zeichen einer Organbeteiligung. Der sogenannte LRINEC-Score (Laboratory Risk Indicator for Necrotizing Fasciitis) kann die Diagnose unterstützen.
  • Bildgebung: MRT oder CT können die Ausdehnung der Infektion sowie Gasansammlungen im Gewebe darstellen. Eine Bildgebung darf jedoch die chirurgische Intervention nicht verzögern.
  • Operative Exploration: Die sichere Diagnose erfolgt durch chirurgische Freilegung des betroffenen Gewebes („Goldstandard“).

Behandlung

Die nekrotisierende Fasziitis ist ein medizinischer Notfall. Die Behandlung muss unmittelbar nach Verdacht eingeleitet werden:

Chirurgische Therapie

Das wichtigste Therapieelement ist die sofortige und radikale chirurgische Entfernung des gesamten nekrotischen und infizierten Gewebes (Debridement). Oft sind mehrere Operationen notwendig, bis alle betroffenen Bereiche vollständig entfernt sind. In schweren Fällen kann eine Amputation der betroffenen Extremität erforderlich sein.

Antibiotische Therapie

Gleichzeitig wird eine hochdosierte intraavenöse Breitspektrum-Antibiotikatherapie eingeleitet, die typischerweise eine Kombination aus mehreren Antibiotika umfasst (z. B. Carbapenem, Clindamycin, Vancomycin). Clindamycin hemmt zusätzlich die Toxinproduktion der Streptokokken.

Intensivmedizinische Behandlung

Betroffene benötigen in der Regel eine intensivmedizinische Betreuung mit Kreislaufstabilisierung, Flüssigkeitsgabe und gegebenenfalls künstlicher Beatmung.

Hyperbare Sauerstofftherapie

In einigen spezialisierten Zentren wird ergänzend die hyperbare Sauerstofftherapie (Behandlung in einer Druckkammer mit reinem Sauerstoff) eingesetzt, um das Gewebewachstum zu fördern und anaerobe Keime zu bekämpfen. Der Nutzen ist jedoch wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt.

Wundversorgung und Rekonstruktion

Nach der Infektionskontrolle erfolgt die schrittweise Wundversorgung, häufig mit Vakuumtherapie und später plastisch-chirurgischer Rekonstruktion (z. B. Hauttransplantation).

Prognose

Die Sterblichkeitsrate der nekrotisierenden Fasziitis liegt trotz moderner Behandlung bei 20–40 %. Je früher die Diagnose gestellt und die chirurgische Therapie eingeleitet wird, desto besser sind die Überlebenschancen. Überlebende leiden häufig unter dauerhaften Beeinträchtigungen durch ausgedehnte Gewebeverluste oder Amputationen.

Quellen

  1. Sartelli, M. et al. - Management of intra-abdominal infections: recommendations by the WSES 2017 guidelines. World Journal of Emergency Surgery, 2017.
  2. Stevens, D.L. & Bryant, A.E. - Necrotizing Soft-Tissue Infections. New England Journal of Medicine, 2017; 377(23): 2253–2265.
  3. Robert Koch-Institut (RKI) - Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten, Berlin, 2011.

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